Feuerwehr-Pensionäre erinnern sich

Tanklöschfahrzeug aus dem Jahr 1952: Zu schön, um alt zu sein

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Günther Ribke (links) und Ralph Harjes haben Oma ins Herz geschlossen. 2004 kauften sie das historische Tanklöschfahrzeug zurück, um es in mühseliger Handarbeit zu restaurieren.

Syke - Von Robin Grulke. Mit ihren 65 Jahren hat Oma viel erlebt. Mehr als 30 Jahre lang war sie auf den Straßen im Landkreis zu Hause. Oma ist ein Tanklöschfahrzeug. Ihre Geschichte ist lang und den Feuerwehr-Pensionären in bester Erinnerung.

Als sie 1952 nach Syke kam, trug sie noch den sperrigen Namen Magirus Deutz TLF 15/52. Die Pumpleistung von 1 500 Litern pro Minute gepaart mit einem 2 400-Liter-Tank gehörte zum Besten, was es auf dem Markt zu kaufen gab. Rund eineinhalb Minuten lang lieferte die Pumpe demnach Wasser. Die Zahlen verraten: Das Fahrzeug war für den kurzen, schnellen Einsatz im Notfall gedacht. 

„Außerdem war es das erste Tanklöschfahrzeug im ganzen Landkreis“, blickt der ehemalige Oma-Fahrer Ralph Harjes stolz zurück. Gemeinsam mit Günther Ribke war er in Omas besten Jahren bei vielen Einsätzen dabei. Die Waldbrandkatastophe in Celle 1975 hat Ribke noch lebhaft in Erinnerung. „Und Oma ist immer mitgefahren“, erzählt der Pensionär.

Ribke hat viele Generationen von Einsatzwagen gesehen, gefahren und mit ihnen Brände bekämpft. Den Unterschied zwischen Oma und heutigen Fahrzeugen sieht er wie den „Sprung von Handschrift zum Computer“.

„Beim alten Fahrzeug musste man alles manuell einstellen, das war richtige Handarbeit!“ Getriebe und Pumpe steuerte man über lange und schwerfällige Hebel. „Heute drückt man auf einen Knopf“, fügt Harjes hinzu.

Fahrzeug hinterließ immer eine Wasserspur

Die Brandbekämpfung habe aber auch mit vergleichsweise klobiger Technik funktioniert. Manch einen Einsatz konnte die Syker Feuerwehr auch gerade deshalb beenden, weil die Männer gelernt hatten, Omas spezielle Eigenschaften zu nutzen. War ein Kamerad bei einem Einsatz u spät an der Wache aufgeschlagen ohne zu wissen, wo er hin muss, konnte er einfach der Spur auf der Straße folgen. In jeder Kurve verlor Oma nämlich einen kleinen Teil des Löschwassers – wie Brotkrumen führten die Wasserflecken verirrte Einsatzkräfte ans Ziel. „Am Ende haben wir jedes Feuer ausgekriegt“, meint Harjes stolz.

Allerdings musste Oma am Ende auch gehen. 1989 sortierte die Feuerwehrführung gemeinsam mit der Stadt die betagte Dame aus. In die Jahre gekommen konnte sie einfach nicht mehr mit der aktuellen Generation der Einsatzfahrzeuge mithalten. Nach 37 Jahren im Dienst übernahm sie ein Sammler für schlappe 3 000 Mark. „Jede Mark war wichtig, um einen neuen Wagen anzuschaffen“, blickt Harjes zurück.

„Ich bin mit dem Auto groß geworden“

So verschwand das historische TLF aus Syke, nie aber ganz aus dem Sinn der Einsatzkräfte. Die hatten zwar genug damit zu tun, sich mit den modernen Geräten anzufreunden, vergaßen Oma aber nie. „Ich bin mit dem Auto groß geworden“, erzählt Ribke, „aber dann war sie weg“.

Armaturen aus einer anderen Zeit: Weder Drehzahl noch Tankfülle kann man erkennen.

15 Jahre vergingen, und 2004 kam der Schock. Mitglieder der Syker Feuerwehr fanden ihre alte Dame im Internet zum Verkauf angeboten wieder. Aus 3 000 Mark waren 5 000 Euro geworden, außerdem stand das Fahrzeug in Nordrhein-Westfalen ungeschützt im Freien und war in einem schlechteren Zustand als je zuvor.

Die Chance, Oma nach Hause zu holen, konnten sich die Brandhelfer nicht entgehen lassen. „Sie gehört zu Syke wie der Kirchturm an der Herrlichkeit!“, sagt Ribke. Das Geld kratzten die Männer gemeinsam zusammen, und noch im selben Jahr konnten die Restaurierungsarbeiten an Oma beginnen. Da das meiste Geld für den Wiederkauf des Fahrzeugs draufging, entschied das Team um Ribke und Harjes, die Arbeiten vorwiegend in Eigenleistung zu übernehmen. Die Firma Nienstedt half bei Karosseriearbeiten, Azubis von den Berufsbildenen Schulen kümmerten sich um die Lackierung. Für das Projekt nahmen sie sich zwei Jahre Zeit.

Nach 65 Jahren wieder voll funktionstüchtig

Heute strahlt Oma wieder in kraftvollem Rot. Bis auf die Reifen und ein paar Zahnräder im Getriebe steckt sie voller Originalteile, die Harjes und Ribke beispielsweise auf Oldtimermessen zusammenklauben. Sie ist vollkommen funktionsfähig, wenn auch ohne Feuerwehr-Ausrüstung für den Notfall, und wird nicht länger als Einsatzfahrzeug genutzt. Sie ist ein Liebhaberstück, das mit den beiden Pensionären auch passende Liebhaber gefunden hat.

„Wir sind dabei, sie so gut zu pflegen, wie es geht“, sagt Harjes. Dazu gehört neben Polieren und Schrauben auch der Bau einer Garage auf dem Feuerwehrgelände, die bis Ende des Jahres stehen soll. Die Arbeiten dafür haben schon begonnen.

In der Garage soll Oma natürlich nicht nur Staub ansetzen. Zwei- bis dreimal im Jahr fahren Ribke und Harjes mit ihr zu Oldtimershows, und hin und wieder mietet sie auch jemand für eine Hochzeitsfeier. Erst kürzlich saß ein Feuerwehrmann auf dem Weg zur Trauung in dem Gefährt von 1952.

Wer Interesse daran hat, Oma einmal aus nächster Nähe zu betrachten oder sie für einen besonderen Anlass sogar samt Fahrer zu mieten, kann sich bei Günther Ribke (04242/3136) oder Ralph Harjes (04242/1268) melden.

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