Brücke zwischen Generationen

Syke: Realschüler und Pflegeheim-Bewohner feiern gemeinsam Weihnachten

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Blick ins Programm: Was kommt denn als nächstes? – Musikbeiträge, Tanz, Gedichte und Erzähl-Theater hatten die Schüler des 5. und 6. Jahrgangs für ihre erste gemeinsame Weihnachtsfeier mit einer Seniorengruppe vorbereitet.

Syke - Von Michael Walter. So festlich geschmückt ist das Forum der Realschule sonst selten: Die Tische hübsch dekoriert mit Tannengrün und Lichterketten, auf weihnachtlichen Tischdecken stehen bunte Teller mit Spekulatius, Lebkuchen und Dominosteinen. Und was man sonst auch eher selten an der Schule sieht, sind Geh-Hilfen und Rollatoren.

Es war gestern das erste Mal, dass die Schule Senioren aus einem Pflegeheim zu Gast hatte, um mit ihnen gemeinsam Weihnachten zu feiern. Wochenlang hatten die Schüler des 5. und 6. Jahrgangs sowie deren Kooperationsklassen aus der Erlenschule an den Vorbereitungen gearbeitet und für ein mehr als zweistündiges Showprogramm geprobt.

Die Wurzeln des Ganzen reichen bis ins vergangene Schuljahr zurück: Im Religionsunterricht von Lehrerin Julia Fitzner war das Thema Diakonie an der Reihe. Als sie dabei auf die Altenpflege zu sprechen kam, stellte sich heraus: Für viele Schüler war das ein völlig abstrakter Begriff. Sie knüpfte Kontakt zum Seniorenheim Curata. Ein Besuch im Altenheim folgte, bei dem die Schüler unter anderem mit den Bewohnern kegelten.

AG besucht einmal in der Woche das Pflegeheim

Aus diesem Kontakt entstand nach den Sommerferien eine AG: Einmal in der Woche besucht eine Gruppe Schüler das Seniorenheim, um mit den Bewohnern zu spielen, spazieren zu gehen, Kekse zu backen, sich zu unterhalten und gemeinsam Zeit zu verbringen. „Die Bewohner konnten sich erst gar nicht vorstellen, dass die Kinder das freiwillig machen würden“, erzählt Realschul-Sprecherin Anne-Christine Lumpp. „Wir hatten aber tatsächlich solch einen Zulauf, dass wir auslosen mussten, wer an der AG teilnehmen kann.“

„Das macht einfach Freude“, sagen Charbel und Clarissa, beide aus dem 9. Jahrgang. Und ihr Mitschüler Lukas aus dem 7. Jahrgang ergänzt: „Viele haben keine Familie mehr, die sie besuchen kommt. Das finde ich sehr traurig.“

Freundschaften sind entstanden

Durch den extremen Altersunterschied sei es erst gar nicht so leicht gewesen, überhaupt einen Draht zueinander zu finden, erzählen die Jugendlichen. „Das war schon relativ verhalten zu Anfang“, sagt Lukas. „Beim zweiten Mal haben wir dann etwas zusammen gebastelt. Dabei haben wir angefangen, miteinander zu reden.“ Mit der Zeit seien daraus regelrechte Freundschaften entstanden.

Eingeladen waren gestern alle gut 30 Heimbewohner. Dass nur acht gekommen waren, hat laut Anne-Christine Lumpp rein organisatorische Gründe beim Heim. Etwa genügend Mitarbeiter für die Begleitung und Betreuung zur Verfügung zu haben.

„Bilder ja, Interviews nein“

Den acht „älteren Herrschaften“, wie Lukas sie nennt, ist an diesen Vormittag jedenfalls anzusehen, wie sehr sie ihn genießen. Als Gesine Schumm (97) erzählen will, was für sie daran das Besondere ist, grätscht Heimleiterin Ute Heitmann dazwischen: „Bilder ja, Interviews nein“, würgt sie das Gespräch ab. Nein: Entmündigt seien die Senioren nicht, erklärt sie auf Nachfrage. Diesen Begriff gebe es nicht mehr. Aber ausnahmslos alle hätten gesetzliche Betreuer, und mit denen seien im Vorfeld keine Interviews abgesprochen worden. – Aha...

Der Stimmung im Saal tut das wenig Abbruch, und mit einem gemeinsam gesungenen „O Tannenbaum“ klingt die Feier aus.

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