Meisterschüler mit Syker Wurzeln und Dresdner Heimat

Maler Jörn Diederichs: Aus Ristedt in die Kunstwelt

Jörn Diederichs an der alten Eiche neben der elterlichen Schmiede, wo einst die Pferde der Ristedter Bauern beschlagen wurden. - Foto: Heiner Büntemeyer

Ristedt - Von Heiner Büntemeyer. Jörn Diederichs hat seinen Weg gemacht. Als kleiner Steppke bemalte er schon die großen Zeichenblätter, die in der Schlosserwerkstatt seines Vaters eigentlich für technische Zeichnungen und Handskizzen bei Verkaufsgesprächen gedacht waren. Heute ist er ein bundesweit renommierter Maler und Meisterschüler.

Rückblende in die Kindheit: Zusammen mit seinem Freund Jens Discher entwarf Diederichs Fantasiemaschinen. Es gelang ihm schon damals, mit wenigen Strichen ein Pferd zu zeichnen, das auch als Pferd zu erkennen war, weil er in der Lage war, die charakteristischen Merkmale zeichnerisch zu reproduzieren. Eines seiner ersten Studienobjekte war das Wilhelm-Busch-Album, weil er das Skizzieren von Menschen lernen wollte. „In der Schule wurde das weiter kultiviert“, berichtet er. Am Syker Gymnasium belegte er natürlich den Kunst-Leistungskurs.

Nach dem Abitur studierte er Pädagogik an der Uni Oldenburg und besuchte die Kunst-Seminare. Seine Dozentin nahm ihn dort in ihre Ateliergemeinschaft auf, und allmählich musste er sich eingestehen, dass er kein Vollblutpädagoge werden würde. Auch auf Anraten seiner Dozentin bewarb er sich mit seinen Mappen an Kunsthochschulen in Bremen, Düsseldorf und Dresden. Inzwischen freut er sich, dass er sich 1995 entschieden hat, in Dresden bei Siegfried Klotz, einem künstlerischen Enkel Oskar Kokoschkas, mit dem Studium zu beginnen.

Während hier im Westen sehr konzeptionell – Stichwort Pop-Art – gemalt wurde, vertrat der alte Meister die klassische Ost-Moderne, eine Kunstrichtung, die Diederichs als „Mischung aus altem und neuem Expressionismus und jungen Wilden“ bezeichnet. Andere Lehrer waren Ralf Kerbach, der auch aus der Dresdner Malschule kam und eine farbige Poesie in seinen Bildern betonte, sowie David Hockney, dessen Bilder von einer erweiterten Perspektive gekennzeichnet sind.

Jörn Diederichs beendete das Studium an der Dresdner Kunsthochschule mit einem Diplom und arbeitete als freier Kunstmaler. Er bekam Stipendien, gestaltete Ausstellungen und malte.

Neunteiliges Syker „Road Movie“

In dieser Zeit entstand in Ristedt ein „Road Movie“ aus neun Einzelteilen mit unterschiedlichen Perspektiven. Das erste Bild zeigt einen Blick von Leerßen über Ristedt hinweg ins Ristedter Moor und so hangelte er sich zeichnend die Straße entlang bis in den Dorfkern. Die dabei entstandenen neun Bilder ergeben ein Gemälde mit der Größe von 3 mal 2,70 Metern.

Um seine Ausbildung mit dem Meistertitel zu krönen, besuchte er bei Ralf Kerbach Fachklassen. Dort legte er als „Meisterschüler-Arbeit“ dieses Dorfbild ein, das mit einer Eins bewertet wurde und Diederichs den Titel „Meisterschüler“ einbrachte.

Er ist ein Farben-Maler, der mit breitem Pinselstrich Stimmungen in seinen Landschaften einfängt. In seinen Bildern orientiert er sich zwar an der Realität, aber er malt keine Abbildungen. Vielmehr versucht er, seine Eindrücke und Gefühle in kräftigen Farben auszudrücken.

Inzwischen ist er Mitglied im Künstlerbund und arbeitet als Jury-Mitglied auf Künstlermessen. Diederichs ist nicht unpolitisch. Natürlich haben ihn die „Pegida“-Aufmärsche in Dresden betroffen gemacht. Seine Reaktion sind Gemälde, die er am Christopher Street Day in Dresden gemalt hat, um zu zeigen, wie vielfältig die Stadt ist. Darüber hinaus besucht er Flüchtlingscamps, um dort ehrenamtlich mit Migranten zu zeichnen.

Viele Maler verkaufen ihre schönsten Bilder nicht oder nur sehr ungern. Dieses Gefühl kennt Jörn Diederichs auch, „aber das ist unprofessionell“ erklärt er – und freut sich, wenn seine Werke anderen so gut gefallen, dass sie die Bilder auch kaufen.

Sein großes neunteiliges Dorfbild hat er jedoch nicht verkauft. Aber der Verein „Erlebnis Ristedt“ hat die Nutzungsrechte erworben, um die einzelnen Bilder als Motive für die „Ristedter Becher“ verwenden zu können, die alljährlich zum Ristedter Weihnachtsmarkt verkauft werden. Die ersten drei Auflagen sind erschienen und fanden reißenden Absatz.

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