Sauberkeit im Vogelhaus beachten / Aufruf zu mehr Artenvielfalt im Garten

Ganzjährig Vögel füttern? Nabu: Kein Problem

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Eine überdachte Futtersäule bietet den Vögeln die Möglichkeit, problemlos ans Futter zu kommen. Zudem vermeidet man auf diese Weise, dass die Vögel auf das Futter koten. Denn das stellt eine Gesundheitsgefahr für die Tiere dar.

Von Frank Jaursch. Die Temperaturen sinken, Gartenmöbel verschwinden im Schuppen oder in der Garage. Und so manches Vogelhaus findet jetzt seinen Winterplatz auf Terrassen und Balkons. Die Vögel füttern aber, so hieß es einst, soll man erst bei Dauerfrost.

„Da streiten sich die Gemüter“, lächelt Heidrun Nolte vom Naturschutzbund (Nabu) Syke. Gemeinsam mit Anni Wöhler-Pajenkamp und Sykes Stadtbiologin Angelika Hanel gibt sie Hinweise zum Füttern der Vögel. Denn die müssen nicht erst bis zum Frost warten.

„Man kann ruhig das ganze Jahr füttern“, gibt Nolte die offizielle Position des Nabu wieder. „Die meisten Vögel kommen eh nur im Winter zu den Futterstationen.“

Für die Expertin dient das Aufstellung von solchen Körnerlagern vor allem einem Zweck: der Freude am Beobachten. Es schule die Artenkenntnis und vermittle auch ein Gefühl der Naturnähe, wenn man mit der ganzen Familie vom Wohnzimmerfenster auf das zwitschernde Treiben blickt. „Und gerade für ältere Menschen, die ans Haus gebunden sind, ist das ein toller Kontakt zur Außenwelt“, ergänzt Angelika Hanel.

Tatsächlicher Artenschutz allerdings „ist es nicht wirklich“, räumt Nolte ein. Schließlich würden nur etwa drei Prozent aller Vogelarten überhaupt an die Vogelhäuser herankommen.

Nicht nur das Ob, sondern auch das Wie ist dabei von Bedeutung: „Man sollte das Futter nicht einfach auf den Boden streuen“, sagt Nolte. Auch von den handelsüblichen Vogelhäusern hält sie nicht viel. Grund: Die Vögel laufen über das Futter und koten die Körner voll, die später gefressen werden. „Eigentlich muss man die Vogelhäuser jeden Tag mit heißem Wasser reinigen, um die Verbreitung von Keimen zu verhindern“, erklärt sie – wohl wissend, das kaum jemand so etwas machen würde.

Die Nabu-Vertreter favorisieren Häuschen mit einer Säule, etwa aus Plexiglas, in der das Futter sicher aufbewahrt wird und durch eine Öffnung unten herausgepickt werden kann.

Dass man von der strikten „Nur im Winter!“-Philosophie abgerückt ist, hat einen einfachen Grund: Die Gärten entwickeln sich mehr und mehr in Richtung Monokulturen, zwischen Kirschlorbeer und Säulenkoniferen finden die Tiere immer weniger Nahrung.

Auch hier fordert Hanel ein Umdenken: Sträucher und Bäume wie Schlehen, Weißer Holunder, Haselnuss oder Schneeball wären da viel besser, weil sie die Vögel mit Nahrung versorgen. „Dann schaffen wir die Vielfalt – und indem wir auch mal einfach was liegen lassen“, mahnt die Stadtbiologin zu nicht allzu großem Sauberkeitswahn im Garten.

Für alle, die mehr wissen wollen: Einen umfassenden Überblick über das richtige Füttern gibt Heidrun Nolte am Donnerstag, 6. November, ab 20 Uhr bei einem Vortrag des Nabu in Grete Otersens Eckkneipe.

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