Konzert beim DGH Wachendorf fällt aus

Der hilfsbereite Mister Wilson: Ex-Genesis-Sänger verzichtet auf sein Geld

Aus der Traum: Olaf Lorenz muss seine Pläne vom Ray-Wilson-Konzert am DGH Wachendorf begraben. Nicht zuletzt das Entgegenkommen des schottischen Musikstars ermöglicht es dem Wachendorfer aber, die Verluste in Grenzen zu halten. Foto: Jantje Ehlers
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Aus der Traum: Olaf Lorenz muss seine Pläne vom Ray-Wilson-Konzert am DGH Wachendorf begraben. Nicht zuletzt das Entgegenkommen des schottischen Musikstars ermöglicht es dem Wachendorfer aber, die Verluste in Grenzen zu halten.

Wachendorf - Nein, so gibt Olaf Lorenz zu, besonders gut kann er in dieser Zeit nicht schlafen. Kein Wunder: Aus seinem Traum, mit Ex-Genesis-Sänger Ray Wilson einen seiner Lieblingskünstler in sein Wachendorf zu holen, ist in den vergangenen Wochen für den 52-Jährigen ein Albtraum geworden. Doch eine Mail von Wilson hat am Dienstag dafür gesorgt, dass ein Ende des Albtraums für Lorenz wohl in Sicht ist. Das für den 26. Juni geplante Konzert fällt aus – aber das Minus in der Bilanz von Lorenz wird nicht ganz so groß wie befürchtet.

Bei einem Konzert 2017 in der Music Hall in Worpswede hatte der Musikfan Lorenz den schottischen Sänger („Congo“) erstmals live gesehen. Und war hin und weg. „Vor allem die Interpretation der Genesis-Lieder war richtig gut“, erinnert sich der Wachendorfer. Nach dem Konzert kam es zu einem kurzen Gespräch mit Wilson, anschließend suchte und fand Lorenz den Kontakt zum Künstler über Facebook, besuchte weitere Konzerte. Und begann seinen Traum von einem eigenen Open-Air-Konzert.

Die Festwiese beim DGH wäre groß genug für bis zu 1500 Personen, so schätzte Lorenz. Und begann mit den Planungen. Mit dem 26. Juni   2020 wurde ein Termin gefunden, an dem das DGH frei und Wilson verfügbar war. Als Vorgruppe gewann er die Bremerhavener Coverband Led-Zep.

Angst vor der Herausforderung hatte Lorenz nicht: Als Mit-Organisator eines Festivals in seiner Heimat Hohenwestedt (Schleswig-Holstein) und Logistik-Stabsoffizier bei der Bundeswehr hatte er reichlich organisatorische Erfahrung gesammelt.

Doch nicht alles lief so rund wie gedacht. Zuerst sorgten eine Reihe von planerischen Herausforderungen für Probleme. „Und dann kam Corona“, seufzt Olaf Lorenz. Die Unsicherheit wuchs, die Vorverkäufe brachen ein.

Als in der vergangenen Woche die Verordnung des Landes zum Thema Großveranstaltungen herauskam, half auch das dem Veranstalter nicht weiter. Denn auf eine wichtige Frage habe er beim Landkreis Diepholz keine Antwort erhalten: Gilt die 1000-Personen-Marke für das Verbot von Großveranstaltungen schon für die Kalkulation – oder nur für die tatsächliche Anzahl?

Ein wichtiger Unterschied. Denn im ersten Fall hieße das: Die Künstler haben keinen Anspruch auf ihr Honorar. Im zweiten Fall – wenn also Lorenz vorsorglich die Veranstaltung absagt – muss er zahlen. Reduziert er aber die Zahl der zu verkaufenden Tickets, geht seine Kalkulation nicht auf. „Und den Preis kann ich natürlich auch nicht nachträglich erhöhen“ – viele Tickets sind schließlich längst verkauft.

So stand Lorenz vor der einigermaßen bizarren Situation, sich als Veranstalter ein klares Verbot für seine Veranstaltung zu wünschen. „Das wäre besser als so eine schwammige Regelung.“

Der Ausweg aus dem Dilemma kam am Dienstagvormittag aus Polen. Ray Wilson lebt seit Jahren mit seiner polnischen Frau in Posen. Ihn hatte Lorenz in seiner Verzweiflung direkt angemailt. „Eigentlich wollte ich nicht mit ihm in Kontakt treten, bevor ich vom Landkreis eine konkrete Aussage habe“, sagt er. Lorenz erläuterte ihm sein Problem und bat Wilson um eine Rückabwicklung des Vertrags.

Die Antwort landete keine Stunde später in seinem Mail-Ordner. Wilson schrieb ihm persönlich, so Lorenz „Der erste Satz, den ich las, war: ,Du kriegst dein deposit zurück’.“ Eine Hälfte des vereinbarten Honorars hatte Lorenz bereits im Vorfeld entrichtet.

Wilson stimmte einer Rückabwicklung zu. „Da ist mir ein Riesen-Stein vom Herzen gefallen“, zeigt sich der Wachendorfer erleichtert. Er würdigt das Verhalten des Rockstars als „wohltuende zwischenmenschliche Geste“.

Ein dickes Minus bleibt Lorenz dennoch – er bleibt auf Werbungskosten und Vorverkaufsgebühren sitzen. Immerhin hält sich der Schaden im erträglichen Rahmen.

Über eine Sache ist sich Olaf Lorenz jedoch vollkommen sicher: Einen zweiten Versuch wird es für ihn nicht mehr geben. „Es ist endgültig vorbei. Ich werde meine Kraft, mein Herzblut und mein Geld da nicht noch mal reinstecken.“

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