Trotzdem gute Musik und Laune

Nur wenig Gäste beim Konzert der „Delta Crabs“ im Gleis 1

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Die „Delta Crabs“ spielen im Gleis 1 auch vor kleinem Publikum. 

Syke - Von Angelika Kratz. Eigentlich hätte alles am Samstagabend im Syker Gleis 1 gestimmt. Das graue Wetter war genau richtig für ein nettes Konzert im Kulturbahnhof mit freiem Eintritt und der grandiosen Band „Delta Crabs“. Offensichtlich hatten die „blauen Flügel über Syke“ trotz tausender verteilter Flyer ihre Schwingen nicht richtig ausgebreitet. Es waren nur zwei Handvoll Gäste anwesend. Doch diese fingen mit ihrer guten Laune einen Absturz auf.

Ein Künstler spielt eben auch vor kleinem Publikum, und wenn neben dem Syker Schlagzeuger Thomas Schwenen noch Manfred Dirks seinen Kontrabass bearbeitet und Jörg Zittlau stimmlich und sprachlich dem Ganzen an Gitarre oder Banjo einen großen Kick verleiht, ergibt das Spaß – trotz oder gerade wegen des „Blues“.

„Wir kennen uns schon ewig“, plauderten die zwei Rentner und „der eine Berufstätige“ vorab locker über ihr musikalisches Engagement und ihre Freundschaft. Mitgebracht hatte das Trio Musik wie sie einst in den Sümpfen des Mississippi-Deltas gespielt wurde. Handgemachte Musik ohne technischen Firlefanz mit Banjo, Gitarre, Schlagzeug, Kontrabass und Gesang. Letzterer gestaltete sich wie nach dem dritten Whisky oder einem Kaugummi im Mund leicht unverständlich, aber bei einem Blues ist der Text hinsichtlich aller Melancholie ohnehin zweitrangig zu betrachten.

Weit auf war die Tür nach draußen, aber die haltenden Busse oder Züge auf der anderen Seite des Bahnhofes brachten auch keine weiteren Gäste. Was solls, sagten sich schließlich alle, und so startete ein Wohnzimmerkonzert, als beste Alternative zum traurigen Fußballspiel der deutschen Mannschaft.

Nicht immer geradeaus – wie die Krabben

Mit dem „San Francisco Blues“, eine wunderbar alte schräge Nummer, ging es weiter nach „New Orleans“.

Durch ein Lied mit dem Text „Keiner liebt mich, weil ich so dumm und hässlich bin“, driftete der Weg durch die Sümpfe ein wenig ab. Aber die „Delta Crabs“ laufen eben wie ihre tierischen Vorbilder nicht immer geradeaus. Genau das machte den Charme des Konzerts aus.

Da gab es keine Absperrung zwischen ohnehin minimalem Publikum und der Bühne. Vielleicht träumten Zuhörer beim wunderbar handgemachten Blues, dem Schnippen der Finger und dem Wippen der Füße davon, in einer urig-verrauchten Kneipe zu sitzen und über dem leeren Glas nach dem eigenen Sinn des Lebens nachzudenken.

Nichts kann so gut die Sorgen wie ein gut gemachter Blues ausdrücken, und da haben die gestandenen Jungs von „Delta Crabs“ was drauf.

Das Lied „My sweet Georgia“ ließ dann die blauen Flügel wieder gewaltig flattern und fast flogen die Beine zum Kosakentanz. Beim „Sloop John B“ sang das Wohnzimmer im Gleis 1 voller Begeisterung mit. Egal wieso und warum, jedenfalls legten sich die Sorgenfalten auch von Ideengeber der „Blauen Flügel“ Peter Jahnke.

Zwischendurch gab es ganz ungeniert den Gang zur Toilette, denn die befindet sich im Gleis 1 gleich hinter der Bühne. Auch das gehörte zur Wohnzimmer-Atmosphäre. Aber die Tür wurde dann doch geschlossen. „Bright Eyes“ gab es im Publikum, als das Trio sich verabschieden wollte. „See you later Aligator“ hieß es nach weiteren Zugaben ganz zum Schluss.

Schade für alle, die nicht da waren.

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