Rund 69 Hektar im Landkreis Diepholz für Weihnachtsbäume angemeldet

Kunden mögen sanfte „Nordmänner“

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Tannen mit zu hellen Nadeln treffen nicht den Geschmack der wählerischen Kundschaft.

Landkreis - Von Robin Grulke. Ohne ihn ist das Weihnachtsfest für die meisten Menschen unvorstellbar: der Tannenbaum. Dunkelgrün und prunkvoll geschmückt mit Lametta, Kugeln und Kerzen füllt er den Raum mit seinem ganz eigenen Geruch.

Allerdings entscheiden sich auch einige gegen diese traditionelle Dekoration. Ihnen ist es zu viel Arbeit, die Tanne bis ins Wohnzimmer zu bringen, geschweige denn, sie eigenhändig vorher abzusägen. Ganz billig sind die Bäume auch nicht. Ausgesuchte Nordmanntannen kosten pro laufenden Meter zwischen 18 und 24 Euro, so die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Für manche ist es auch eine regelrechter „Umweltfrevel“, jedes Jahr eine zehn Jahre lang gewachsene Tanne zu fällen, als bloße Zierde zu nutzen und nach wenigen Tagen wieder zu entsorgen. Nicht wenige Menschen ziehen da die Attrappe aus Plastik vor.

Allerdings gibt es diesbezüglich eine Studie der Beratungsfirma „Ellipsos“ aus Kanada. Der zufolge müsste ein künstlicher Baum knapp 20 Jahre lang aufgestellt werden, um eine umweltfreundlichere CO²-Bilanz als 20 natürliche Bäume vorzuweisen.

In den meisten Haushalten mit mehr als drei Personen wird laut Statistik des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger (BWS) allerdings ein „echter“ Weihnachtsbaum aufgestellt. Das bedeutet: Fast 25 Millionen Weihnachtsbäume stehen jedes Jahr in den Wohnzimmern der Deutschen, so der BWS. Und die Käufer müssen auch kein schlechtes Gewissen haben, denn der Hauptteil von ihnen wird nicht im nächstgelegenen Wald abgeholzt, sondern in Sonderkulturen extra zu diesem Zweck angepflanzt.

„Im Wald einen Weihnachtsbaum zu finden, der einem gefällt, ist sowieso nicht so leicht“, sagt Bezirksförster Lars Pump aus Syke. Die außerhalb der Sonderkulturen gewachsenen Bäume entsprächen nicht den kosmetischen Ansprüchen der Konsumenten. Außerdem sei es ohne Genehmigung nicht erlaubt, im Wald einen gesunden Baum zu fällen, so der Förster. Insgesamt wurden in diesem Jahr rund 69 Hektar im Landkreis Diepholz und 43 Hektar im Kreis Nienburg an Weihnachtsbaumkulturen angemeldet, so die Landwirtschaftskammer.

Familie Buschmann vom „Tannenhof Steinsvorde“ bei Neuenkirchen hat auch solche Sonderkulturen angelegt. Dort wachsen vermehrt Nordmanntannen: Diese „machen 90 Prozent der verkauften Bäume aus“, sagt Wilhelm Buschmann. Allerdings haben die Kunden hohe Ansprüche. Tannen mit Makeln wie zum Beispiel zu hellen Nadeln würden nicht gekauft, so der Landwirt. Neben dem derzeit beliebtesten Weihnachtsbaum der Deutschen werden dort auch Nobilis-Tannen sowie Rot- und Blaufichten angepflanzt. Auf dem Tannenhof können sich alle Echtbaum-Freunde schon jetzt ihren Baum für Weihnachten aussuchen.

Die meisten Weihnachtsbaumkäufer würden sich auch in diesem Jahr wieder für eine Nordmanntanne entscheiden, so Busch-mann. Sie ist vor allem deshalb so beliebt, weil ihre Nadeln nicht stechen. Dass dieser Baum allerdings kein heimisches Gewächs ist, sondern ursprünglich aus dem Kaukasus-Gebiet stammt, ist vielen unbekannt. Wer sich dazu entschließt, eine Tanne mit Wurzelballen zu kaufen, um sie später in den eigenen Garten einzupflanzen, kann dies mit gutem Gewissen tun. „Da hätte ich keine Bedenken“, sagt Karin Bellingrodt, die Vorsitzende der Bund-Kreisgruppe Diepholz.

Einzig den Einsatz von Mitteln zur Schädlingsbekämpfung sieht der Bund kritisch und findet ihn „äußerst bedauerlich“.

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