Das „Schlachtfeld“ an der Bundesstraße

Vor 50 Jahren wurden mehr als 100 Bäume entlang der B 6 gefällt

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Aktueller Blick auf den gleichen Platz: die B6 in Barrien vor dem Rathaus.

Barrien - Von Heiner Büntemeyer. „Einem Schlachtfeld gleicht gegenwärtig die Bundesstraße 6 in Barrien“, hieß es heute vor 50 Jahren in der „Kreiszeitung“. „Traurigen Herzens konstatieren die Barrier, dass ihre Linden, die einen wunderschönen Schmuck der Straße darstellten, fallen wie die Fliegen. Über 100 Bäume müssen ihr Leben lassen, um dem vierspurigen Ausbau der B6 Vorschub zu leisten.“

Mit dieser Aktion begann die Umsetzung eines Straßenausbauprogrammes, an dessen Details die Planer jahrelang gewerkelt hatten.

Mit dem Ausbau wurden zwei Ziele verfolgt: Der höhengleiche Bahnübergang in Barrien sollte verschwinden und gleichzeitig eine vierspurige Piste gebaut werden, um bei dem zunehmenden Straßenverkehr nach Bremen Staus zu vermeiden.

Einsprüche von Anliegern

Schon 1960 lagen erste Ausbaupläne vor, die jedoch nicht realisiert wurden, weil Einsprüche von Anliegern vorlagen und die Streckenführung der Kleinbahn in Syke noch nicht genau feststand.

Der Verlauf der Trasse der neuen B6 zwischen der Barrier Kreuzung der Anschlussstelle in der Barrier Heide war jedoch bereits vermessen. Um den schienengleichen Bahnübergang aufzuheben, plante man, beiderseits der Bahn Auffahrten auf die neue B6 anzulegen.

Ausbaupläne reichen bis ins Jahr 1960 zurück

„Dieser Gedanke hat jetzt bei der Straßenbaudirektion Widerhall gefunden. (…) Dadurch würde ein Teilstück der jetzigen B  6 ganz wegfallen und für landwirtschaftliche Nutzung hergerichtet werden“, hieß es am 26. März 1960 in der „Syker Zeitung“. Da diese Planungen Zeit beanspruchen, sei frühestens 1961 mit dem Baubeginn zu rechnen.

Aber auch 1962 waren diese Planungen noch nicht abgeschlossen. Stattdessen war eine neue Idee aufgetaucht: Eine Untertunnelung der Bahn sollte das Problem lösen.

Dies sei keine schlechte Idee, bestätigte das Straßenbauamt, doch sie ließe sich wegen der vorhandenen Bebauung nicht realisieren. Außerdem würde die Tunnelsohle unter dem Grundwasserspiegel liegen, die „Wasserhaltungskosten“ wären zu hoch.

Im August 1963 berichtete Barriens Gemeindedirektor Erhard Meyer, dass noch im Herbst die Baupläne ausgelegt würden und 1964 mit dem Bau der drei Brücken sowie der Aufschüttung des Dammes begonnen werden könnte. Erstmals tauchte zu diesem Zeitpunkt auch der Plan zum Bau einer Brücke über die Eisenbahn in Höhe des Bahnhofes auf.

Blickfang am Straßenrand: Das Bild aus den 1960er-Jahren zeigt die Linden an der Bundesstraße 6 vor dem Ausbau.

Auch dieser neue Zeitrahmen konnte allerdings nicht eingehalten werden, denn Barriens Rat erhob im Mai 1964 Einspruch gegen die Straßenführung durch das Dorf. Erst auf wiederholte Anfragen habe der Regierungsamtmann Haake vom Straßenbauamt Nienburg bestätigt, dass „ein direkter Zugang zum Friedhof von der B6 aus vermieden werde, weder eine Parkspur noch eine Mehrzweckspur im Ortskern von Barrien vorgesehen sei, die neu verlegte B6 mit Ausnahme der Strecke im Ortskern zunächst nur zweispurig ausgebaut werde und ein Verkehr für Radfahrer und Fußgänger auf dieser Trasse zunächst nicht geplant sei“, hieß es in der Syker Zeitung am 16. Mai 1964.

Kattenturmer Heerstraße blieb zweispurig

Wieder dauerte es anschließend rund drei Jahre, bis der damalige Chefredakteur Helmut Volkers am 4. April 1967 in einem ganzseitigen Artikel in der „Syker Zeitung“ berichtete. Über die „Pläne zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Raum Syke-Bassum-Bremen“ schrieb er: „Es ist damit zu rechnen, dass die seit Langem schlummernden Pläne zur Beseitigung des schienengleichen Bahnüberganges im Zuge der Bundesstraße 6 bei Barrien und die damit erforderlich werdende Trasse innerhalb der Ortschaft in absehbarer Zeit in Angriff genommen wird.“ Dabei ging es immer noch um einen vierspurigen Ausbau der B6 zwischen Syke und Bremen, wobei besonders Bremen unter Hinweis auf die geplante Verbreiterung der Kattenturmer Heerstraße „Druck machte“.

Als sich später herausstellte, dass das Land Bremen auf eine Verbreiterung der Kattenturmer Heerstraße verzichtete, waren die breiten Brücken der neuen Trasse längst gebaut, in Barrien durchschnitt eine vierspurige Asphaltpiste das Dorf – und die Bäume der Lindenallee waren gefällt.

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