Serie: Unterwegs mit Fahrlehrer Klaus Tiesing

„In der Prüfung wären Sie jetzt durchgefallen“

+
An solchen Einmündungen wie hier in Steimke (Am Feldrain) ist Syke reich: Kommt das Auto rechts aus einer Straße oder aus einer Grundstücksausfahrt?

Syke - Von Michael Walter. Für Autofahrer ist Syke ein durchaus schwieriges Pflaster: Es gibt eine ganze Reihe nahezu versteckter Straßeneinmündungen, viele Vorfahrtsituationen sind auf den ersten Blick oft unklar – manche auch auf den zweiten – und an der einen oder anderen Stelle werden selbst erfahrene Autofahrer stutzig. Fahrlehrer Klaus Tiesing hat diese Stellen einmal mit uns abgeklappert.

Selbst alteingesessene Syker dürften Probleme haben, auf Anhieb die Neue Straße auf dem Stadtplan zu zeigen. Klaus Tiesing und seine Kollegen kennen sie dagegen sehr gut, denn sie ist gleich ein doppelter Fallstrick bei Führerscheinprüfungen. Fährt man von der B 6 auf die Alte Poststraße, fällt der Blick fast automatisch auf parkende Autos, Radfahrer und spielende Kinder am Straßenrand. Und dann als zweites gleich auf die Einmündung Am Feldrain. Geradezu unscheinbar und fast schon fies versteckt, liegt davor aber noch die Neue Straße. „Die sieht auch tatsächlich aus wie eine Hofeinfahrt“, räumt Tiesing ein. Ändert aber nichts daran, dass die Neue Straße an dieser Stelle Vorfahrt hat.

Rechts abgebogen auf Am Feldrain, wartet die gleiche Situation noch einmal auf die Führerscheinaspiranten. Da mündet das andere Ende der Neuen Straße, und auch da ist die Einmündung der vorfahrtsberechtigten Straße kaum zu erkennen. „Gestandene Autofahrer nehmen vielleicht gerade noch rechtzeitig das Straßenschild auf der linken Seite wahr. Fahranfänger meistens nicht.“

Einstieg zur „Rennstrecke“: An der Gisela-Wenderoth-Straße gilt Tempo 20, die anschließende Ferdinand-Salfer-Straße ist eine Tempo-30-Zone. Ein Wert, an den sich aber kaum jemand hält. 

Keine 200 Meter weiter hätte dann auch der Verfasser dieser Zeilen seine Führerscheinprüfung geschmissen: Da mündet der Feldrain auf den Hillerser Weg, und der rechter Hand auf die B 6. Vor dem Bahnübergang parallel zur Bundesstraße steht ein Stoppschild. Ich taste mich an die Sichtlinie heran und bleibe stehen. „In der Prüfung wären Sie jetzt durchgefallen“, sagt Tiesing. Denn eine Fahrzeuglänge vorher ist eine Haltelinie auf der Fahrbahn – und die hatte ich ignoriert. Weil man von der Haltelinie aus noch gar nichts sehen kann. „Das macht hier fast jeder automatisch so“, sagt Tiesing. „Trotzdem ist es falsch.“ Sinn der Haltelinie an der Stelle sei es, die Geschwindigkeit herauszunehmen: Anhalten, neu anfahren und dann ganz langsam in den eigentlichen Einmündungsbereich hinein fahren. Nicht zuletzt deshalb ist das eigentlich verkehrsarme Steimke gern genutztes Pflaster für Fahrprüfungen.

An der GTS 2001 sind alle zu schnell

Wir fahren Richtung Innenstadt, dann weiter über die Nordumgehung und an der GTS 2001 vorbei. Hinter dem Wendekreisel für die Schulbusse beginnt die Verbindungsstraße zum Bahnhof. Relativ breit und gut ausgebaut. Fast jeder fährt da 50, wenn nicht sogar mehr. „Dabei ist die gesamte Strecke von der Schule an Tempo-30-Zone“, sagt Tiesing.

In den 30 Jahren, die er diesen Job jetzt macht, hat sich vieles verändert. Das Verkehrsaufkommen ist gestiegen – und damit auch die Hektik. „Früher waren die Leute alle etwas ruhiger, hab ich den Eindruck“, sagt Tiesing. „Heute sind sie viel ungeduldiger und drängeln viel stärker. Niemand hat anscheinend mehr Zeit.“

Auch die Themen, die er im Unterricht vermitteln muss, sind umfangreicher als früher. Sowohl in der Theorie als auch im praktischen Fahrunterricht. Aber heute wie damals gilt: Allein mit den vorgeschriebenen Pflichtstunden kommt praktisch niemand bis zur Prüfung.

Ohne zusätzliche Übungsstunden geht es nicht

Fünf Unterrichtsstunden Überlandfahrt, vier Stunden Autobahn und drei Beleuchtungsfahrten sind Pflicht. „Ich muss darüber hinaus aber noch Übungsstunden machen“, sagt Tiesing. „Zu Anfang, um mir überhaupt einen Eindruck zu verschaffen: Was kann der? Wie stellt er sich an? Mit jemandem, der noch nicht mit dem Auto zurechtkommt, brauche ich noch keine Überlandfahrten zu machen.“ Und später sind weitere Übungsstunden nötig, um gezielt auf die Prüfungssituation vorzubereiten. Wie viele, hängt vor allem vom jeweiligen Fahrschüler ab. „Es gibt welche, die brauchen zehn Stunden und es gibt welche, die brauchen 60.“

Sie haben selbst eine „Lieblingsstelle“ im Syker Straßennetz, an der die Vorfahrtsituation unklar ist oder bei der Sie sich über das Fehlverhalten vieler Verkehrsteilnehmer aufregen? Bitte melden Sie sich bei uns, vielleicht nehmen wir diese Stelle ja in unsere Serie auf. Schicken Sie uns bitte eine E-Mail an:

lokales.syke@kreiszeitung.de

Im ersten Teil der Serie war Redakteur Michael Walter unter anderem am „englischen Kreisverkehr“ auf der Lindhofhöhe unterwegs und hat die Rechts-vor-Links-Regel am Parkplatz beim Amtsgericht kennengelernt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Exoten unter den Autos: Diese Fahrzeuge sind äußerst selten

Exoten unter den Autos: Diese Fahrzeuge sind äußerst selten

+++ Neu: Gestensteuerung in der iOS-App +++

+++ Neu: Gestensteuerung in der iOS-App +++

Simbabwe: Kritiker fordern Mugabes Rücktritt

Simbabwe: Kritiker fordern Mugabes Rücktritt

Tischtennis: Werder Bremen siegt mit 3:1 gegen Fulda-Maberzell

Tischtennis: Werder Bremen siegt mit 3:1 gegen Fulda-Maberzell

Meistgelesene Artikel

„Lichter(mehr)“ lockt an

„Lichter(mehr)“ lockt an

Offener Sonntag in Barnstorf mit „nicht ganz so tollem Andrang“

Offener Sonntag in Barnstorf mit „nicht ganz so tollem Andrang“

„freundetreffen“: 19-Jähriger überzeugt Fachjury

„freundetreffen“: 19-Jähriger überzeugt Fachjury

Zusammenstoß mit Lokomotive

Zusammenstoß mit Lokomotive

Kommentare