Es geht nur noch ums Sandgeld

Rosarium am Ende: AG und Betriebs-gGmbH in Wachendorf in Liquidation

Notdürftig abgedeckt und vor der Witterung geschützt, ist der halb fertige Fachwerkbau, der einmal das Besucherzentrum für das Rosarium in Wachendorf werden sollte, geradezu symbolisch für ein ambitioniertes Projekt, dessen Ende kam, bevor es überhaupt richtig fertig war.
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Notdürftig abgedeckt und vor der Witterung geschützt, ist der halb fertige Fachwerkbau, der einmal das Besucherzentrum für das Rosarium in Wachendorf werden sollte, geradezu symbolisch für ein ambitioniertes Projekt, dessen Ende kam, bevor es überhaupt richtig fertig war.

Acht Worte kennzeichnen das Ende eines Traums – des Traums von buchstäblich blühenden Landschaften, die Jahr für Jahr Besucherzahlen weit im fünfstelligen Bereich anziehen sollten: „Das Rosarium Wachendorf befindet sich in der Liquidation.“

Wachendorf – Ausgesprochen hat diese acht Worte Christian Peter, verantwortlicher Sachbearbeiter beim vom Gericht eingesetzten Insolvenzverwalter, der Anwaltskanzlei Rhode & Partner aus Bremen. „Die Fortführung des Betriebs oder die Übertragung auf einen Investor hat es nicht gegeben“, führt Peter aus. „Ich glaube auch nicht, dass jetzt noch jemand kommt. Zumal erhebliche finanzielle Mittel notwendig wären.“

Es war eine kühne Idee, die da vor gut 15 Jahren im Umfeld des Wachendorfer Bürgervereins geboren wurde: Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, was eigentlich aus der Sandgrube zwischen Hillenberg und Zum Heussen werden solle, wenn es dort mal keinen Sand mehr abzubauen gäbe. Renaturierung wäre der übliche Weg gewesen. In Wachendorf war der Gedanke, stattdessen einen Garten- und Landschaftspark daraus zu machen.

Planverfahren erwies sich als schwierig

Bis auf ein paar Skizzen und Entwürfe passierte zunächst nicht viel. 2008 gab es die ersten konkreten Pläne. Doch bis es tatsächlich losging, sollten noch Jahre vergehen. Das Planverfahren erwies sich als überaus schwierig. Denn niemand hatte bisher Erfahrungen damit, aus einer Sandgrube einen bewirtschafteten Landschaftspark zu machen.

Die Wachendorfer gründeten eine Aktiengesellschaft und die wiederum eine Betriebsgesellschaft, die sogar den Status der Gemeinnützigkeit erhielt. Damit waren zusätzliche Fördertöpfe anzapfbar. Die reinen Planungs- und Betriebskosten sollten durch den Sandabbau gedeckt werden.

2014 erster symbolischer Spatenstich für das Rosarium Wachendorf

Im November 2014 war der symbolische erste Spatenstich für das Rosarium Wachendorf. Ein Leuchtturmprojekt mit überregionaler Strahlkraft sollte es werden: Über 1 000 Rosenarten, Schau- und Themengärten, Teiche, Ruhezonen, Spielplätze und Freiflächen für Kulturelles. Parallel dazu mehrere bewirtschaftete Streuobstwiesen – und als das i-Tüpfelchen berufliche Qualifizierung für Menschen mit Behinderungen. Investitionsvolumen: insgesamt rund eine Million Euro. Im Sommer 2015 sollten die ersten Besucher kommen können. 35 000 pro Jahr wären für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendig gewesen. Diese Besucherzahl sollte laut Businessplan im vierten Betriebsjahr erreicht werden. Doch dazu kam es nicht. Die Katastrophe brach vorher über das Rosarium herein.

Beim symbolischen ersten Spatenstich für das Rosarium Wachendorf im November 2014 war die Welt noch rosarot für (von links) Geschäftsführer Thomas Ritter (=), Bürgermeisterin Suse Laue, Ortsbürgermeister Jochen Harries und Ute Stollreiter vom Kooperationspartner Lebenshilfe. Seit dem Tod von Thomas Ritter und der Rücknahme eines Förderbescheids ist sie nur noch grau.

2018 wurde erst eine Förderzusage über 125 000 Euro nachträglich zurückgezogen. Wegen Fehlern in der Ausschreibung hieß es. Zu der Zeit hatte die Betreibergesellschaft dieses Geld aber bereits ausgegeben – und hatte nun mit einem Schlag einen Berg Schulden am Hals. Kurz danach starb Thomas Ritter, der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft, der führende Kopf in der gesamten Planung und Konzeption und der einzige, der in der komplizierten Fördergeld-Thematik den Durchblick hatte. Und weil die Gesellschaft erstens verschuldet war und zweitens außer dem Sandverkauf keinerlei Einnahmen hatte, hat sie niemanden gefunden, der diese Lücke hätte füllen können.

Insolvenzverfahren im Frühjahr 2020 eröffnet

Konsequenz: Ende 2019 wurde die Insolvenzprüfung für die Betriebs-gGmbH und die Rosarium-AG beantragt. Die Insolvenzverfahren wurden im Frühjahr 2020 eröffnet – und ziehen sich seitdem dahin. Warum ist für Außenstehende schwer zu verstehen, zumal es in keiner der beiden nennenswerte Insolvenzmassen gibt. Grund und Boden sind nur gepachtet. Und auch das zur Hälfte wieder aufgebaute historische Fachwerkhaus, das einmal ein Kernpunkt des Besucherbereichs im Rosarium werden sollte, gehört nicht zum Eigentum einer der beiden Gesellschaften.

„Die Abwicklung beschränkt sich auf noch vorhandene Ansprüche an Dritte durch die gGmbH“, sagt Christian Peter. Diese Ansprüche reichten allerdings bei Weitem nicht aus, um die Forderungen an die gGmbH zu erfüllen. Ende ungewiss.

„Es geht um das Sandgeld“

„Es geht um das Sandgeld“, erklärt Manfred Rinas vom Vorstand der Rosarium AG. „Eigentlich steht das Geld aus dem Sandabbau der AG zu. Der Vorstand hat aber entschieden, das Geld je nach Bedarf mal der AG und mal der gGmbH zuzuordnen.“ Das Problem ist laut Rinas: Das Gericht hat für die AG und die gGmbH unterschiedliche Insolvenzverwalter bestellt. Und die haben unterschiedliche Auffassungen, wem das Geld aus dem noch laufenden Sandabbau zugerechnet werden muss. Rinas: „Ein im Grunde überflüssiger Streit, wer die richtige Rechtsauffassung hat. Es wird am Ende nichts anderes herauskommen als die Liquidierung beider Gesellschaften. Was danach mit dem Haus und dem Gelände passiert, steht noch völlig in den Sternen.“

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