Serie „Syker Lesereise“

Das Vorwerk blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück

Das Gebäude der alten Schule der Colonie Syke war rund 100 Jahre alt, als es 1891 umgestaltet wurde. Anschließend stand es fast weitere 100 Jahre, ehe es im September 1988 abgerissen wurde.

Syke - Von Ilse-Marie Voges. Die bau- und nutzungsgerechte Entwicklung Sykes mit Spuren aus dem Mittelalter ist sehr anschaulich und verständlich in dem 2002 erschienenen Buch vom ehemaligen Oberkreisdirektor Hans-Michael Heise beschrieben. Wussten doch bis heute viele Syker Bürger nichts von Burg und Schloss, von verwaltungstechnischen Entwicklungen, die Heise transparent gemacht hat.

Die Landesherrschaft Hoyaer Grafen, der Übergang zu welfischen Herzögen und Königen, die Entstehung von Amtsgerichten und Landkreisen in den 1850er-Jahren, sowie der Übergang (1880) an Preußen und die Veränderungen im Laufe des 20. Jahrhunderts, haben Syke geprägt.

Als ehemaliger Oberkreisdirektor hatte Heise Bezug zum Kreishaus, von 1974 bis 2001 waren seine Diensträume dort beherbergt. Das alte Amthaus auf dem ehemaligen Vorwerk diente ihm und seiner Familie bis März 2002 als Wohnsitz. Vor ihm waren Amtmänner, Landräte und Oberkreisdirektoren im Vorwerk wohnhaft.

Die Kulturstiftung der Kreissparkasse Syke hat eine Kunst- und Kulturstätte im Vorwerk eingerichtet, die mit vielen Aktivitäten auf hohem Niveau interessierte Gäste anzieht. Heute hat sich das Vorwerk mit dem gepflegten Park, den Skulpturen, den Nebengebäuden wie einst das Brauhaus und Kutscherhaus, einen Namen als „Zentrum für zeitgenössische Kunst“ gemacht. Das Wohngebäude (1709 erbaut) steht an Stelle des ehemaligen Schlosses. Es diente seit 1730 den Amtmännern auf dem Vorwerk als Wohnraum.

Eine kolorierte Bleistiftzeichnung des Vorwerks von Friedrich Gottlieb Müller aus dem Jahr 1870. Das beeindruckende Bauwerk diente einst als Wohnhaus des Amtshauptmanns.

Einst trug der Bereich der Waldstraße den Namen Colonie Syke. Die Colonie umfasste die Bebauung von der Bremen-Nienburger Chaussee bis zum Friedeholz. Wiesenstraße, Waldstraße, die Siebenhäuser, Nienburger Straße und Teile in der Herrlichkeit. Seit 1849 zählte sogar der Amtshof dazu. 

Die kurfürstliche Verwaltung wollte die Grundstücke besser ausnutzen. So entstanden Siedlungen in Form eines Reihendorfes. Es gab wohl Uneinigkeiten über die Kolonie und den Flecken Syke, sodass in den 1890er-Jahren mehr Zusammenarbeit stattfand. Im Januar 1897 wurde die Verwirklichung der neuen Gemeinde „Flecken Syke“ zur Freude der Bürger verkündet.

Die um 1790 erbaute und 1891 umgestaltete Schule der Colonie Syke war ein idyllischer Anblick für Gäste Sykes. Mit nur einem Klassenraum ausgestattet und kleinen Räumlichkeiten für den einzigen Lehrer, der hier unterrichtete, war sie mit dem Garten ein gemütlicher Anblick. 

Den Lehrer bezahlte man in Naturalien

Allerdings vermerkte ein Chronist: „Die Schule ist ein schlechtes Gebäude.“ Der Schulmeister hatte an Sonn- und Festtagen die Aufgabe, zu predigen und mit Kindern und Familien zu singen. Als Besoldung erhielt er Zinsen aus dem zur Schule gehörenden Land, welches verpachtet war und Naturalien wie Roggen, Gerste, ein Schwein und Feuerholz aus der Westermark, das von Bürgern geschlagen werden musste.

Die einklassige Schule, das kleine verträumte Haus mit Klassenraum und Wohnung in der Waldstraße 27, hat zuletzt der Lehrer Helmers erworben und dort mit der Familie gewohnt. Das geschichtsträchtige Haus wurde in den 80er-Jahren veräußert. Heute sind neue Häuser und Wohnungen in dem Umfeld entstanden.

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