Ranga Yogeshwar zeigt unsere Zukunft auf

„Nächste Ausfahrt Zukunft“: Vom Selbstversorger zum Tastendrücker?

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Im Saal der Kreissparkasse las Yogeshwar aus seinem Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“.

Syke - Von Janna Silinger. Der moderne Mensch ist abhängig vom Kaffeevollautomaten. Er lässt sich von dieser Maschine sogar herumkommandieren: „Entkalken, Wasser nachfüllen, Spülen.“ In nur wenigen Generationen sind aus autarken Selbstversorgern Tastendrücker und Knopfbediener geworden. Das ist, so findet Ranga Yogeshwar, nur der Anfang. Über Gefahren, Risiken und Chancen dieser Entwicklung hat er am Montag im Konzertsaal der Kreissparkasse gesprochen.

Ein ausverkaufter Saal in nicht mal drei Stunden: Yogeshwar habe bei seinem zweiten Besuch in Syke alle Rekorde gebrochen, berichtet Vorstandschef Günter Günnemann. Während der Lesereihe „Literatur vor Ort“ spricht Yogeshwar über sein Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft. Geschichten aus einer Welt im Wandel“.

Er steigt in die Lesung ein, ohne vorzulesen. Stattdessen zeigt er ein Bild von der Erde – nur als weißer Punkt wahrnehmbar. Denn die Aufnahme sei unter den Ringen des Saturns entstanden. Yogeshwar gibt damit einen neuen Blick auf unseren Planeten. Und diesen bräuchten wir. „Die Welt ist immer im Wandel. Doch so schnell und dramatisch wie jetzt verlief das nie zuvor. Und diese Veränderung geht nicht von einem Meteoriten oder eine Naturkatastrophe aus, sondern vom Menschen.“ Das verdeutlicht der 58-Jährige an einem Beispiel: Der Kaffeevollautomat, der menschliche Arbeit ersetzt. Wer eine Tasse Kaffee will, ist abhängig von der Maschine, sagt Yogeshwar.

Sprache und Bilder machen Kompliziertes greifbar

Der Wissenschaftsjournalist und Physiker liest nicht nur vor. Immer wieder macht er Pausen. Erzählt einfach. Er holt sein Publikum ab. Mit Sprache und Bildern schafft er es, selbst komplizierte Aspekte greifbar darzustellen, wie etwa die neuronalen Netze, ein wichtiger Baustein zur künstlichen Intelligenz, quasi künstliche Neuronen. Über diese ist es möglich, Stimmen perfekt zu imitieren, sie können Sprache in Lippenbewegungen übertragen. So sei es einfach, jemandem Worte in den Mund zu legen. Ein wahrer Pianist kann von einem „künstlichen“ kaum noch unterschieden werden. Er lässt das Publikum anhand von Tonbeispielen raten: Mensch oder Maschine? Eine fast unlösbare Aufgabe. So verdeutlicht er den Umbruch. „Es geht rasant schnell.“

Lesung mit Ranga Yogeshwar in Syke

Lesung mit Ranga Yogeshwar in Syke

Als er darüber berichtet, dass Wissenschaftlicher ihren selbst kreierten Netzen zum Teil nicht mehr folgen können, ihre eigene Technik ihnen einen Schritt voraus ist, legt sich auf einige Gesichter der Zuhörer ein düsterer Blick. Doch Yogeshwar bleibt gelassen. Er ist überzeugt von selbstfahrenden Autos, hält die Diagnose von Parkinson über eine Spracherkennung für aufregend und kann über sein Smartphone checken, wie viel Grad momentan in seinem Wohnzimmer sind. Er liest nicht aus dem Buch vor. Er liest vom Tablet ab.

Kritik an Abhängigkeit von Google und Co.

Was er kritisch betrachtet, ist die Abhängigkeit von amerikanischen IT-Konzernen. Jeder nutze Google, Netflix, Amazon, Facebook, Youtube, iTunes... „Wenn die mal auf die Idee kommen, das alles abzustellen, dann haben wir nichts. Deutschland und Europa müssen aufholen.“ Der Machtanspruch der USA sei nicht zu unterschätzen. Denn Amazon und Google täten mehr, als nur den Alltag zu erleichtern. Ein gewagter Vergleich: „Einige Kolonialisten wurden damals winkend, mit offenen Armen empfangen. So wie wir heute Alexa in unser Haus einladen.“

Ranga Yogeshwar diskutierte nach der Lesung gemeinsam mit der Moderatorin des Abends.

Yogeshwars Fazit ist dennoch optimistisch. Auch wenn es viele Probleme gebe, ginge es den Menschen im Schnitt besser als vor Jahrzehnten. Gut, an der Nachhaltigkeit müsse gearbeitet werden. Das sei wichtig.

Was den Menschen vorantreibt, sei die Liebe, das ändere sich nicht. Und die Menschen sollten die Chance packen, den Staffelstab der Geschichte übernehmen, keine Angst vor Morgen haben, denn „wir leben in der aufregendsten Zeit, die es je gab“.

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