Schneller, leichter, effizienter

Realschule Syke setzt auf Tablet-Klassen

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Ergebnisvergleich funktioniert in der iPad-Klasse ohne den Gang zur Tafel. Per Knopfdruck kann sich jeder Schüler auf den Beamer schalten und seine Ergebnisse präsentieren. Positiver Nebeneffekt: weniger Klagen über ein schlechtes Schriftbild.

Syke - Von Marc Lentvogt. Jahrelang wurde davor gewarnt, nun ist der Ernstfall eingetreten. Mehr als ein Dutzend Schüler sitzt im Klassenraum und schaut nur noch auf den Bildschirm. Was für ein Albtraum. Englischlehrer Andreas Klein muss die Situation bewältigen – wie fühlt er sich? „Ich bin ohnehin kein Tafelfan. Es ist ein deutlich entspannteres Arbeiten für mich.“ Das klingt gar nicht nach Albtraum.

Zweieinhalb Jahre arbeiten die Schüler seines Grundkurses an der Realschule Syke bereits mit Tablets im Unterricht. Die Unterschiede zur eigenen Schulzeit sind unübersehbar. Kaum ein Buch schmückt die Arbeitsplätze der Schüler. Was sie brauchen, ist auf ihrem Tablet.

Oder: Es kann ihnen in Sekundenschnelle gesandt werden. Das Arbeitsblatt für die heutige Stunde zum Klimawandel hat Klein auf seinem Gerät vorbereitet. Per Airdrop (einem Apple-Service zur kabellosen Datenübertragung) ist das Material sofort auch in den hintersten Reihen angekommen. Kein Papiergeraschel, kein Warten, bis alle die Aufgaben vor sich haben. „Wir beginnen schneller“, bestätigt Lehrerin Anne-Christine Lump. Auch im Unterricht mit der zweiten iPad-Klasse und in anderen Fächern sei dies zu beobachten.

Der positive Eindruck setzt sich bei der Informationssuche fort. Ein Link im Dokument führt direkt zu einer Internetseite. Ein Buch kann vergessen werden – das Tablet lassen die Schüler erfahrungsgemäß selten zu Hause liegen. Ob Zeit für den einleitenden Kurzfilm gewesen wäre, wenn die Arbeitsabläufe durch minutenlanges Geblättere verzögert worden wären?

„Die Ergebnisse sind größer und lesbarer“

Andererseits liegt der Gedanke nahe, dass das Tablet dazu einlädt, im Internet zu surfen. „Facebook erreichen die Schüler auch auf ihrem Smartphone. Da muss ich als Lehrer ohnehin aufmerksam sein“, erklärt Klein. „Und wenn wir am Ende Ergebnisse vergleichen und sie nichts haben, weiß ich auch, dass sie nicht gearbeitet haben.“

Der Ergebnisvergleich ist nicht zu vergleichen mit dem herkömmlichen Unterricht. Statt dem Gang an die Tafel oder dem Vorlesen einer Antwort, die nur der spezielle Schüler vor sich hat, erscheint sein Bildschirmbild per Knopfdruck an der Wand. Alisa betont: „Die Ergebnisse sind größer und lesbarer. Außerdem können wir schneller und spontaner arbeiten.“

Auch abseits des Unterrichts macht sich der Tablet-Einsatz bemerkbar. „Ich finde es gut, dass die Mappe auf dem iPad ist. Das ist leichter für den Rücken“, merkt Deborah an. Neben einem Ansteigen der Medienkompetenz könnten sich die iPad-Klassen der Realschule langfristig auch als gesundheitsfördernd herausstellen.

Gut für den Rücken und die Medienkompetenz

Der reibungslose Ablauf der Stunde ist vielen ineinandergreifenden Rädchen zu verdanken. Schulleiter Rolf Rosenwinkel muss die Klassensätze à 12 .000 Euro aus dem eigenen Haushalt bezahlen. Im Sommer soll zum dritten Mal eine Klasse ausgestattet werden. Die Tablets bleiben im Eigentum der Schule, mit Ausnahme der Sommerferien sind sie aber nahezu durchgehend im Besitz der Schüler.

Die Eltern kostet dies einen Versicherungsbeitrag von 30 Euro pro Schuljahr – einen Beitrag, den die kommenden Absolventen fast komplett zurückerhalten werden, da es in fast drei Jahren bisher nur einen Schadensfall gab.

Unterstützung seitens der Stadt und des Landkreises gab es bei der Sicherstellung stabiler Netze und der Ausstattung der Räume mit Kurzdistanz-Beamern und vandalismusfesten Leinwänden.

Tablet-Schule die Zukunft?

Für einen konstruktiven Umgang mit den Tablets und angepassten Unterricht braucht es aber vor allem engagierte Lehrer wie Andreas Klein und Anne-Christine Lump. Klein wirft regelmäßig einen Blick auf die Tablets, sorgt dafür, dass sich keine Probleme einstellen. Kollegen, die sich entscheiden, ebenfalls in den iPad-Klassen unterrichten zu wollen, bietet er Fortbildungen an.

Ist die Tablet-Schule also die Zukunft? Ganz so weit ist es noch nicht. Mindestens für die digitale Klassenarbeit wurde bislang noch kein sinnvolles Konzept gefunden. Doch ob bei einer Arbeit im Textilunterricht der fünften Klassen oder zum Betrachten einer Dokumentation im Biologie-Unterricht: Tablets, erklären Schulleiter und Lehrer, haben sich für die tägliche Nutzung im Unterricht im Gegensatz zu teureren Smartboards bewährt.

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