„Ich wollte nie ein typisches Mädchen sein“

Schauspielerin Ulrike Folkerts liest im Syker Theater erstmals öffentlich aus „Ich muss raus“

Ulrike Folkerts las fast anderthalb Stunden aus ihrer neuen Biografie „Ich muss raus“.
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Ulrike Folkerts las fast anderthalb Stunden aus ihrer neuen Biografie „Ich muss raus“.

Schauspielerin Ulrike Folkerts, bekannt als Tatort-Kommissarin Lena Odenthal, hat im Syker Theater aus ihrem Buch „Ich muss raus“ vorgelesen. Vor fast ausverkauftem Haus gab sie dabei einige Einblicke in ihr Leben – die aber durchaus noch tiefer hätten ausfallen können.

Syke – Was macht das mit einem Menschen, wenn man permanent für jemanden gehalten wird, der man nicht ist? Zum Beispiel wenn man als Schauspielerin ständig mit einer Rolle – einer Figur – gleichgesetzt wird, die in vielem so ziemlich das Gegenteil der Schauspielerin ist? Und das außer ihr nur niemand wahrnimmt?

Ulrike Folkerts könnte es ziemlich genau sagen. Sie spielt seit 1989 die Ermittlerin Lena Odenthal und ist damit Deutschlands dienstälteste Fernseh-Kommissarin. Am Montag las sie im Syker Theater aus ihrer Biografie „Ich muss raus“. Ein Abend im Rahmen der gemeinsamen Literaturreihe von Kreissparkasse und Radio Bremen 2. Konkret: die 18. gemeinsame Lesung.

137 von 140 Plätzen besetzt

Für Ulrike Folkerts war es eine echte Premiere: die erste öffentliche Lesung aus ihrem neuen Buch. Es ist nicht ihr erstes, und es ist auch nicht ihre erste Biografie, hob Bremen-2-Moderatorin Hilke Theessen im Begrüßungsgespräch auf der Bühne hervor. Anders als die erste hat Folkerts die aktuelle Biografie weitestgehend selbst geschrieben. Mit professioneller Unterstützung. Aber „ich wollte so erzählen, wie ich das gut fand und mehr erzählen, als ich mich je getraut habe“.

Auch jetzt wollte sie erzählen, konnten die 137 Zuschauer im Saal – maximal möglich unter Coronabedingungen wären 140 gewesen – spüren. Folkerts brannte geradezu, las fast anderthalb Stunden am Stück, riss Kapitel um Kapitel an. Beginnend 1989 am Set der Dreharbeiten für ihren ersten Tatort. In „Die Neue“ wurde die Figur Lena Odenthal eingeführt. Ulrike Folkerts war „die Neue“ am Set. Und wurde von den alten Hasen sofort heftigst angebaggert. In Regisseur Peter Schulze-Rohr fand sie einen väterlichen Freund. „Aber in die Anmache am Set hätte er sich nie eingemischt. Das galt als normal.“

Tatort-Casting als Ausweg

Folkerts springt zurück in der Zeit und erzählt dann weitgehend chronologisch: Von der Kindheit in Kassel, wo sie 1961 als mittleres von drei Kindern zur Welt kam und mit zehn zu den besten Fußballern in ihrem Viertel gehörte. „Ich wollte nie ein typisches Mädchen sein: niedlich, umgänglich und zart.“ Von den Eltern, die viel zu früh geheiratet hatten. Heiraten mussten, als die Mutter ungewollt schwanger wurde. Von Ehekrach und Scheidung, wie bei so vielen in der Nachbarschaft, deren Traum von der perfekten Familie der Realität nicht standgehalten hat. Von der überforderten Mutter und Ulrike, die schnell gelernt hat, „dass ich am wenigsten anecke, wenn ich einfach funktioniere“.

Von ihrer eigenen ungewollten Schwangerschaft mit 19 und der unerwarteten Reaktion der Mutter: „Wenn Du das Kind willst: gut! Wenn nicht, dann nicht!“ Sie bekam es nicht.

Von vier Absagen auf Bewerbungen an der Schauspielschule. Vom letzten Versuch und der Zusage aus Hannover. Vom ersten Engagement 1986 in Oldenburg und dem Unglücklichsein, gegen den eigenen Willen besetzt zu werden, Figuren zu spielen, die sie innerlich ablehnt und dem Scheitern, daran etwas zu ändern. Und wie das Casting für den Tatort 1988 einen Ausweg daraus versprach.

„Lena Odenthal hat mich gerettet“

Auch im anschließenden Gespräch mit Hilke Theessen erzählte Ulrike Folkerts viel. Durchaus auch viel Persönliches. Aber alles blieb immer dicht unter der Oberfläche. Als ob sie sich eine Grenze gesetzt hätte, die sie nicht überschreiten wollte.

Das anschließende Gespräch mit Hilke Theessen blieb vieles schuldig. Die erfahrene Bremen-2-Moderatorin ging kaum auf ihre Gesprächspartnerin ein.

Hilke Theessen trug ebenfalls ihr Scherflein bei, dass es nicht tiefgründiger wurde. Die erfahrene Moderatorin ging kaum auf Folkerts ein, folgte lieber konsequent ihrem Skript, selbst wenn das hieß, Fragen zu stellen, die Ulrike Folkerts keine zwei Minuten zuvor schon von selbst beantwortet hatte. Und wenn Folkerts über Folkerts erzählte, fragte Theesen zielsicher etwas zu Lena Odenthal. So blieb vieles ungesagt.

Ist Lena Odenthal Fluch oder Segen für Ulrike Folkerts? – „Heute würde ich sagen, es ist ein Segen. Lange habe ich gedacht: Boah, ich bin so festgelegt! Aber: Lena Odenthal hat mich gerettet vor den blöden, langweiligen Frauenrollen, die ich seitdem im Fernsehen gesehen habe. Die musste ich alle nicht spielen.“

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