Risiko: Wer vom Handy oder Tablet aus einkauft und ohne Bargeld zahlt, verliert schnell den Überblick/Neue rechtliche Regelung

Aus dem Internet-Warenhaus in die Schuldenspirale

Augen auf beim Internetkauf – Praktikant Marius Klingemann weiß um die Gefahren der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.
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Augen auf beim Internetkauf – Praktikant Marius Klingemann weiß um die Gefahren der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.

Syke - Laut BITKOM, dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, bestellen mittlerweile mehr als die Hälfte der deutschen Bundesbürger Waren im Internet. Der Online-Versandhandel ist demnach eine echte Boombranche. Statt ins Geschäft gehen zu müssen, kann man bequem vom heimischen Computer oder mittlerweile sogar vom Tablet oder Smartphone aus bestellen. Die Ware wird einem in vielen Fällen kostenfrei an die Haustür gesandt, man kann sie unkompliziert bargeldlos per Lastschrift oder Online-Banking bezahlen und in der Regel innerhalb von 14 Tagen zurücksenden, egal aus welchen Gründen.

Doch dieses hohe Maß an Bequemlichkeit birgt hohe Risiken. Durch den bargeldlosen Zahlungsverkehr verlieren viele Menschen leicht den Überblick über ihre Ausgaben. „Durch aggressive und personalisierte Werbung, welche insbesondere in sozialen Netzwerken auf den Nutzer einprasselt, werden unnötige Konsumwünsche verstärkt, die bei einigen den finanziellen Rahmen sprengen“, weiß Stefan Gövert als Schuldnerberater des Diakonischen Werkes in Syke aus Erfahrung. „Das scheinbar günstige Angebot einiger Versandhäuser, die Ware per Rate zu bezahlen, entpuppt sich bei Menschen mit geringem Einkommen schnell als Schuldenfalle.“

Häufen sich die finanziellen Verbindlichkeiten, die jeden Monat bedient werden müssen, oder sinkt das Einkommen zum Beispiel als Folge von Arbeitslosigkeit oder reduzierter Arbeit, beginnt sich die Schuldenspirale zu drehen.

Wie genau die funktioniert, schildert Stefan Gövert so: Die Schuldner können die Rechnungen nicht zahlen, Mahngebühren, Zinsen und Inkassokosten lassen die Forderungen unaufhörlich steigen. Die Schuldner versuchen das Geld an anderer Stelle abzuzweigen und reißen dadurch neue Löcher in die Kasse, im schlimmsten Fall bei der Miete oder den Energiekosten. Der Druck steigt, bis das finanzielle Gerüst bricht. Der Schuldner ist in der Schuldenfalle.

„Das gerichtliche Mahnverfahren, der Besuch des Gerichtsvollziehers, die Kontopfändung, die Vermögensauskunft und im Extremfall sogar die Energie-sperre oder der Verlust der Wohnung sind die Konsequenzen“, beschreibt der Schuldnerberater die praktischen Folgen. „Ohne die professionelle Hilfe einer sozialen Schuldnerberatungsstelle kann sich kaum ein Schuldner aus dieser Falle befreien.“ Fachleute raten deshalb eindringlich: „Die Grundlage aller finanziellen Planung sollte deshalb immer ein belastbarer Haushaltsplan sein. Durch eine solide Planung, durch Bildung selbst von kleinsten Rücklagen und dem Sparen für Konsumwünsche, kann einer Verschuldung auch bei geringem finanziellen Einkommen wirksam entgegengewirkt werden.“

Seit Juni 2014 müssen auch solvente Kunden besonders aufpassen, um nicht in eine neue Kostenfalle zu tappen. Aufgrund einer EU-Richtlinie kam es in Deutschland zu einer Gesetzesänderung. Seit Mitte Juni muss der Käufer grundsätzlich die Retourkosten bei Bestellungen im Internet zahlen. Deshalb warnen die Fachleute: „Für so manchen, der Bekleidung gleich in verschiedenen Größen bestellt hat, und alles, was nicht passte, zurückgesandt hat, kann es in Zukunft also teurer werden.“ Viele Unternehmen hätten aber schon angekündigt, von der neuen Regelung keinen Gebrauch machen zu wollen. Dennoch: „Jeder Kunde sollte sich vor der Bestellung über die möglichen Kosten informieren.“

Des Weiteren reiche es nicht mehr, die Ware kommentarlos zurückzusenden: „Der Kunde muss den Kaufvertrag widerrufen. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte dies schriftlich geschehen. Eine Angabe von Gründen ist aber weiterhin nicht nötig.“

Interneteinkauf und weitere Verschuldungsfallen stehen im Mittelpunkt der Präventionsarbeit, die Schuldnerberater Stefan Gövert im Rahmen der Präventionsarbeit des Diakonischen Werkes in allen Schulen des Landkreises Diepholz anbietet. Interessierte erreichen ihn unter Telefon 04242/68714.

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