Rahmi Tuncer berichtet von der Rückkehr albanischer Flüchtlinge

In der Heimat staatenlos

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Volles Haus bei den Syker Grünen. Rahmi Tuncer (vorne rechts) von Pro Asyl berichtete von seiner Reise nach Albanien.

Syke - Von Heiner Büntemeyer. Im Tagungsraum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Syker Bahnhof wurde es eng. Rund 30 Gäste waren gekommen, um von Rahmi Tuncer von Pro Asyl Informationen über die Rückkehr von albanischen Flüchtlingen in ihre Heimat zu bekommen. Albanien gilt als „sicheres Herkunftsland“, so Tuncer. Daher sei es für ihn wichtig gewesen, sich bei einer Reise über die dort herrschenden sozialen und politischen Zustände zu informieren. Diese Kenntnisse sind bei der Beratung zu Asyl- und Bleiberechtsverfahren wichtig. Sein Bericht habe bei den Behörden eine positive Resonanz gefunden.

Über eine türkische Menschenrechtsorganisation hatte Rahmi Tuncer die Kontakte nach Albanien geknüpft. Seine Eindrücke von dieser Reise waren ernüchternd. Der Balkanstaat sei zwar auf dem Weg in die EU, „doch das wird das Land so schnell nicht schaffen“, ist sich Tuncer sicher. Der Begriff Demokratie werde dort „sehr speziell“ definiert.

Albanien ist ein Land mit vielen Ethnien. Griechisch- oder türkisch-stämmige Einwohner besitzen weitgehende Autonomie, verfügen über eigene Schulen und Fernsehprogramme. Andere Bevölkerungsschichten, insbesondere die Roma, seien unglaublich benachteiligt. Sie leben als Staatenlose in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien und Albanien. Die Menschen besitzen keine Papiere, sind nicht registriert und kommen daher auch nicht in den Genuss der ohnehin sehr geringen Sozialhilfe. Sehr viele Familien könnten ihren Lebensunterhalt nur finanzieren, weil Familienmitglieder im Ausland arbeiten. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, wer eine Arbeit habe, verdiente durchschnittlich rund 300 Euro im Monat. Für eine winzige Wohnung müssen davon bis zu 200 Euro Miete gezahlt werden. Um zu überleben, würde gebettelt und Müll gesammelt, so Tuncer.

Weitverbreitet sei die Korruption in Albanien. Selbst in der medizinischen Betreuung laufe ohne „Bakschisch“ (Bestechung) nichts. Das größte Problem, sagt Tuncer, seien jedoch die Menschenrechtsverletzungen. Sie lassen sich bei Asylverfahren meistens nicht beweisen.

Konfessionen leben

friedlich miteinander

Als beispielhaft bezeichnete Tuncer dagegen die religiöse Toleranz. In Albanien lebten Angehörige aller Konfessionen friedlich nebeneinander. Allerdings werde beobachtet, dass Saudi-Arabien den Bau von Moscheen finanziert. Als positiven Ansatz bezeichnete Tuncer die deutsche finanzielle Unterstützung von Nicht-Regierungs-Organisationen. Damit werde unter anderem Straßenkindern der Schulbesuch ermöglicht. Da Albanien als sicheres Herkunftsland gilt, hätten Asylanträge für albanische Flüchtlinge keine Aussicht auf Anerkennung. Das „Ausländer-Dschungelbuch“ biete aber noch weitere Möglichkeiten, um trotzdem ein Bleiberecht zu erwirken. Dabei bot Tuncer seine Hilfe an.

Über seine Albanienreise bereitet Tuncer eine Foto-Ausstellung vor. Sie soll ab Ende Februar im Kreismuseum Syke zu sehen sein.

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