Wie Dietrich Rathkamp vor 125 Jahren ein Familienunternehmen gründete

Der Schmied, der blieb

Schmied Dietrich Rathkamp (2.v.r.) eröffnete 1894 im Maschinenhaus der Wachendorfschen Mühle sein Geschäft, das zur Keimzelle des Unternehmens Rathkamp wurde. Das Foto zeigt ihn im Jahr 1909 mit seiner Familie.

Heiligenfelde - Von Frank Jaursch. Was wäre wohl passiert, wenn Dietrich Rathkamp auf seinem Weg nicht in Heiligenfelde Halt gemacht hätte? Der Hufschmied aus Colnrade hatte eine Arbeit auf der Pferderennbahn in Hamburg angenommen. Und legte – so wird zumindest vermutet – auf dem Rückweg nach Hause in Heiligenfelde eine Pause ein. An jenem Ort, der just auf der Suche nach einem tüchtigen Schmied war. Nach einem wie Dietrich Rathkamp.

Der Schmied blieb, bekam von Heiligenfelder Bürgern einen Kredit gewährt und eröffnete 1894 im Maschinenhaus der Wachendorfschen Mühle seinen Betrieb. Dies war die Geburtsstunde eines Familienunternehmens, das bis heute den Ort prägt.

125 Jahre Rathkamp in Heiligenfelde: Am Sonntag hat Dietrich Rathkamps Urenkel Karl-Hermann als Chef des Ford-Autohauses seine Kunden zur Jubiläumsfeier ins DGH Heiligenfelde eingeladen. Die Reaktion auf die Einladung war bemerkenswert: Innerhalb von zwei Tagen hatten sich mehr als 300 Personen zur Teilnahme angemeldet. Rund 150 weiteren Anfragen musste Rathkamp einen Korb geben.

Zum gemeinsamen Frühstück mit Feierstunde und anschließendem Theaterstück platzte der große Saal förmlich aus allen Nähten. Rathkamp nutzte die Gelegenheit für eine Klarstellung. Denn erst vor sieben Jahren hatte das Autohaus sein 80-jähriges Bestehen gefeiert. Die Familiengeschichte aber reichte eben noch viel weiter zurück – sogar bis ins 19. Jahrhundert.

In seinen Ausführungen, die eine Diashow flankierten, verdeutlichte Rathkamp: Der Rückblick sei weniger der des Unternehmens, sondern vielmehr eine Geschichte von Personen. Von seinem Uropa, dem Schmied. Von seinem Großvater Karl Rathkamp, dem zweiten Sohn des Firmengründers, der nicht, wie sein älterer Bruder, in der Schmiede blieb, sondern im Jahr 1931 die „Reparaturwerkstatt für Kraftfahrzeuge“ eröffnete. Und von seinem Vater Hermann Rathkamp, der die Leitung des Autohauses im Jahr 1973 übernahm.

Nur beiläufig umriss er das Wachstum des Unternehmens im Lauf der Zeit – Ausstellungshalle, Werkstatterweiterung und Gebrauchtwagenhalle kamen hinzu. Doch viel wichtiger seien die Menschen, die dort arbeiten: 20 Mitarbeiter hat das Ford-Autohaus derzeit.

Neben seinem Betrieb hat Kalle Rathkamp noch weitere Passionen. Zwei davon sind seine Liebe zum plattdeutschen Schauspiel – und das Engagement für die Organisation „Shepherd's Heart“ in Ghana. Beide bekamen ausgiebig Raum zum Jubiläum: Die Hilgenfeller Theatermakers spielten ihre Komödie „Wat steiht, köst Geld“, und Pastor i.R. Georg Buismann gab gemeinsam mit Pastorin Katja Hermsmeyer einen anschaulichen Einblick in die Benefiz-Arbeit in Zentralafrika, die auch durch das Heiligenfelder Engagement finanziert wird.

Das Benefiz-Projekt profitierte von der Veranstaltung – ebenso wie der Parkplatz vor dem DGH in Heiligenfelde: Für beide Projekte kamen aus der Veranstaltung Spenden in vierstelliger Höhe zusammen.

„Tradition schafft Zukunft“ ist das Motto des Unternehmens, das Karl-Hermann Rathkamp seit 2000 leitet. Die nächste Generation stellt dabei schon unter Beweis, dass dieses Motto keine leere Worthülse ist: Tochter Stefanie und Sohn André arbeiten längst im Betrieb mit. „Unsere Zukunft hat also schon begonnen“, erklärte Rathkamp lächelnd – und fügte mit Blick auf die Enkel hinzu: „Und wir haben die Vision, dass es weitergeht.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Ein Toter und 15 Verletzte nach Explosion in Wohnblock

Ein Toter und 15 Verletzte nach Explosion in Wohnblock

Selbstversuch: Reporterin fällt ihre erste Buche

Selbstversuch: Reporterin fällt ihre erste Buche

Verabschiedung des Verdener Redaktionsleiters Volkmar Koy in den Ruhestand

Verabschiedung des Verdener Redaktionsleiters Volkmar Koy in den Ruhestand

Wie werde ich Reifenmechaniker/in?

Wie werde ich Reifenmechaniker/in?

Meistgelesene Artikel

10.000-Euro-Spende aus Bassum: Auf Bericht folgt Shitstorm 2.0

10.000-Euro-Spende aus Bassum: Auf Bericht folgt Shitstorm 2.0

Wagenfelder Motive auf Einkaufsbeuteln

Wagenfelder Motive auf Einkaufsbeuteln

„Kapitel 17“ einer Erfolgsstory

„Kapitel 17“ einer Erfolgsstory

Erste Bilderausstellung im Amtsgericht

Erste Bilderausstellung im Amtsgericht

Kommentare