Schülerinnen organisieren „Tag der Betriebe“

Polizeiarbeit anders als im „Tatort“

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Die 15-jährige Franziska will Friseurin werden. Ufuk Güler vom Salon Radolla schaut ihr bei einigen leichten Übungen über die Schulter.

Syke - Von Maik Hanke. Nein, Polizeiarbeit funktioniert nicht wie im „Tatort“. Nein, Bundeswehr ist nicht nur Ballern. Nein, nicht alle Bäcker stehen mitten in der Nacht schon am Ofen. Noch haben viele Schüler ein verzerrtes Bild von Berufen. Mit den Vorurteilen aufräumen konnten 13 Unternehmen am Dienstag beim „Tag der Betriebe“ an der GTS 2001. Vom Tag am meisten profitiert haben allerdings vier Schülerinnen.

Die Neuntklässlerinnen Jessica Schabdach, Sanije Abduramani, Laura Achmus und Victoria Tur hatten den Tag unter dem Motto „Schüler für Schüler“ organisiert.

Die vier Teenager hatten Firmen akquiriert, Kontakte verwaltet, Schüler in Gruppen eingeteilt. Sie wissen jetzt, wie man richtig telefoniert und vernünftige E-Mails schreibt. Und sie haben eine ganze Menge über sich selbst gelernt: Flexibel und selbstbewusst zu sein, Arbeit auch mal abzugeben und – ganz wichtig – zielstrebig zu sein.

„Zuerst haben wir nicht geglaubt, dass das mit nur ein paar Personen machbar ist“, sagt Jessica. Aber sie und ihre Mitschülerinnen hatten sich richtig reingehängt, ein halbes Jahr lang nicht nur im Unterricht, sondern auch zu Hause an der Vorbereitung dieses Tags gearbeitet.

„Ich weiß nicht, wie wir es ohne sie hingekommen hätten“, lobt Schulsozialarbeiterin Silke Schmidt-Hartmann. Gerade Jessica habe eine vollwertige Mitarbeiterin ersetzt. Das passt zu ihr: Jessica möchte nach ihrem Realschulabschluss noch Abitur machen, studieren und dann am liebsten im Eventmanagement arbeiten. Am Tag der Betriebe selbst gab es auch von den Unternehmern nur Lob für die gute Organisation.

Eher gemischt fiel hingegen das inhaltliche Fazit der beteiligten Ausbildungsbetriebe aus. Die Polizei, vertreten durch Ingo Büntemeyer und Azubi David Probst, freute sich über eine gute Resonanz. „Wir brauchen nächstes Jahr einen Raum mehr“, scherzte Büntemeyer. In zwei Einheiten stellten die Polizisten ihren Beruf und die Ausbildung vor. Wie eigentlich Polizeiarbeit aussieht, wussten die meisten Schüler nicht. „Eine Kripo, wie man sie im ‚Tatort‘ regelmäßig sieht, gibt es zum Beispiel in dieser Form gar nicht“, sagt Büntemeyer. Und Probst ergänzt: „Mittlerweile ist aber jedem klar, dass wir nicht ‚Cobra 11‘ spielen.“ Die Polizisten berichteten aus dem echten Leben und von echten Fällen und davon, dass sie genauso viel Zeit am Schreibtisch wie auf der Straße verbringen.

Andreas Burggräfe von der Bundeswehr ärgert sich hingegen ein wenig, dass die Schüler kaum Fragen gestellt und somit kaum Interesse signalisiert hätten. Also stellte er die zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten vor: „Die meisten wissen gar nicht, wie breitfächerig die Bundeswehr ist.“ Gerrit Köhler von der Telekom zieht ein ähnliches Fazit: „Es hat nicht einmal jemand nach einem Praktikum gefragt“, wundert er sich.

Für manche scheint der Tag der Betriebe noch zu früh zu kommen: „Die9. Klassen sind schon ganz wach, aber die 8. Klassen haben das Berufsleben noch gar nicht im Kopf“, fasst Silke Schmidt-Hartmann zusammen.

Die Schüler gaben am Ende des Tages allerdings ausnahmslos positive Rückmeldungen. Informativ sei der Tag gewesen – und einen neuen Blick auf manch einen Berufe hätten sie auch gewonnen.

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