Wie sich die Reichsgründung 1871 auf die Menschen zwischen Weser und Hunte auswirkte

Reiche Bauern – arme Lehrer

Gut besucht war die 17. Tagung „Geschichte in der Region“ im Kreismuseum. Im Mittelpunkt stand die Epoche des Wilhelminischen Kaiserreichs von 1871 bis 1914.
+
Gut besucht war die 17. Tagung „Geschichte in der Region“ im Kreismuseum. Im Mittelpunkt stand die Epoche des Wilhelminischen Kaiserreichs von 1871 bis 1914.

Syke – Dinge, die weit weg passieren, können vor der Haustür enorme Wellen schlagen. Das war vor 150 Jahren nicht anders als heute. Der Preußisch-Französische Krieg 1870/71 und die daraus folgende Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs zogen für die Menschen zwischen Weser und Hunte große Veränderungen nach sich. Das war jetzt das Thema der 17. Tagung „Geschichte in der Region“ im Kreismuseum in Syke.

Gemeinsame Veranstalter waren der Kreisheimatbund, das Kreismuseum und die IG Bauernhaus.

Fünf Referenten beleuchteten in ihren Vorträgen auf der Museumsdiele unterschiedliche Aspekte dieser Epoche. Heinz Riepshoff referierte etwa über die Gründerzeit: Die ersten Jahre nach dem militärischen Sieg über Frankreich bedeuteten für das neu gegründete Deutsche Reich einen enormen Wirtschaftsaufschwung – nicht zuletzt bedingt durch die hohen Reparationszahlungen, zu denen Frankreich verpflichtet worden war. Dieser kurzen Phase folgte 1874 unmittelbar der erste große Börsenkrach in Deutschland. Der anfängliche Wirtschaftsboom ließ aus vielen Bauern im Ruhrgebiet Industriearbeiter werden. Davon profitierten aber unmittelbar die Landwirte in den Grafschaften Hoya und Diepholz, ganz besonders die Schweinezüchter: Durch die neu gebaute Eisenbahnlinie konnte das Schlachtvieh lebend in die Ballungsgebiete befördert werden. Syke wurde dadurch einer der bedeutendsten Bahnhöfe für die Schweineverladung und blieb das bis in die 1960er Jahre.

In den Gründerjahren begann auch die Zeit der Backsteinarchitektur in Norddeutschland. Noch sichtbar mancherorts an Bahnhöfen, Schulen oder Rathäusern.

Zur Entwicklung der Landschaft und ihrer Rittergüter sprach Thorsten Neubert-Preine. Als charakteristisch beschrieb er die Bauweise als zweistöckige Herrenhäuser. Eines seiner Foto-Beispiele zeigte den Meyerhof in Wachendorf.

Der regionalen Vereinskultur in Verbindung mit dem Gaststättenwesen widmete sich Kreismuseums-Historiker Ralf Weber. Die Menschen entwickelten sich, so Weber, vom Untertan zum Bürger. Es sei die Zeit gewesen, in der sich Krieger- und Schützenvereine, Radfahr-, Turn- oder Kegelvereine bildeten. Das Vereinswesen wirkte sich, so Weber, positiv für die Gasthäuser aus, weil die Vereine dort ihre Feste und Tagungen abhielten.

Über Schulen referierte der Twistringer Pädagoge, Stadtarchivar und Autor Friedrich Kratzsch. An den Dorfschulen waren die nur wenig ausgebildeten und schlecht bezahlten Lehrer auf den Nebenerwerb als Küster oder Organist angewiesen. Die Volksschulen waren sehr beengt. Beispiel: die Schule Drentwede: Pro Kind mal gerade 0,6 Quadratmeter. Spärlich war auch die Ausstattung.

Unter dem Titel „Aufbruch und Stagnation“ referierte Mark Feuerle (Hannover) über die Wirtschaftsentwicklung des Nienburger Raums.

Von Dieter Niederheide

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte
300 Meter langer Damm für Bassum

300 Meter langer Damm für Bassum

300 Meter langer Damm für Bassum
Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein

Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein

Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein
Weitere Impfteams im Kreis Diepholz kurz vor dem Start

Weitere Impfteams im Kreis Diepholz kurz vor dem Start

Weitere Impfteams im Kreis Diepholz kurz vor dem Start

Kommentare