Betreiber nennt ausschließlich Personalgründe / „Der Standort ist gut“

Reisebüro am Bahnhof schließt

Das ReiseCenter Syke schließt zum 30. Juni aus personellen Gründen.
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Das ReiseCenter Syke schließt zum 30. Juni aus personellen Gründen.

Syke – Die große Bahn-Rundreise durch 24 europäische Metropolen muss es ja gar nicht gleich sein: Immer wenn draußen auf dem Bahnsteig der Fahrkartenautomat mal wieder gestreikt hat, war das Team vom Reisebüro im Syker Bahnhof der erste Ansprechpartner und verkaufte den eiligen Fahrgästen mal eben schnell zwischendurch das fehlende Ticket. Damit ist es bald vorbei. Denn das Reisebüro schließt Ende Juni.

„Wir sind weder pleite, noch ist Syke ein schlechter Standort“, betont Inhaber Frank Cordes. „Das hat rein personelle Gründe.“

Cordes erklärt: Unter dem Markennamen ReiseCenter betreibt er zwei Reisebüros. Das in Syke und eins im Bahnhof in Kirchweyhe. Für beide Standorte zusammen hat er fünf Mitarbeiter und eine Auszubildende. „In Kirchweyhe ist eine Mitarbeiterin gegangen, weil sie sich beruflich komplett verändern wollte, und in Syke geht jetzt eine in Mutterschutz. Dann bleiben drei plus Azubi. Und damit kann ich keine zwei Standorte betreiben, das ist nicht möglich.“

Neues Personal zu finden, sei auch vor Corona schon schwer gewesen angesichts des nahezu allgegenwärtigen Fachkräftemangels. Speziell jetzt sei das aber fast schon unmöglich. Frank Cordes schildert das sehr farbig: „Selbst wenn ich Bewerber hätte: Was soll ich denen denn erzählen? Du fängst jetzt erst mal mit Kurzarbeit an und 60 Prozent Gehalt? Die zeigen mir doch den Vogel.“ Und so sei ihm nur die Möglichkeit geblieben, den Standort Syke aufzugeben. Was er bedauert.

„Der Standort ist gut“, sagt Cordes. „Er hat immer Geld abgeworfen. Und auch jetzt im Lockdown hat er immer mindestens die Fixkosten erwirtschaftet.“ Das Geschäft laufe da eben ein bisschen anders als an den meisten anderen Reisebüros. „Das ist nicht so der klassische Pauschaltourismus-Bereich.“

Durch die Lage im Bahnhof bilden zunächst mal Bahnreisen den Schwerpunkt der Nachfrage. „Durchaus auch weiter weg. Und dadurch war da eine große Kompetenz auf diesem Sektor“, spielt er auf die große Erfahrung seiner beiden Mitabeiterinnen auf diesem Spezialgebiet an. Die eingangs erwähnte Bahnrundreise durch 24 europäische Metropolen hätten die also tatsächlich sehr gut für einen Kunden zusammenstellen können. Inklusive Übernachtungen und ohne einen Knotenpunkt mehrfach zu passieren.

Es gibt noch Hoffnung, dass sich ein Nachfolger findet. Cordes sagt, er habe selbst ein Unternehmen ins Gespräch gebracht, das den Standort möglicherweise übernehmen könnte. „Ich will mich da aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Der Bahnhof gehört ja nicht uns, der gehört der Awo, und die entscheidet, an wen oder was sie vermietet.“

Übrigens: Als die Deutsche Bahn reihenweise ihre Bahnhöfe abgestoßen hat, hatte der Gesetzgeber sie verpflichtet, mindestens einen Fahrkartenverkauf in der Nähe zu garantieren. Für Syke gilt ein Umkreis von 300 Metern. Das hat immer noch Bestand.

Von Michael Walter

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