Sarah Lübker ist Sozialarbeiterin für den Kirchenkreis Syke-Hoya

Ein Händchen für den Umgang mit Flüchtlingen

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Sarah Lübker macht „eigentlich so ziemlich alles“, was mit der Betreuung von Flüchtlingen zu tun hat.

Syke - Von Jan Schmidt. Wenn das Handy klingelt, ist Sarah Lübker zur Stelle. Sie muss spontan sein, sonst käme sie in ihrem Job nicht zurecht. Ständig passiert etwas Unerwartetes – auch heute: Für zehn Uhr ist ein Termin mit der Kreiszeitung vereinbart. Aber kurz, bevor es soweit ist: Ein Anruf. Flüchtlinge sind im Syker Rathaus angekommen. Lübker muss los.

Wir verlegen unseren Termin spontan an den Ort des Geschehens. „Hinterher können wir immer noch im Büro quatschen“, sagt sie. Und sie hat ja Recht: Wenn ich etwas über ihre Arbeit erfahren möchte, begleite ich sie am besten direkt dorthin.

Anfang September hat Lübker eine Stelle als Sozialarbeiterin für den Kirchenkreis Syke-Hoya angenommen. Die Stelle ist bei der Diakonie angesiedelt – mit Kirche und Beten hat das aber trotzdem nicht viel zu tun. „Meine Aufgaben?“ Lübker muss lächeln. „Eigentlich mache ich so ziemlich alles.“ Was sie damit meint, wird mir klar, als ich sie im Umgang mit den Flüchtlingen beobachte.

Durch ihre ruhige, selbstbewusste Art, gewinnt Lübker sofort das Vertrauen der Menschen. Im Flur wartet eine junge Flüchtlingsfamilie auf die Bearbeitung ihrer Papiere. Es gibt sprachliche Differenzen – nein, eigentlich versteht die Familie kein einziges Wort. Lübker gelingt es dennoch, die Situation zu lösen. Mit viel Einfühlungsvermögen, Gestik und Mimik, weist sie die Familie ein. Als die Formalitäten geklärt sind, verabschieden wir uns mit einem Augenzwinkern. Die Flüchtlinge winken uns zu.

Etwas Arabisch

kann nicht schaden

„Vor kurzem hab ich extra noch einen Arabischkurs belegt“, erzählt die 23-Jährige auf dem Weg ins Büro. „Wenigstens das Zahlen-System möchte ich können. Und ein paar Worte zu verstehen, wäre auch nicht schlecht.“ Leider fehle es ihr an der nötigen Zeit, um noch weiteren Stoff dazuzulernen.

Seit Sarah Lübker die Stelle übernommen hat, ist sie im Kirchenkreis Syke-Hoya voll eingespannt. Mit der Flüchtlingssituation sind viele Kommunen überfordert. Jede Stadt oder Gemeinde versucht auf ihre Weise, der Lage Herr zu werden. „Oft springen Hilfsorganisationen wie die Caritas ein“, weiß Lübker. Auch Ehrenamtliche leisteten einen wichtigen Beitrag. „Die Hilfsbereitschaft ist zum Glück ziemlich groß.“

Etwa ein Viertel ihrer Arbeitszeit verbringt Lübker an den Berufsbildenden Schulen in Syke. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern, Praxislehrern und Honorarkräften, betreut sie dort fünf Sprachlernklassen mit Jugendlichen im Alter von 15 bis 27 Jahren.

„Mir macht das super viel Spaß. Zwar muss ich mit den Jugendlichen meistens bei Null anfangen, aber sie lernen total schnell und mit großer Begeisterung. Viele sind in ihren Heimatländern noch nie zur Schule gegangen, deshalb wollen sie hier ihre Chance nutzen.“

Für ihr jetziges Engagement hat Lübker in der Vergangenheit einen guten Grundstein gelegt. Nachdem sie 2011 ihr Abitur in Diepholz gemacht hatte, studierte sie Soziale Arbeit und leistete anschließend ihr Anerkennungsjahr. „Eigentlich sollte der Schwerpunkt auf Kirchensozialarbeit liegen. Aber dann bin ich doch wieder in einem Flüchtlingsprojekt gelandet. Das war schon immer mein Ding und wird es wahrscheinlich auch bleiben“, lacht die 23-Jährige.

Eine Schonzeit benötigte sie bei der Diakonie nicht. Angefangen bei der Betreuung von Familien über den Beistand bei Behördengängen bis hin zur Unterstützung von Institutionen, die Fördergelder benötigen, dreht sich ein Großteil der Arbeit um geflüchtete Familien.

Da sich der Kirchenkreis Syke-Hoya über drei Landkreise erstreckt, bekommt Lübker Anfang nächsten Jahres Entlastung. Zum 1. Januar soll ein neuer Flüchtlingsberater für die Städte Bassum und Syke eingestellt werden. Zuvor hatte Johannes Stephens diese Stelle bekleidet, der allerdings aus persönlichen Gründen im September zurückgetreten war (wir berichteten).

Aus der ursprünglich halben Stelle machen die Kommunen Bassum und Syke nun eine ganze Stelle. „Offenbar bekomme ich zwei neue Kollegen“, freut sich Lübker. In ihrem Büro in Syke muss sie bis Januar noch ein bisschen Platz schaffen: Die Flüchtlingsberater werden wohl ebenfalls in das Gebäude der Diakonie mit einziehen.

„Ich finde die Entscheidung der Städte Bassum und Syke genau richtig“, betont Lübker. „Je mehr für die Flüchtlinge getan wird, desto schneller können sie sich integrieren.“

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