Rentner Eckhard Hollwedel genießt Kontakt zu Kunden – und liegt voll im Trend

Fahrer-Job mit 73 Jahren: Aus Spaß an der Freude

Seine Kollegen sind Eckhard Hollwedel sehr wichtig. Für einen hat er einen besonderen Bienenkorb ausfindig gemacht. - Foto: Seidel

Diepholz/Nienburg - Von Anke Seidel. Eckhard Hollwedel hat einen verantwortungsvollen Job. Tag für Tag sorgt er dafür, dass Kinder und Senioren frisch zubereitetes, noch heißes Mittagessen erhalten. Drei Stunden lang ist er in Syke und umzu unterwegs, bis alle Kunden bedient sind. Eine Aufgabe, die dem Fahrer aus Passion viel Freude macht – obwohl er bereits 73 Jahre alt ist.

Der Barrier gehört zu den Rentnern mit einem festen Job – und liegt damit voll im Trend, wie die Initiative mit dem Motto „Du lebst sieben Jahre länger, als Du denkst“ in einer aktuellen, bundesweiten Analyse festgestellt hat. Dabei hatten die Mitarbeiter dieser Initiative deutscher Versicherer speziell die Altersgruppe zwischen 65 und 70 Jahren im Blick. Ergebnis ihrer Untersuchung: Innerhalb von 15 Jahren hat sich der Beschäftigten-Anteil dieser Seniorengruppe mehr als verdoppelt. Sprich: Sie ist bundesweit von acht auf 16,6 Prozent gestiegen.

Allerdings offenbart die Analyse regionale Unterschiede. Von den bundesweit 402 Landkreisen hat Vechta mit 32 Prozent die höchste Beschäftigungsquote in der genannten Altersklasse. „Dort arbeiten anteilig fast viermal mehr Senioren als im Kreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt mit 8,3 Prozent“, berichtet Christian Ponzel von der Initiative der deutschen Versicherer. Ein wichtiger Faktor sei natürlich die Wirtschaftskraft, fügt Ponzel hinzu: „In starken Regionen gibt es insgesamt mehr Arbeit – so auch für Ältere.“

Der Landkreis Diepholz liegt in diesem Ranking (auf Basis von Zahlen aus dem Jahr 2015) auf Platz sieben der niedersächsischen Landkreise. Das bedeutet konkret: Von den 11 118 Senioren im Landkreis Diepholz (ihre Zahl entspricht fast der gesamten Einwohnerzahl der Samtgemeinde Barnstorf) haben immerhin 529 einen sozialversicherungspflichtigen Job, aber stolze 1 863 eine geringfügige Beschäftigung, sprich einen Mini-Job – das sind mehr arbeitende Senioren als die Gemeinde Eydelstedt Einwohner hat (1 758).

Eckhard Hollwedel ist also Teil einer großen Gemeinschaft. Der 73-Jährige lebt allein. Sein Job als Auslieferungsfahrer für das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) ist für ihn wie eine Brücke in den lebendigen Alltag. „Mir macht das großen Spaß, das ist eine tolle Sache!“, erklärt der rüstige Rentner auf Anfrage. Er genießt es, Tag für Tag Kontakt zu anderen Menschen zu haben – zu den Mitarbeitern in Küche und Kindergärten ebenso wie zu den älteren, in der Regel alleinstehenden Kunden. „Sie brauchen nicht mal eine Mikrowelle, weil wir das Essen ja heiß anliefern“, sagt Eckhard Hollwedel. Er hat früher bei der Kreissparkasse und im Großhandel gearbeitet – mit vielen Menschen. Und darauf möchte er auch in seinem jetzigen Leben nicht verzichten. „Unsere Köchin hat in einem sehr renommierten Restaurant gelernt“, lobt Hollwedel die Küche des DRK-Seniorenheims in Barrien, wo das Essen zubereitet wird.

Sieben Tage pro Woche ist er als Auslieferungsfahrer unterwegs – stets im wöchentlichen Wechsel mit einem Kollegen: „Ich habe dann eine Woche frei.“

Die Auslieferungszeit von drei Stunden müsse unbedingt eingehalten werden: „So verlangt es der Gesetzgeber, weil wir ja heißes Essen an die Kunden liefern.“ Zum Beweis fahre einmal im Monat eine „Prüfportion“ mit: Deren Temperatur werde nach der Auslieferung gemessen und dokumentiert.

Eckhard Hollwedel steht mit seinen 73 Jahren mitten im Leben – und ist Teil des DRK-Küchenteams. Als ein Kollege seine 30 Arbeitsjahre in der DRK-Küche festlich begeht, sorgt Hollwedel für ein außergewöhnliches Präsent: einen Bienenkorb.

Eine Beschäftigung haben und Kontakt zu anderen Menschen – das gilt laut Statistik im Landkreis Diepholz für immerhin 21,5 Prozent der Senioren im Alter zwischen 65 und 70 Jahren. Zwar sind das rund zehn Prozent weniger als im Landkreis Vechta, aber doch mehr als im Landkreis Nienburg. Dort haben der Analyse zufolgte 19,3 Prozent der Senioren in der genannten Altersklasse eine Beschäftigung – 290 einen sozialversicherungspflichtigen Job und 884 einen Mini-Job. Zum Vergleich: Im Landkreis Verden sind es 266 sowie 880. Die Senioren-Beschäftigungsquote liegt mit 15,8 Prozent aber deutlich unter der in den Landkreisen Diepholz und Nienburg.

Genau diese Quote hat sich in den vergangenen 15 Jahren in den unterschiedlichen Landkreisen unterschiedlich entwickelt. Aber als Faustregel kann gelten: Sie hat sich in eineinhalb Jahrzehnten verdoppelt. Im Jahr 2000 hatten im Landkreis Vechta 16,3 Prozent der Senioren zwischen 65 und 70 Jahren einen Altersjob, im Landkreis Diepholz waren es 10,8 Prozent, im Landkreis Nienburg 10,2 Prozent. In Verden lag die Quote damals bei 9,9 Prozent. Will heißen: In diesem Landkreis haben sich die Alters-Beschäftigungen weniger stark entwickelt.

Die Initiative

„7 Jahre länger“ ist eine Initiative der Deutschen Versicherer (www.gdv.de). Sie soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Menschen in Deutschland immer älter werden und länger fit bleiben. Denn die meisten Deutschen unterschätzen laut wissenschaftlicher Studien ihre Lebenserwartung deutlich – und haben oft ein falsches, sehr negatives Bild vom Alter. Die Initiative will darum einen gesellschaftlichen Dialog darüber führen, wie wir das Beste aus den gewonnenen Jahren machen können. Internet: www.7jahrelaenger.de

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