Schneemassen, tote Söhne und des Kaisers Geburtstag

Was vor 100 Jahren die Syker beschäftigte: Blick in die Syker Zeitung von 1918

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Vertieft in eine 100 Jahre alte Lektüre: Dieter Niederheide hat im Archiv der Kreiszeitung gestöbert und sich die Themen vorgenommen, die damals in den Zeitungen dominierten. 

Syke - Von Dieter Niederheide. Nicht nur heute ist die Zeitung ein wichtiges Mittel, um an Informationen zu kommen – aus der Nachbarschaft und aus der ganzen Welt. Schon vor einem Jahrhundert verbreitete die „Syker Zeitung“ die Neuigkeiten und sorgte für Gesprächsstoff in der Bevölkerung. Der Blick in die Ausgaben vom Januar 1918 offenbart dabei, dass sich vieles geändert hat im Laufe der Zeit – und dass einiges immer noch genauso ist wie anno dazumal.

Schneemassen zum Jahreswechsel – und dann ganz viel Wasser: Hochwasser schwappte im Januar 1918 über die Mühlenteich-Ufer. Eine Warnung aus der Kreisverwaltung forderte die Syker auf, Milch stets abzukochen und nicht ungekocht zu genießen.

Die Ferkelzüchter hatten eine Hiobsbotschaft zu schlucken: Die Meldung zum Jahreswechsel in der „Syker Zeitung“ sprach von einem Preissturz bei Ferkelpreisen. Statt 1,60 Mark pro Pfund werde es ab 15. Januar 1918 nur noch 62 Pfennig pro Pfund geben.

Von einem „glücklichen Fang“ des Gendameriewachtmeisters Imker schrieb die Zeitung im Januar auch. Er stellte die Treibriemendiebe, die in Jardinghausen zu Werke gegangen waren.

Der bevorstehende Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. war Anfang 1918 ein beherrschendes Thema in den Zeitungen.

Zu lesen gab es auch regionale Meldungen angesichts der toten Väter und Söhne aus der Region, die im seit Juni 1914 tobenden Großen Krieg ihr Leben ließen. Nachrufe sprechen eine deutliche Sprache. Der Chronist berichtet ausführlich über die Trauerfeier zur Beisetzung der beiden Söhne Hans und Willi des Gutsbesitzers Borstelmann in Colonie Wachendorf. Er schrieb von „Heldensöhnen“ die für das Vaterlang gefallen waren. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zog der Trauerzug vom Gut zum Friedhof.

Trotz des grausigen Krieges wurde in Syke und umzu des Kaisers Geburtstag groß gefeiert. Bis zum 27. Januar, dem Geburtstag, ging es in den vergilbten Blättern der Syker Zeitung in Berichten und großen Anzeigen um den 57. Geburtstag von Kaiser Wilhelm II.; der damalige Kriegerverein (Vorgänger der heutigen Schießsportkameradschaft) hatte in Windels Restaurant eingeladen.

Freche „Bengels“ in der Silvesternacht

Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurde gefeiert. Der Kirchenchor, vom Bremer Musikdirektor Meyer-Schierloh dirigiert, war beteiligt, große Ansprachen, ein Vortrag über die Flotte von einem Vize-Admiral und dem Vorsitzenden Dr. Wüllmers standen an.

Der Kaiser wurde nicht nur in Syker Landen bejubelt. Am Geburtstag hieß es in der Region „Flaggen und Fahnen raushängen“. Der Chronist schrieb: „Es war Hohenzollernwetter, wolkenloser Himmel.“

Ob das mit dem Wetter so stimmte, ist allerdings fraglich. Denn geschrieben wird fast zur gleichen Zeit im Januar vor 100 Jahren von Schneemassen, denen eine blitzartige Schneeschmelze und Hochwasser folgten. Das Hochwasser soll laut Chronist das furchtbarste seit Jahren gewesen sein. Die Hache wurde, so der Schreiber, zu einem gebirgsartig reißenden Gewässer, der Mühlenteich schwappte über. Es entstanden Betriebsstörungen, Teile des Bahndamms wurden weggeschwemmt, in Hoya stieg der Wasserstand um 2,15 Meter, und wenig später meldete der Wasserstandsdienst einen Wasserstand von 7,13 Metern in Hoya.

„Das Hachetal steht unter Wasser“ hieß es

In Dreye wurde das Bollwerk am Hafen weggerissen, und die Kleinbahn konnte, ebenso wie die Bahn, ihren Verkehr nicht aufrecht erhalten. „Das Hachetal steht unter Wasser“ hieß es. In Syke am Mühlenteich, so der Chronist vor 100 Jahren, knallten die Wassermassen durch die geöffnete Schleusen am Mühlenteich.

Die Chronisten von 1918 und die von 2018 haben eines gemeinsam: Sie müssen von Leuten berichten, die mit Silvesterknallern Unfug im höchsten Maße anstellen. Beim Blättern in den 100 Jahre alten Zeitungsseiten findet man einen Text, in dem der Chronist von einem „ungebührlichen Benehmen“ von Jugendlichen und „Bengels“ in der Silvesternacht schreibt, die mit Feuerwerkzeugs Leute erschrecken.

Das war zum Jahreswechsel nach 1928, also vor 90 Jahren, und zu 1938, vor 80 Jahren, auch nicht anders. Nur sind manche Feuerwerkskörper heute um vieles gefährlicher geworden.

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