Workshop vor den Wahlen

An den BBS Syke dreht sich alles um Politik und Wahlen

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Ein kleines Spiel zur Zerstreuung sorgt für gute Laune bei den Schülern.

Syke - Von Julia Kreykenbohm. Anna hält ein Bild empor und fragt: „Wer ist der Spitzenkandidat der SPD?“ „Martin Schulz“, kommt es prompt aus der Gruppe von Schülern, die sich im Stuhlkreis um sie herum niedergelassen haben.

Die 25-jährige Politik-Studentin hält das nächste Bild hoch: „Von der FDP?“ „Christian Lindner!“ Auch kein Problem für die Jungen und Mädchen der 11. Klasse des Gymnasiums Wirtschaft der Berufsbildenden Schulen in Syke. Etwas hakeliger ist es bei den Kandidaten der Linken: „Sarah Wageknecht und Gregor Gysi?“ und der AfD: „Alexander Gauland und – diese Blonde.“

Die Stimmung in dem Raum der Mehrzweckhalle ist gut und gelöst. Anna und ihr Mitstreiter Tobias, der gerade seine Masterarbeit abgegeben hat, machen an diesem Tag Politik-Unterricht der etwas anderen Art. Den ganzen Vormittag lang, also ungefähr sechs Stunden, dreht sich alles um das Thema Wahlen und Demokratie.

„Frische Brise“ für die Schüler

Christiane Aepfler, Fachgruppenleitung Politik und Geschichte, hat diesen Workshop der Friedrich-Ebert-Stiftung mit den beiden Studenten für ihre Schüler gebucht, weil sie überzeugt ist, dass Anna und Tobias eine „frische Brise“ mitbringen. Und vor allem, weil sie eine Möglichkeit haben, die die Lehrer nicht bekommen: In kompakter Form und mit viel Zeit die verschiedenen Bereiche zu besprechen. „So greift alles ineinander. Auf diese Weise bekommen die Schüler ein solides Grundwissen, das nur wenige mitbringen.“ Sie seien zuvor aber auch im Unterricht vorbereitet worden.

Nach einem Spiel, bei dem die Schüler sich austoben können, geht es weiter: Wie läuft eine Wahl ab? Was muss man mitbringen und wie lauten die Wahlgrundsätze? Wie funktioniert das mit der Briefwahl? „Und auf euren Wahlzettel macht ihr zwei Kreuze“, betont Tobias. „Keine Herzchen oder Jesus is great.“ Die Schüler lachen. Ihnen scheint der lockere Umgangston zu gefallen. Auch die Studenten sind mit ihrem Publikum zufrieden: „Die sind gut drauf“, findet Anna, „und im Vergleich zu anderen auch gut vorbereitet. Sonst erleben wir häufig Schüler mit Wissenslücken.“

Was verdienen Politiker eigentlich?

Interaktiv und spannend wird es bei der Frage: Was verdienen Politiker durchschnittlich im Vergleich zu anderen Berufsgruppen? Die Schüler müssen schätzen, welches Gehalt man in dem jeweiligen Job bekommt und schreiben dies auf Kärtchen. „Bis zu 6.000 Euro kriegt ein Bundestagsabgeordneter im Monat“, schätzen die Schüler. 

„9.300 Euro“, klärt Tobias auf, weist aber darauf hin, dass sie davon noch einiges abführen müssen, sodass bis zu 5.000 übrig bleiben. „Das ist mehr als der Durchschnitt verdient, aber reich wird man nicht.“ Zum Vergleich zeigt er auf: „Ein Chefarzt kriegt etwa 23.000 Euro und der Leiter der Kreissparkasse Düsseldorf etwa 61.000.“ Großes Staunen. Ein Junge fragt: „Was muss ich machen, um Leiter der Kreissparkasse zu werden?“

„Wir wollen nicht darüber reden, ob diese Gehälter richtig sind, aber ihr sollt mal ein Gefühl dafür bekommen“, erklärt Tobias und fragt: „Was denkt ihr, verdienen Mitglieder von Städte- und Gemeinderäten?“ Wieder ist die Verblüffung groß, als nach der Einschätzung „bis zu 5.000 Euro“ die Antwort lautet: „Manchmal gar nichts. Die Arbeit, die die meisten Politiker hierzulande machen, ist ein Ehrenamt.“

Viele Lob für die Workshop-Leitung

Am Ende des Workshops gibt es viel Lob für die Studenten: „Ich fand das richtig gut“, meint ein Schüler. Alles sei verständlich gewesen: „Ich würde es weiterempfehlen.“ „Gut strukturiert und angenehm zuzuhören“, lautet das Fazit einer Schülerin. „Es ist nicht so streng wie im Unterricht, wo man benotet wird. Ich würde so einen Workshop nochmal zu einem anderen Thema besuchen.“

Solche Sätze dürften Christiane Aepfler freuen, die diese Veranstaltung gern nochmal an die BBS Syke holen möchte.

Die abschließenden Worte von Tobias an die Schüler: „Wer von euch schon wählen darf: Geht wählen! Überlasst es nicht den alten Menschen, über eure Zukunft zu entscheiden.“

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