Borkenkäfer, Stürme und Dürre

Ein trauriger Anblick: Tote Fichten und „Birken im Herbstmodus“

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Zahlreiche Nadelbäume in der Region sind von der Dürre im vergangenen Jahr so geschwächt, dass sie sich Schädlingen wie dem Borkenkäfer jetzt nicht zur Wehr setzen können.

Manch ein Baum gibt in diesen Tagen ein trauriges Bild ab: Fichten, Birken und Buchen haben bereits ihr Laub abgeworfen oder sind komplett eingegangen. Das hat verschiedene Gründe - nicht alle sind besorgniserregend.

Syke - Von Anne-Katrin Schwarze. Hört man vom Borkenkäfer, hat man eine zerstörte Waldlandschaft vor Augen. Stämme und Stümpfe toter Bäume, ein trauriges Bild, das längst auch zu den niedersächsischen Waldgebieten im Harz und Solling gehört. Zum ersten Mal fällt in diesem Jahr das Werk der gefräßigen Käfer auch in privaten Gärten auf: Wo man auch hinsieht, man entdeckt tote Nadelbäume.

Der Laie hat eine Erklärung schnell parat: Es ist zu trocken. Rainer Städing weiß es - leider - besser. Die Diagnose des Pressesprechers der Landesforsten erschreckt. Der Borkenkäfer besiedelt zunehmend auch einzelne Fichten in Gärten und Parks.

In den Wäldern unter staatlicher Obhut liegt das Augenmerk ganz bei den winzigen Krabbeltieren. Seit Mitte April fällen Förster und ihre Teams nicht nur abgestorbene Bäume. „Wir konzentrieren uns auf frischbefallene Bäume“, schildert Rainer Städing. Damit soll die Population in die Schranken gewiesen werden.

Die Herbststürme 2017 und der trockene Sommer 2018 hat vor allem Fichten geschwächt. Sie können sich gegen Schädlinge nicht zur Wehr setzen.

Im Landkreis Diepholz seien etwa 100 Festmeter betroffen. Fichten machen hier nur etwa zehn Prozent der Wälder aus. „Die Lage ist hier daher nicht dramatisch, aber wir müssen und werden dranbleiben.“

Der außergewöhnlich trockene Sommer 2018 hat vielen Pflanzen nachhaltig zugesetzt. Die Folgen sind jetzt sichtbar. In Gärten und an Straßenrändern fallen zahlreiche trockene und abgestorbene Bäume auf. Einige kapitulieren vor der erneuten Regenarmut, andere sind zu geschwächt, um sich gegen Schädlinge zu wehren. Betroffen sind vor allem Fichten. Der Borkenkäfer findet auf ihnen leichte Beute.

Vier Generationen von Schädlingen aktiv

Im vergangenen Jahr bildeten sich nicht nur die üblichen zwei Generationen der hier vorkommenden „Kupferstecher“ und „Buchdrucker“ aus, die warmen Temperaturen ließen eine dritte und vierte Generation von Schädlingen zu.

Sie trafen auf Fichten, die von den Wetterkapriolen seit 2017 geschwächt waren. Die Herbststürme vor zwei Jahren haben die flachwurzelnden Gehölze nicht etwa umgehauen, sondern ihren Wurzelteller nachhaltig gelockert. „Viele Feinwurzeln rissen dabei ab“, erklärt Rainer Städing, Pressesprecher der Landesforsten. Der folgenden Trockenheit und Wärme des vergangenen Sommers konnten sich die Bäume daher nicht zur Wehr setzen. „Von dieser Schwäche profitierte der Borkenkäfer.“

Überal sind einzelne trockene Birken zu sehen. Um sie muss man sich jedoch keine Sorgen machen: „Sie schalten bereit in den Herbstmodus und erholen sich wieder“, sagt Rainer Städing.

Während staatliche wie private Waldbesitzer ein wirtschaftliches Interesse daran haben, befallene Bäume zeitnah zu schlagen, werden die Plagegeister auf einzelnen privaten Bäumen gar nicht oder zu spät erkannt. Sie hinterlassen in diesen Tagen abgestorbenen Fichten, wohin man auch schaut.

„Dieses Holz sollte entnommen werden“, rät Rainer Städing. Befallene Bäume werden instabil und damit ein leichtes Opfer eines nächsten Sturmes. Außerdem verliert dieses Holz an Wert. Für einen Gartenbesitzer mit einer einzelnen Fichte im Bestand vielleicht kein schmerzlicher Verlust, für Waldbesitzer aber ein Argument, schnell zu handeln.

Frischbefallene Bäume werden geschlagen

„Wir werden ab nächsten Monat erneut frischbefallene Bäume schlagen“, kündigt Rainer Städing für die Wälder der Landesforsten südlich von Bremen und Oldenburg an. Denn „jeder Stamm ist ein Gewinn“, heißt die Devise in Zeiten, in denen der Holzmarkt verstopft ist, wie er es formuliert. Unter anderem durch die erheblichen Sturmschäden sind die Holzlager voll, für einen Stamm erhält man derzeit etwa die Hälfte des ursprünglichen Preises.

Auch erste Birken am Wegesrand lassen bereits das Laub fallen. In Südniedersachsen auch erste Buchen. Dafür sei allerdings allein die Trockenheit verantwortlich, erklärt Rainer Städing. „Die Birke schaltet einfach jetzt schon in den Herbstmodus.“ Im nächsten Jahr werde sie sich erholen, erwarten die Fachleute.

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