Nach Feuer in Syker Seniorenheim: Angehörige kritisiert Hausverwaltung

Ein Scherbenhaufen

Über Scherben und Sandsäcke mussten die Angehörigen der Bewohner nach Angaben einer Betroffenen die Habseligkeiten nach draußen tragen. Foto: privat

Syke - Von Lisa-marie Rumann. Nachdem ein Feuer in einem Syker Seniorenheim gewütet hat, stehen sowohl die Bewohner als auch ihre Angehörigen vor einem Scherbenhaufen. Wortwörtlich, denn nun sollen die privaten Zimmer geräumt werden. „Dafür müssen wir teilweise über Scherben und Sandsäcke laufen“, erzählt Sabine Hofmann (Name geändert). Sie ist die Tochter einer ehemaligen Bewohnerin des Seniorenheims.

Wie berichtet, sind sämtliche Senioren nach dem Brand in Syke vorübergehend in andere Heime im Umkreis eingezogen. Für Hofmanns Mutter ging es allerdings etwas weiter weg, und zwar mehr als 50 Kilometer. „Das ist alles gut so“, erklärt sie. Die Heim-Mitarbeiter würden sich sogar so gut kümmern, dass die Seniorin gar nicht mehr weg möchte. „Finanziell sind mir aber die Hände gebunden“, erklärt die Tochter. Das neue Heim sei „deutlich teurer“.

Zusätzlich zu diesem Dilemma beschreibt Hofmann ein wahrliches Durcheinander. Zuerst hätte sie bloß über den Hausmeister gehört, dass die Wohnungen geräumt werden müssen. Ein offizielles Schreiben der Hausverwaltung blieb lange Zeit aus. Nun, mehr als zwei Wochen nach dem Feuer, wurden die Mieter über die Räumung informiert – bis zum 15. Mai müssen die Wohnungen leer sein. Dafür hatten sie also eine Woche Zeit. Eine andere Wohnung hätte die Info bekommen, dass die Möbel bleiben können. „Jeder bekommt eine andere Mitteilung“, bemängelt Hofmann.

Sie kritisiert scharf die schwache Kommunikation seitens des Seniorenheims. Dabei ist ihr Kopf voll mit Fragen: Wie geht es weiter? Und wann? Wer übernimmt die (Mehr-)Kosten? Greift denn keine Haftpflichtversicherung? Wer oder was ist ursächlich für den Brand? Für Antworten solcher oder ähnlicher Fragen sei eine Hotline ins Leben gerufen worden. „Doch die gibt es nun auch nicht mehr.“

Da sie nicht weiß, wo sie mit den Habseligkeiten ihrer Mutter bleiben soll, startete sie einen Aufruf bei Facebook. Daraufhin hätte sich ein Mann gemeldet, der ihr seine Garage als Unterstand „ausleihen“ würde, erzählt Hofmann. Die Unterstützung, die sie nun über soziale Medien erfährt, wünscht sie sich eigentlich vom Syker Seniorenheim. Ihr sei durchaus bewusst, dass die Mitarbeiter „überfordert“ seien. Trotz allem dürften sie die Betroffenen nicht so im Regen stehen lassen. „Wir fühlen uns so hilflos und allein gelassen“, sagt sie.

Die Wohnung von Hofmanns Mutter sei durch den Brand nicht zu Schaden gekommen. Doch als Diebe sich Zutritt zu dem Gebäude verschafften, stahlen sie unter anderem Schmuck und Bargeld aus der Wohnung. Nach Hofmanns Meinung sei der Diebstahl nun die Konsequenz einer Hauruck-Aktion. „Warum ist das Gebäude nicht bewacht?“, fragt sie fassungslos. Die Mieter, dessen Wohnungen noch nicht leer sind, würden sie nun „auf eigene Kosten verriegeln“ lassen, weil dort „ständig Leute ein- und ausgehen“.

Die Convivo-Wohngruppe äußert sich mit einem Statement zu den Vorwürfen. Daniel Koch aus dem Bereich Unternehmensentwicklung erklärt, dass dem Unternehmen die schwierige Situation der Bewohner und Angehörigen bewusst sei. Sie stünden bereits im ständigen Austausch mit den unterschiedlichen Akteuren. Dass sich Menschen in „solchen Ausnahmesituationen“ Zugang zu der Brandruine verschaffen, sei für die Wohngruppe unvorstellbar gewesen. Sie hätten nun einen Wachschutz installiert. Sie wollten alle Anliegen der Betroffenen mit besonderer Aufmerksamkeit behandeln.

Allen Betroffenen ist durch das Feuer und den Diebstahl viel Leid zugefügt worden. Dass nicht alles daneben läuft, weiß neben Hofmann auch Inge Petersilge. Das hebt sie in einem Brief an die Redaktion hervor. Auch sie wollte bis zu ihrem Lebensende im Syker Seniorenheim an der Waldstraße 9 wohnen. Sie dankt allen Rettungskräften für ihr „mutiges, umsichtiges und fürsorgliches Handeln“. Ebenso dem Restaurant „Oregano“ und Syker Bürgern, die die Opfer mit Spenden unterstützt hätten.

Nach aktuellem Kenntnisstand schließt die Polizei Brandstiftung als Ursache aus. Fakt ist laut Polizeisprecher Thomas Gissing, dass das Feuer in einer Küche der Wohnungen ausgebrochen ist. Ob es letztendlich ein technischer Defekt war oder ein Küchenutensil Feuer fing, lasse sich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen.

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