Pudel Husmann: Eine Syker Institution mit einem bunten Lebenslauf

Zehn-Kilometer-Wanderungen und 20-Meter-Taxifahrten

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Pudel Husmann hat viel zu erzählen.

Von Ilse-Marie Voges. Der Mann gehört zum Syker Stadtbild wie Kreishaus und Kirche, so mancher ist ihm morgens schon begegnet: Jeden Morgen nach dem Frühstück macht Günter Husmann sich strammen Schrittes, perfekt gekleidet auf seine tägliche Tour. An der Bahn entlang, über die Felder und zurück durch die Hauptstraße sind es sieben Kilometer. Unterwegs trifft er mal Bekannte, schnackt einen Augenblick.

Nachmittags legt er noch mal drei Kilometer vom Hünenhausberg über den Lindhof nach. „Dann habe ich zehn Kilometer – ganz gut für mein Alter“, lächelt er.

Günter Husmann ist ein echter Syker, Jahrgang 1934, einer, der das Leben und den Tod von allen Seiten erlebt hat. Eigentlich nennt man ihn nicht Günter, sondern „Pudel“. Bei diesem Spitznamen, der ihm in der Schulzeit verliehen wurde, ist es geblieben. So kennt man ihn vor Ort.

Der gelernt Automechaniker stieg in die vom Vater 1930 gegründete Autovermietung 1952 ein und bereitete sich auf größere Unternehmungen vor. Taxi, Krankentransporte und ein Bestattungsinstitut nahmen Fahrt auf. Klar, dass solch ein Betrieb jeden Tag Verantwortung erfordert, aber auch enorm abwechslungsreich ist – und Erfahrungen jeglicher Art beinhaltet.

„Eigentlich mache ich jeden Spaß mit, aber rauchen im Auto? Das gab es nicht. Wer rauchte, musste raus“, sagt Husmann. „Man kann doch nicht ein Rauchertaxi fahren, und am Tag darauf in dem Wagen die Leute zur Dialyse ins Krankenhaus bringen!“

Im Taxiunternehmen gab es fast nichts, was es nicht gab. Große Feste erforderten ganze Nächte Aufmerksamkeit. Die Fahrgäste hatten gefeiert und bestellten am Ende mehr oder weniger gut gelaunt, beschwipst oder volltrunken in Syke und Umgebung Taxi Husmann. Da wurde im Auto gelacht, gestritten oder einfach nur weiter gefeiert.

Es gab auch aggressive Gäste. „Du fährst jetzt dahin, wohin ich es dir sage, oder ich trete deine Windschutzscheibe raus!“, habe ein Syker dem Taxifahrer Pudel Husmann glaubhaft gedroht. Wunderbar hingegen: die kurzen Touren in Syke – von einem Gasthaus zum Nachbarhaus. Der Gast ließ sich regelmäßig zwanzig Meter bis nach Hause fahren, mit oder ohne Schnaps, egal!

Bei und für Bestattungen hat das Unternehmen auch reichlich Erfahrungen sammeln können. Als die Stadt wuchs, gab es auch mehr Bestattungen. Die Friedhofskapelle war darauf nicht vorbereitet. Husmann erweiterte auf seinem Grundstück die Räume, passte sich den Anforderungen an. Husmann übernahm auch die Fahrt zum Friedhof mit dem Auto. „Das war anstrengender als auf der Autobahn. Auf den kleinen Dörfern gingen die Leute zu Fuß hinter dem Auto her, man musste Schritt fahren und ständig aufpassen, dass der Wagen nicht absoff“, erzählt der Syker.

Mittlerweile hat er das Unternehmen an seinen Sohn weitergegeben, genießt seine Spaziergänge und den Urlaub. Seine großen Ziele sind jedes Jahr Österreich und die Ostsee. Seit 28 Jahren fährt er in den kleinen Ort Großal, wohnt immer im gleichen Hotel, fühlt sich dort wie daheim. Pudel Husmann genießt die Wanderungen die Berge, Natur und Menschen. Das gilt auch jedes Jahr für Kühlungsborn an der Ostsee. „Ich mache meine Strandspaziergänge, acht Kilometer bis nach Heiligendamm jeden Tag, und bin zufrieden.“

Pudel-wohl sozusagen.

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