Realschule verstärkt Berufsorientierung noch vor dem ersten Praktikum

Speed-Dating zwischen Ausbildern und Bewerbern

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Personaltrainerin Martina Baestlein hatte den Berufsorientierungs-Parcours organisiert, die beteiligten Betriebe eingeladen und selbst einen Bewerbungs-Knigge angeboten.

Syke - Von Michael Walter. Zum ersten Mal hat die Realschule ihren neunten Jahrgang jetzt durch einen Berufsorientierungs-Parcours geschickt. Dahinter verbirgt sich eine Art Speed-Dating zwischen Ausbildern und Bewerbern. Ziel ist, den Schülern noch vor ihrem ersten Praktikum im nächsten Frühjahr einen möglichst vielfältigen Überblick über verschiedene Berufsbereiche zu verschaffen.

Das Prinzip: In kleinen Gruppen durchlaufen die Schüler die Info-Stände der beteiligten Betriebe im Forum. Nach jeweils 20 Minuten wird im Uhrzeigersinn gewechselt. Alle 115 Schüler des Jahrgangs müssen sich dadurch mit allen vorgestellten Berufen befassen. Die erste Hälfte war am Mittwoch dran, die zweite Donnerstag.

Im Forum präsentierten sich sechs Betriebe aus der Region mit Ausbildungsangeboten im kaufmännischen Bereich, Pflege- und Gesundheitsberufen, Garten- und Landschaftsbau sowie Hörgeräte-Akustik. Außerdem dabei: Die Bundeswehr mit gleich zwei Info-Ständen und Personaltrainerin Martina Baestlein, die das Ganze auch organisiert hatte, mit einem Bewerbungs-Knigge.

Baestlein und der verantwortliche Lehrer Christian Reincken hatten sich vor einiger Zeit bei einem Bewerbungstraining für die Realschule kennengelernt. In der Realschule selbst war sie jetzt zum ersten Mal. „Ich habe die Schüler hier als offen, aufmerksam und sehr gut erzogen erlebt“, sagt die 53-Jährige. „Man merkt: Da arbeitet das Elternhaus aktiv mit. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr.“

Insgesamt ähnlich positiv äußerten sich auch Vertreter der beteiligten Betriebe. Zwar gab es auch kritische Töne: So zeigte sich etwa ein Sprecher „erschrocken, wie wenig die Jungs und Mädels eigentlich wissen, was sie eigentlich mal werden wollen“. Doch dem hielt zum Beispiel Frank Tecklenborg von der Syker AOK entgegen: „Wenn alle Schulen so vorbildlich in der Berufsorientierung wären, wie die Realschule, wären wir alle einen großen Schritt weiter.“

Andreas Krüger vom Syker Hörgeräteakustiker Schmitz lobte sogar: „Dieser Parcours war mit das Wertvollste, was wir seit Jahren an Berufsorientierungsveranstaltungen mitgemacht haben.“ Das größte Plus sei, dass sich niemand zwei oder drei Rosinen herauspicken könne – wie bei den meisten Informationsbörsen üblich – sondern sich jeder mit allen Angeboten auseinandersetzen müsse.

Und was sagen die Hauptpersonen? – Auch das erste Echo aus dem neunten Jahrgang ist grundsätzlich positiv. „Die Vorträge waren vielseitig und gut gestaltet“, hieß es auf dem kurzen Fazitgespräch unmittelbar nach dem Ende der Veranstaltung. Und auch mit ersten Verbesserungsvorschlägen waren die Schüler schon bei der Hand. „Die Bereiche Gesundheit und Pflege waren inhaltlich sehr ähnlich. Das hat das Zuhören dann ein bisschen anstrengend gemacht. Da hätte man die Vorträge vielleicht besser abstimmen können“, hieß es etwa. Und die Handwerksberufe Außerdem würden sich die Schüler mehr praktische Elemente wünschen als sich nur passiv „beschallen“ zu lassen.

„Und was hat‘s jetzt für euch gebracht?“, wollte Schulleiter Rolf Rosenwinkel wissen. Antwort einer Schülerin: „Ich weiß dadurch jetzt nicht, worauf ich mich bewerben werde. Aber ich habe einen Überblick erhalten.

Für die Schule war die Veranstaltung übrigens gratis: Sämtliche Kosten trägt die Agentur für Arbeit.

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