Telefonbetrug

Bis zu 60 Anrufe täglich: Familie wird von Unbekannten bedroht

Nach dem Terror am Telefon folgte für Sabine Lukaschewsky aus Schnepke vergangene Woche ein dubioses Schreiben eines angeblichen Kölner Inkassobüros.
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Nach dem Terror am Telefon folgte für Sabine Lukaschewsky aus Schnepke vergangene Woche ein dubioses Schreiben eines angeblichen Kölner Inkassobüros.

Betrugsversuche am Telefon kennt fast jeder. Was eine Familie in Syke seit Juni erlebt, ist unfassbar: bis zu 60 Anrufe pro Tag, Bedrohungen und falsche Inkasso-Schreiben.

Syke – Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Belustigung sitzt Sabine Lukaschewsky im Wohnzimmer ihres Zuhauses in Schnepke. Vor ihr liegt das offensichtlich gefälschte Schreiben eines Inkassobüros, das fast 270 Euro von ihr eingefordert haben will – doch das ist nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs.

Lukaschewsky erinnert sich genau: „Angefangen hat es am 1. Juni. Da gab es die ersten drei Anrufe.“ Am anderen Ende des Apparats, der eine Nummer mit Hannoveraner Vorwahl anzeigte, sprach ein Mann. „Der sagte mir, ich hätte mich beim Euro-Lotto angemeldet und meine Gebühr nicht bezahlt“, sagt Lukaschewsky. In den ersten Tagen führten sie und ihr Ehemann Heiko mehrere solcher Gespräche mit wechselnden Gesprächspartnern. „Auf die Frage, wo genau ich mich angemeldet haben soll, wurde mir allerdings nicht geantwortet, sondern einfach aufgelegt.“ Lukaschewsky hatte frühzeitig gemerkt, dass es sich bei den Anrufen wohl um eine Betrugsmasche handelt.

Sperrung hilft nicht ‒Telefonbetrüger wechseln Nummern

Doch die Schlacht mit den Betrügern entwickelte sich in den folgenden Wochen zu einem regelrechten Krieg. „Das Telefon stand irgendwann nicht mehr still“, erinnert sich Lukaschewsky. An manchen Tagen hätte es bis zu 60-mal geklingelt. In etwa so viele Gesprächspartner habe Lukaschwesky in den folgenden Wochen am Telefon gehabt. Dass sie damit nicht alleine ist, weiß Hauptkommissar Fortmann von der Abteilung „Cybercrime“ der Polizei Diepholz: „Das ist zwar eine extreme Ausnahme mit so vielen Anrufen, aber auch kein Einzelfall.“ Und der Ton der Anrufer wurde rauer. „Am Anfang waren die noch freundlich, aber irgendwann wurde ich bedroht, sogar ausgelacht!“, ärgert sich die 56-Jährige. „Wir werden Sie fertig machen“ oder „Wir sehen uns vor Gericht“, sollen die Betrüger zu ihr am Telefon gesagt haben.

Ehemann Heiko sperrte die angezeigten Nummern über den Internet-Router, doch das habe nur ein paar Stunden Entlastung gebracht. „Irgendwann riefen sie mit neuen Nummern und neuen Vorwahlen an.“ Rückrufe bei der angezeigten Nummer landeten in einer Sackgasse. Lukaschewsky erstattete Anzeige, doch mehr konnte sie nicht tun. „Die Polizei hat mir gesagt, sie könne da wenig machen und ich müsse das wohl aussitzen.“ Hauptkommissar Fortmann bestätigt: „Es ist fast unmöglich, die Anrufe zurückverfolgen zu können, da die Täter ihre Nummern über sogenanntes Call-ID-Spoofing verfälschen.“

Wie viele Aufträge gingen durch ständiges Besetztzeichen verloren?

Mitte Juli war schlagartig Ruhe. Zwei Wochen lang kamen keine Anrufe mehr. Dann allerdings lag in ihrem Briefkasten das Schreiben des Inkasso-Büros. Die Betrüger hatten also nicht nur ihre Telefonnummer, sondern auch ihre Adresse. „Es gibt einen richtigen Wirtschaftszweig im Darknet, in dem geklaute persönliche Daten an Betrüger verkauft werden“, erklärt Hauptkommissar Fortmann. Das Schreiben jedoch macht bereits auf den ersten Blick keinen seriösen Eindruck mit zahlreichen Rechtschreib-, Tipp- und Grammatikfehlern, dazu ein beigefügter Überweisungsträger mit der Angabe eines Kontos in Griechenland.

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Sabine Lukaschwesky belastet die Angelegenheit dennoch sehr. So sehr, dass sie mit nächtlichem Zähneknirschen angefangen habe. Zudem wolle sie nicht darüber nachdenken, wie viele Aufträge ihr in ihrer heimischen Grußkartenmanufaktur durch ihre ständig belegte Leitung durch die Lappen gegangen sind. Und trotzdem gibt sie sich kämpferisch: „Ich sitze das konsequent aus“, sagt sie, „und natürlich überweise ich nichts!“

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