Erweckungserlebnis auf der Jagd

Andreas Bultmann ist seit fast 40 Jahren Umweltaktivist

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Andreas Bultmann stellte den Nabu und seine Projekte vor und blickte dabei auch auf seine eigenen fast 40 Jahre als Umweltaktivist zurück.

Syke – Er ist der Natur auf der Spur, und das seit 1981. „Ich hab mich selbst erschrocken“, sagt Andreas Bultmann vom Nabu Syke und Umland: „Das sind ja fast 40 Jahre.“ Und Schuld daran ist eine Schnepfe.

Im Spieker beim Café Alte Posthalterei erzählte der Umweltaktivist am Mittwochabend im Rahmen der Reihe Erzählcafé vom Verein Rund ums Syker Rathaus, wie das alles gekommen ist, warum er bis heute dabei geblieben ist und was der Nabu in Syke und umzu eigentlich so macht. Etwa 20 Besucher hörten ihm dabei zu – der Spieker war damit voll.

Bultmann, Baujahr 1964, ist in Graue bei Asendorf aufgewachsen. Die ländliche Umgebung hat ihn geprägt. Ebenso wie die Schneider-Bücher von Erich Kloss, und da besonders die Reihe „Im Tiefen Forst“. Acht Bände mit Titeln wie „Horst wird Förster“ oder „Jagdabenteuer am Waldsee“. Auch Andreas wollte Förster werden und ist als Teenager das eine oder andere Mal mit auf die Jagd gegangen. Bei einer Fasanenjagd hatte er dann sozusagen sein Erweckungserlebnis:

„Ich sah eine Schnepfe im Gras“, erzählt er. „Was für ein schönes Tier, dachte ich. Dann flog der Vogel auf, und der Jäger neben mir sagte: ,Schade, den hätte ich gerne noch mitgenommen.‘ Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich anscheinend etwas anders ticke. Denn ich dachte mir: So was Schönes muss man doch beschützen.“ Kurz darauf trat Andreas Bultmann dem Deutschen Bund für Vogelschutz bei, aus dem 1990 der Naturschutzbund Deutschland – oder kurz: Nabu – wurde.

Parallel dazu war Andreas Bultmann als Teenager stark in der evangelischen Kirchenjugend engagiert. Das war die Ära von Kaltem Krieg, Nato-Doppelbeschluss und Friedensbewegung. „Eine sehr politische Zeit, und wir waren eine kleine Truppe, die die Welt verändern wollte“, blickt Bultmann zurück. „25, 30 Leute – das war viel für Asendorf. Wir haben damals regelmäßig Themennachmittage veranstaltet. Sehr viel Politisches, aber auch viele Umweltthemen, die dabei gewesen sind.“

Das mit dem Förster hat dann aus gesundheitlichen Gründen nicht geklappt. Bultmann absolvierte eine Ausbildung bei der Sparkasse, wechselte dann ins Arbeitsamt. Heute ist er Fallmanager beim Jobcenter. Sein persönliches Engagement für Umweltthemen ist ihm all die Jahre und Jahrzehnte geblieben.

Zwischen Barrien und Weyhe betreut der Nabu Syke etwa 4,5 Hektar Fläche entlang der Hache. Nur eines von zahlreichen Projekten in Syke und umzu, mit dem der Verein durch Renaturierung und ökologische Aufwertung zu mehr Artenvielfalt in Flora und Fauna beitragen will. Foto: Wilfried Meyer

Auch politisch ist er dabei immer noch. Im Spieker spricht er über das Insektensterben als Folge von zu intensivem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft und vom Vogelsterben als Folge des Insektensterbens. Und über die Gülleproblematik. Die Ursache ist für ihn klar: eine zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft. Die Gründe dafür sind vielfältig und fangen an bei einer – für Bultmann – falschen Förderung. „Große Betriebe erhalten mehr Förderung als kleine. Kleine Betriebe werden immer unrentabler.“ Die Lösung wäre für ihn: „Wir brauchen eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft. Wenn man das konsequent umsetzt, kann man damit auch die Welt ernähren.“ Politik eben.

„Was macht denn der Nabu eigentlich konkret in Syke?“, will jemand aus dem Publikum wissen. „In Syke und umzu sind wir der größte Naturschutzverband“, erzählt Bultmann. „Wir haben damals mit 20 Mitgliedern angefangen. Heute sind wir um die 1000.“ Im Stadtgebiet betreut der Nabu aktuell Projekte auf etwa 80 Hektar Fläche – eigene und auch fremde. Zum Beispiel hat der Nabu zwischen Barrien und Weyhe 4,5 Hektar entlang der Hache erworben, wo er durch Renaturierung den Fluss ökologisch aufwertet und im Uferbereich Lebensraum für Vögel und andere Tiere schafft. Er betreut Flächen am Hohen Berg und in Okel. Außerdem eine Streuobstwiese in Bassum zwischen Osterbinde und Eschenhausen mit rund 150 verschiedenen Obstsorten. Und in Asendorf hat sich Andreas Bultmann einen Jugendtraum erfüllt: Dort hat er mit dem Nabu das Flüsschen Calle renaturiert.

Nur die Nabu-Jugend gibt’s inzwischen nicht mehr. Es fehlt ein Betreuer. Bultmann findet sich mit 54 zu alt dafür und könnte das auch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr leisten. „Aber ich brenne noch immer für den Umweltschutz. Solange noch ein Finger bei mir zuckt, werde ich auch irgendwas machen“, sagt er. Warum? „Weil es einfach schön ist!“

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