Einer von 19 Kleinschnittger F 125

Ein Rasenmäher zum Verlieben

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Kein Dach, keine Türen und ganze sechs PS: Man muss ihn einfach gern haben, den Kleinschnittger F 125, mit dem Rolf Wrede zur Oldtimerschau nach Barrien gefahren ist.

Osterholz - Von Heiner Büntemeyer. Ist das ein richtiges Auto? Oder doch ein Spielzeug oder ein Modell? Ganz sicher war sich Rolf Wrede damals nicht, als er Ende der 70er-Jahre in Vaarste bei Verden eher zufällig dieses auffallend kleine Auto entdeckte. Vom Besitzer erfuhr er, dass es sich um einen Kleinschnittger F 125 handelte, der aber nicht mehr funktionierte. „Der gehört auf die Straße“, erklärte der Maschinenbaumeister aus Osterholz, erwarb das Fahrzeug und bastelte so lange daran herum, bis es wieder lief.

Seitdem ist er regelmäßig damit unterwegs und legt pro Jahr mehr als 10.000 Kilometer zurück. Die erste längere Tour war 1979 die Hochzeitsreise, die das junge Ehepaar Wrede an die Mosel führte.

Inzwischen ist dieser kleine rote Flitzer bei jeder Oldtimerschau ein gern gesehener Gast – und vor allem auch ein seltener. Deutschlandweit sind nur noch 19 dieser „Volkswagen aus dem Sauerland“ angemeldet. Rolf Wrede ist gern damit unterwegs, denn er bemerkt immer wieder, dass sein kleiner Flitzer den anderen Verkehrsteilnehmern ein Lächeln ins Gesicht zaubert. „Das ist angesichts der Hektik auf den Straßen schon ein Wert an sich.“

Gebaut wurde das Auto mit den „Schlafzimmerblick“-Lampen bis 1957 in den Kleinschnittger-Werken in Arnsberg/Sauerland. Es wird von einem Ilo-Motor angetrieben, der aus 125 Kubikzentimetern Hubraum sechs PS Leistung entwickelt. Dieser Motor hatte sich bei Gartengeräten und Kleinmotorrädern bewährt. Allerdings wäre selbst der Kleinschnittger damit untermotorisiert, wenn nicht das gesamte Fahrzeug einschließlich der Felgen aus Aluminium gebaut worden wäre.

Der Motor wird mit einem Seilzug gestartet

Um weiteres Gewicht zu sparen, verzichtete der Hersteller auf so überflüssige Sachen wie eine schwere Starterbatterie. Folge: Der Motor wird mit einem Seilzug gestartet. Wie ein Benzin-Rasenmäher. Rolf Wrede schwärmt aber von der Zuverlässigkeit des luftgekühlten Motors, der mit knapp drei Litern Treibstoff auf 100 Kilometern auskommt.

Auch die Beschleunigung kann sich sehen lassen: In 16,5 Sekunden kommt der F 125 von Null auf 60 km/h. Allerdings hat er an steilen Anstiegen „richtig zu reißen“, wenn der Wagen mit zwei Personen voll besetzt ist und Fahrwind ausbleibt. Daher hat Wrede ein zusätzliches Kühlegebläse eingebaut.

Der Wagen kommt nicht nur mit wenig Sprit aus, ihm reichen auch nur drei Gänge. – Allesamt Vorwärtsgänge. Soll es rückwärts gehen, muss der Fahrer aussteigen, den Wagen hinten anheben und ihn umdrehen. Das ist bei einem Gesamtgewicht von 160 Kilo aber kein Problem, zumal der schwerste Teil, der Motor, über der Vorderachse liegt. Und über dem Motor liegt der Tank. Dadurch konnte der Konstrukteur auch auf eine Treibstoffpumpe verzichten.

Türen? Fehlanzeige

Erst auf den zweiten Blick fällt an dem Autochen auf, dass es gar keine Türen hat. Dort, wo man einsteigt, sind die Seitenwände etwas tiefer ausgeschnitten. Und ein Dach fehlt auch. „Das liegt im Kofferraum und ist ein Notverdeck“, erklärt Rolf Wrede, der seinen Kleinschnittger auch gerne als „Motorrad mit Regenschirm“ bezeichnet.

Er hat übrigens den Konstrukteur Paul Kleinschnittger noch selbst auf einem Oldtimer-Treffen kennengelernt. Dass dieser Ingenieur ein echter Tüftler war, glaubt man angesichts dieses Autos gern. An Sparsamkeit war es kaum zu übertreffen, der Preis betrug damals rund 2000 Mark, und der Kleinschnittger hatte 1951 schon etwas, was andere, größere, stärkere, schnellere Wagen nicht hatten: Blinker! Fast alle anderen Autos in Deutschland mussten damals ihre Richtungsänderung noch mit einem Winker anzeigten.

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