Fahrradkurse des Gleichstellungsbüros

Radfahren – nicht für jede(n) selbstverständlich

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Beim Fahrradtraining sitzen die 18 Frauen schon recht sicher auf dem Sattel.

Syke - Von Robin Grulke. Sie kommen aus Afghanistan, Eritrea und dem Irak, leben meist noch nicht länger als zwei Jahre in Deutschland und haben etwas gemeinsam: Sie können nicht Fahrrad fahren. Deswegen meldeten sich 18 ausländische Frauen für einen Radlehrgang an, den sie nach zwei Wochen harter Arbeit nun bestanden haben.

„Es ist in vielen Ländern nicht üblich, dass Frauen Fahrrad fahren können“, erzählt Christina Scheele, Gleichstellungsbeauftrage in Weyhe. Oft sei es ein Männerprivileg, oder das Radfahren ist in den Heimatgebieten generell nicht verbreitet.

Andrang in diesem Jahr besonders groß

Seit zehn Jahren schon bieten die Gleichstellungsbeauftragten aus Weyhe, Syke und Bassum auch aus diesem Grund die Fahrradtrainings an. In diesem Jahr war der Andrang besonders groß. „Wir haben spontan einen zweiten Kurs angeboten, weil wir soviele auf der Warteliste hatten“, sagt Scheele. „Werbung ist nicht nötig.“

Damit auch alle 18 Frauen den Umgang mit dem Zweirad lernen konnten, brauchten sie natürlich auch Räder. In den vergangenen Jahren hatte der ADFC ausgeholfen und Fahrräder ausgeliehen. In diesem Jahr hat das Weyher Gleichstellungsbüro mit Gemeindemitteln und Spenden zwölf Lernräder gekauft und ist nun in der Lage, die Trainingstermine selbst festzulegen.

Für einen Crashkurs braucht Trainerin Vanessa Kraschinski zwei Wochen. Montags bis freitags üben die Frauen täglich zwei Stunden. Erst auf dem Tretroller, und dann auf dem Fahrrad. Vorher stehen allerdings Dehn- und Aufwärmübungen auf dem Programm – die Belastung ist einfach ungewohnt.

Nur vereinzelte Anfragen von Männern

Die Gleichstellungsbüros wechseln sich mit dem Veranstaltungsort ab. In diesem Jahr geht es in der Nähe des Syker Bauhofs auf eine kaum befahrene Anliegerstraße. Slalom um Pylone und Kurvenfahren beherrschen die 18 Frauen nach den zwei Wochen recht sicher. Manche sehen dabei noch etwas wackelig aus. Das Ziel, mit dem Fahrrad schneller als zu Fuß zu sein – und mit mehr Gepäck – haben sie aber alle erreicht.

„In den letzten Jahren kamen auch immer mal wieder Frauen ohne Migrationshintergrund“, meine Sykes Gleichstellungsbeauftragte Carla Friedrich. Nie aber hätten sie und ihre Kolleginnen aus den Nachbargemeinden einen reinen Männerkurs angeboten. Anfragen dafür kämen zwar vereinzelt, aber nicht genug für eine ganze Einheit. „Wir lichten damit schon die Realität ab“, sagt Scheele. Die Nachfrage sei einfach nicht gegeben.

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