Prozess um verletzte Kohlwanderer bei Okel

„Es ging alles so extrem schnell“

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Eine Polizistin überprüft das Unfallauto nach dem schweren Kohltour-Unfall. Archivfoto: Kater

Syke - Mit der Rücknahme des Einspruchs gegen den Strafbefehl endete gestern der Strafprozess gegen den 31-jährigen Autofahrer, der am Samstag, 14. Februar, vorigen Jahres, gegen 18.30 Uhr auf der Kreisstraße 121 zwischen Okel und Osterholz Teilnehmer einer Kohlwanderung übersah und sie mit seinem Audi erfasste (wir berichteten).

Eine junge Frau und ein junger Mann erlitten durch den Unfall erhebliche Verletzungen. Sie befinden sich nach wie vor in medizinischer Behandlung. Mit Rücknahme des Einspruchs hat der aus Bruchhausen-Vilsen stammende Autofahrer die im Strafbefehl ausgewiesene Geldstrafe unter Vorbehalt (15 Tagessätze zu je 70 Euro, zur Bewährung ausgesetzt, und 500 Euro Geldauflage) akzeptiert.

Folgt man der Anwältin, dann hielt sie die Geldauflage von 500 Euro für nicht angemessen. An jenem Unglücksabend waren die Kohlwanderer ab Barrien mit Bollerwagen losgezogen mit dem Ziel, in Osterholz einen stimmungsvollen Abend zu erleben. Auf der K 121 ereignete sich dann der Horror-Unfall.

Vor Strafrichterin Petra Kutz wurde jetzt der Einspruch gegen den Strafbefehl verhandelt. Der Angeklagte ließ sich dahingehend ein, dass er in einem Kurvenbereich das Fernlicht wegen Gegenverkehrs ausschaltete. Dann habe er die ersten Kohlwanderer plötzlich vor sich auftauchen sehen, sei ausgewichen und wieder auf seine Fahrbahnseite eingeschert. Da sei ein weiterer Teil der Gruppe vor ihm aufgetaucht. „Es ging alles so extrem schnell“, sagte er.

Die Fußgänger seien alle dunkel gekleidet gewesen. Seine Anwältin führte für den Mandanten aus, dass dieser nicht zu schnell unterwegs gewesen sei (75 Stundenkilometer standen im Raum) und fahrtechnisch nicht falsch reagiert habe. „Er hat in dieser Situation alles getan, um den Unfall zu verhindern“, führte sie aus und warf den Fußgängern vor, sich fahrlässig verhalten zu haben.

Horrorunfall in Okel: Auto fährt in Kohltour

Die Staatsanwältin konterte: „Wenn es dunkel ist, muss ich so fahren, dass ich die Leute rechtzeitig erkennen kann und meine Geschwindigkeit entsprechend anpassen.“ Die Anklagevertreterin verhehlte jedoch nicht ein, wie sie sagte, „erhebliches Mitverschulden“ der Fußgänger. Das sei strafmildernd zu bewerten.

Strafrichterin Petra Kutz sagte: „Wir wissen alle nicht, wie wir in einer solchen Situation reagiert hätten.“ Auch sie sprach von einem erheblichen Mitverschulden der Fußgängergruppe. „Es ist nicht nachvollziehbar, in der Dunkelheit unbeleuchtet auf der Straße zu gehen. Es hätte da noch viel mehr passieren können.“

Kohltour-Unfall: „Ich dachte, sie ist tot“

An den Angeklagten und seine Verteidigerin gerichtet, sagte sie, dass für die Strafzumessung die Schwere der Verletzungen ein Gesichtspunkt sei. Angedeutet wurde, dass bezüglich der Strafzumessung das Gericht im Falle einer Verurteilung nicht an das Urteil im Strafbefehl gebunden ist.

Nach Rücksprache mit dem Mandanten folgte durch die Anwältin die Rücknahme des Einspruchs. Damit endete die Hauptverhandlung, für die ein Fortsetzungstermin, die Anhörung zahlreicher Zeugen aus der Kohlwandergruppe und die Erläuterung des Gutachtens durch den Verkehrssachverständigen Gerhard Schockenhoff terminiert waren.

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