„Schon sind die Flügel gefallen“ 

Vor 100 Jahren verlor Syke mit der Steimker Mühle ein Wahrzeichen

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Windmüller Wiegmann (links) und seine Frau Beke mit den Kindern Friedrich (auf dem Arm) und Johann, der später nach Südamerika ausgewandert ist, vor der Steimker Windmühle. Die Namen der beiden Personen rechts im Bild und des jungen Mannes auf der Galerie sind nicht bekannt. Aufgenommen wurde das Foto um 1908.

Steimke – Vor 100 Jahren verlor Steimke sein Gesicht und Syke ein Wahrzeichen: Die Steimker Mühle wurde abgerissen. Nicht wegen Baufälligkeit – die Mühle war noch gar nicht besonders alt und erst 1870 gebaut worden – sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Geblieben ist davon praktisch nichts. Auf dem Steimker Berg erinnert bloß noch der Straßenname Zur Steimker Mühle daran.

Florian Butt und Ulrich Dannemann haben in ihrer Festschrift „1150 Jahre Steimke“ aus dem Jahr 2010 die Hintergründe berichtet:

1866 annektierte Preußen das Königsreich Hannover. Unter anderem wurde damit die Gewerbefreiheit eingeführt. Kurze Zeit später schlossen sich zehn Steimker zusammen und errichteten die Mühle: einen zweistöckigen „Galerieholländer mit Steertbalken“, der in Höhe des ersten Stockwerks einen Umlauf hatte – die „Galerie“. Von dieser Galerie aus konnte der Müller mit Hilfe des Steertbalkens die Flügel in den Wind drehen. Um auch noch schwachen Wind – im Jargon: „Leierwind“ – ausnutzen zu können, wurden die Flügel mit Segeltuch bespannt.

Auf Grund ihrer Lage auf dem Steimker Berg und damit direkt vor der Syker Ortseinfahrt wurde die Mühle bald auch zu einem Wahrzeichen der Stadt Syke. Denn die Christuskirche, die einem heute von der Hügelkuppe aus ins Auge fällt, gab es damals noch nicht.

Laut Ulrich Dannemann wurde die Mühle schon im März 1873 an die Witwe des Müllers Stute aus St. Hülfe verkauft. 1905 erwarb sie Friedrich Heinrich Wiegmann. 1913 baute Wiegmann an der Nienburger Chaussee, der heutigen B 6, eine Dampfmühle.

Die majestätische Windmühle wurde damit überflüssig und 1919 abgerissen. Die „Syker Zeitung“ schrieb damals:

„Ein Wahrzeichen von Syke, die Windmühle auf der Höhe der Nienburger Straße, soll verschwinden. Schon sind die Flügel, die sich jahraus, jahrein lustig im Winde drehten, gefallen und der Unterbau wird, sobald er verkauft ist, folgen. Dann werden wir vergeblich nach dem altvertrauten schönen Bild suchen, auf dem unsere Augen so oft geruht haben. Uns wird nicht mehr, wenn wir von weiter Wanderung heimstrebten, die Mühle von weitem zeigen, daß wir daheim sind.

Die schöne Mühle fällt der rasch eilenden Zeit und den technischen Neuerungen zum Opfer. Sie ist nicht schnell genug, um mit der Wasserkraft und mit der Elektrizität konkurrieren zu können. Darum muß sie weichen“.

Die Dampfmühle hat sich danach deutlich länger gehalten: Erst 1986 ist sie stillgelegt worden. Von ihr ist noch das Mühlenhaus erhalten.

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