Schon vier Unfälle in diesem Jahr / Jäger-Appell an Autofahrer: Langsam fahren!

Reh-Alarm an der Friedeholzstraße

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Manfred Just (l.) und Jürgen Philipps am Rand der Friedeholzstraße. Seit Jahresbeginn hat es dort gleich viermal Reh-Unfälle gegeben – auf einer Strecke von wenigen hundert Metern.

Osterholz - Von Frank Jaursch. Dienstagabend, halb acht: Bei Jürgen Philipps klingelt das Telefon: Die Polizei meldet dem erfahrenen Jäger einen Rehunfall. Schon wieder. Und schon wieder an der Friedeholzstraße. Seit Anfang des Jahres hat es schon viermal gekracht auf der K123 zwischen Syke und Osterholz.

„Das haben wir in dieser Häufung noch nie gehabt“, erklärt Manfred Just, wie Philipps Pächter in der Osterholzer Jagd. Getreu dem Jäger-Grundsatz „Abends zu Felde, morgens zu Holze“ verlassen die Tiere in der Abenddämmerung die nahe gelegenen Waldstücke wie das Gut Falkenburg, um zu äsen. Erst im Morgengrauen kehren sie zurück.

Und das ist kein besonders gutes Timing: Denn die Zeiten ihrer Wanderschaft sind auch jene Stunden, in denen der Verkehr auf der Kreisstraße zunimmt. Am Dienstag wurde das gleich zwei Tieren zum Verhängnis. Schon morgens hatte eine Autofahrerin ein Tier erwischt, abends ereignete sich der nächste Unfall.

Die Rehe könnten sich ganz bewusst in der Nähe der Straße aufhalten, vermutet Manfred Just: Am Fahrbahnrand werden sie derzeit am ehesten fündig auf der Suche nach Gräsern. Und die Streusalzlösung, die durch vorbeifahrende Autos als Gischt am Straßenrand landet, könnte ein weiterer Anreiz sein.

Alle Versuche, die Tiere von der Straße fern zu halten, haben sich langfristig als wenig wirksam erwiesen – von Stanniolpapier über Reflektoren bis hin zu Bauschaum mit Wolfswitterung. „Das ist eine Sache von ein paar Wochen, dann haben sich die Tiere dran gewöhnt“, erklärt Philipps lapidar. So bleibt als zweite Möglichkeit nur der Appell an die Autofahrer, langsam zu fahren.

Wer aus dem Waldgebiet herauskommt, hat eigentlich grünes Licht: Das im Friedeholz herrschende Tempolimit von 70 km/h wird dort aufgehoben.

Doch die Autofahrer täten gut daran, gerade bei Dunkelheit vom Gas zu gehen. „Die Tiere sind wahrscheinlich die ganze Nacht unterwegs“, warnt Just.

Ob Warnschilder einen Effekt auf das Fahrverhalten haben? Die beiden Jäger bezweifeln das – und finden bemerkenswerte Parallelen von Mensch und Tier in Sachen Gewöhnung: „Irgendwann achtet ja keiner mehr drauf“, seufzt Philipps. Aus diesem Grund seien auch die roten Dreibeine der Wildunfall-Initiative der Verkehrswacht wieder entfernt worden.

Philipps und Just hoffen, nun von weiteren Wildunfall-Anrufen verschont zu bleiben. Und sie setzen aufs Tauwetter. Just: „Ich vermute, dass es sich wieder normalisiert, wenn der Schnee erst weg ist.“

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