Raphaëlle Mellet bezaubert mit bekannten und unbekannten Chansons

Herz-Schmerz in Varianten

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Sängerin Raphaëlle Mellet überzeugte in der Barrier Wassermühle mit urkomischen und melancholischen Tönen.

Barrien - Von Dagmar Voss. Aus Wien, Paris und Berlin hatte Raphaëlle Mellet ihre Chansons mitgebracht und mischte daraus ihren fantastischen Konzertabend „C’est la vie“. In der vollen Barrier Wassermühle begeisterte die deutsche Wienerin französischer Herkunft am Mittwochabend mit bekannten und unbekannten Stücken; mit überraschenden Interpretationen alter Meister und urkomischen Wiedergaben kabarettistischer Lieder.

Chansons von Serge Gainsbourg und Jacques Brel zählten dazu, von Georg Kreisler und Edith Piaf und einigen anderen.

„Sie bekommen Gelegenheit, über die Klänge jeder Menge melancholischer Poesie zu surfen“, versprach die sympathisch zurückhaltende Künstlerin. Und es klappte, mit ihren Liedern voller Blues und Hingabe oder auch Lebensfreude, mit lebendigen Klang-Bildern, die in die Tiefen großer und kleiner Gefühle führten, bezauberte die Wahl-Bremerin ihr Publikum. Sie nannte das „Herz-Schmerz in verschiedenen Varianten“.

Schon der Auftakt mit dem berühmten „La Javanaise“ vom unvergessenen Serge Gainsbourg zog in ihren Bann.

Dass die Blondine nicht nur die Melancholie gesanglich beherrscht, sondern auch über reichlich Humor verfügt, stellte sie wenig später mit dem urkomischen Lied vom eingeschlagenen Vorderzahn unter Beweis – man konnte förmlich die Lücke hören. Das herrliche Kreisler-Lied übers „Tauben vergiften im Park“ mündete in einen ungewöhnlich intelligenten Blondinen-Witz: „Was passiert, wenn eine Blondine über die Grenze von Deutschland nach Österreich fährt? In beiden Ländern hebt sich signifikant der Intelligenzquotient.“

Für Gänsehaut pur sorgten ihre mit Altstimme warm-weich interpretierten Brel- und Prévert-Stücke wie das „Démons et merveilles“ und „Ne me quitte pas“. Für die des Französischen Unkundigen hatte Mellet die Texte ins Deutsche übertragen und las sie jeweils vor.

Virtuelle

Piano-Begleitung

Sie sang nicht nur fremde Kompositionen, sondern hatte auch Eigenes dabei. So das „Ich bin meine eigene Sonne“, komponiert und getextet, um – wie sie sagte – über den Winter zu kommen. Zu ihrem Repertoire gehörte auch, die Norddeutschen zu loben. Vor allem ihre unverfälschte Geradlinigkeit – das sei ganz anders als der Wiener Schmäh, wo man nie so recht wisse, wie viel davon wirklich ernst gemeint sei.

Am Flügel wurde die Sängerin begleitet vom Pianisten Terry Truck, allerdings nur virtuell, denn seine Begleitmusik war zuvor für Mellet maßgeschneidert aufgenommen worden, also gab es ein sogenanntes Halbplayback.

In Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Freundeskreis hatten die Rüttelschuh-Frauen für einen wunderbar unterhaltsamen Abend gesorgt. Nicht genug damit, es gab sogar passend zum Schwerpunkt Frankreich typische kulinarische Genüsse auf der Abendkarte wie die Galettes seguin, ein Gaumenschmaus mit Äpfeln, Honig, Ziegenkäse und Schinken.

Delikate Sättigung für Magen und Ohren also, die erst gegen 22.30 Uhr endete. Eine ihrer Zugaben war das ergreifende Chanson „Göttingen“ der französischen Sängerin Barbara, das als wesentlicher Beitrag zur Völkerverständigung und Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gilt.

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