Lesung „Erotik in der Lyrik“ sorgt für ausverkauftes Haus / Von Goethe bis Kiwus

Schlüpfriges zwischen Schlüpfern

Ulrich Hoferichter (l.) und Lars Kaschke brachten die Zuhörer schnell in Stimmung. Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Luka Spahr. „Ein Hurenhaus geriet um Mitternacht in Brand. / Schnell sprang, zum Löschen oder Retten, / Ein Dutzend Mönche von den Betten. / Wo waren die? Sie waren bei der Hand. / Ein Hurenhaus geriet in Brand.“

Dieses Gedicht stammt weder von einem schamlosen, zeigenössischen Dichter noch von einem pubertierenden, künstlerisch begabten Teenager. Kein geringerer als der bekannte Dichter und Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing hat es geschrieben. Und dass er nicht der einzige war, der sich in seinen Werken auch auf dem Gebiet der Erotik bewegt hat, wurde am Dienstagabend in Syke klar.

Zwischen roter Reizwäsche und edlen, weißen Dessous hatten es sich Ulrich Hoferichter und Dr. Lars Kaschke auf zwei Barhockern bequem gemacht. Im Rahmen der Syker Literaturwoche hatten sie für ihren Vortrag wohl den bestmöglichen Ort in der ganzen Stadt gefunden. Im Dessous-Geschäft „Leib & Seele“ am Mühlendamm ging es an diesem Abend um das Thema „Erotik in der Lyrik“.

Hoferichter, seines Zeichens erster Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbiliothek, erklärte den Besuchern vorab, wie er vor einigen Jahren das Buch „Die klassische Sau“ entdeckt hat. Darin habe er fast jeden der genannten Autoren gekannt, aber nicht eines der Gedichte.

Daher verarbeitete er die mal romantischen, mal erotischen und manchmal sogar beinahe pornografischen Texte zusammen mit Dr. Lars Kaschke zu einem kurzweiligen Vortrag.

Schnell wurde den über 50 Zuschauern im ausverkauften Dessous-Geschäft dabei klar: Erotik in der Lyrik – das gibt es nicht erst seit dem 21. Jahrhundert.

Textsicher und – gerade bei Hoferichter – mit ausgesprochen guter Betonung trug das Duo dem überwiegend weiblichen Publikum Gedichte von Goethes „Morgenklagen“ bis bin zu zeitgenössischen Werken wie „Im ersten Licht“ von Karin Kiwus vor.

Teilweise wurde es zum Beispiel bei Friedrich Schlegels Erotischen Sonetten so so schlüpfrig, dass auf direkte Zitate an dieser Stelle verzichtet werden soll. Hoferichter kommentierte unter dem steten Lachen der Besucher: „Der muss oft zur Beichte gegangen sein.“ Kaschke stellte schnell fest: „Weibliche Zurückhaltung erzeugt Lyrik in höheren Qualitätsstufen.“

Nach der ersten Hälfte zeigten sich die Besucher begeistert. Gisela Helmich gefiel der Vortrag sehr gut, und es war auch in etwa das, was sie erwartet hat. Sie stellte fest: „Die waren ja damals nicht prüde.“

Dunja Höper war mit ihrer Tochter Sophie da und ließ sich zusammen mit den anderen Besuchern den servierten Weiß- und Roséwein schmecken. Lachend erklärte Sophie, sie habe zwar mit etwas Lustigem gerechnet, sei dann aber noch einmal positiv überrascht worden. Ihre Mutter ergänzte, sie habe sich gewundert, wie alt manche der zitierten Texte schon seien.

Für alle, die den Abend im Dessous-Geschäft verpasst haben, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Lesung von Hoferichter und Kaschke ist keine Eintagsfliege und wurde schon einige Male in den vergangenen fünfzehn Jahren angeboten. Die schlechte: Bei vielen Gedichten handelt es sich um kleine Geheimtipps und Raritäten. Man findet sie also nicht immer im Internet.

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