Sechs Verhandlungstage geplant

Prozess gegen 32-Jährigen: Getötet, „ohne Mörder zu sein“

Verden/Syke - Von Wiebke Bruns. Vor den Augen der drei gemeinsamen Kinder soll im April dieses Jahres ein 32 Jahre alter Angeklagter in Syke seine gleichaltrige Frau erwürgt haben. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Verden war das Ehepaar in Streit geraten, weil der Mann einmal mehr seiner im Irak lebenden Mutter Geld schicken wollte.

Seit Montag muss sich der Iraker wegen Totschlags vor dem Landgericht Verden verantworten. In Hand- und Fußschellen wurde der Angeklagte von zwei Wachtmeistern in den Schwurgerichtssaal des Verdener Landgerichts geführt. Sein Gesicht versteckte er hinter einem Aktenordner. Erwartet wurde der 32-Jährige bereits von seinem Verteidiger Urs Kobler und einem Dolmetscher. Zunächst ging es um Formalien und Probleme bei der Übersetzung der Anklageschrift. Einem reibungslosen Prozessauftakt stand aber nichts im Wege. Der erste Verhandlungstag beschränkte sich insgesamt nur auf knapp eine halbe Stunde und somit im Wesentlichen auf das Verlesen der kurzen Anklageschrift. Der 32-Jährige habe getötet, „ohne Mörder zu sein“, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Verden. 

Keine Zuschauer, keine Familie

Tatort war ein von der Familie bewohntes Einfamilienhaus an der Nordwohlder Straße. Es war Sonntag, 23. April 2017. Die Eltern, die beiden Töchter (neun Monate und neun Jahre) und ein Sohn (zwei Jahre) hielten sich im Wohnzimmer auf. „Der Angeklagte geriet mit seiner Ehefrau in Streit, weil er erneut größere Geldbeträge in den Irak transferieren wollte“, erklärte die Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt. 

Sechs Verhandlungstage geplant

Der 32-Jährige habe den Hals seiner gleichaltrigen Frau ergriffen und „würgte diese vor den Augen der Kinder, bis der Tod eintrat“. „Anschließend begab er sich zum Polizeikommissariat Syke und stellte sich dort.“ Während der Dolmetscher die Anklageschrift übersetzte, wischte sich der Angeklagte immer wieder mit einem Taschentuch Tränen aus den Augen. Außer den beteiligten Juristen, dem Dolmetscher und zwei Wachtmeistern waren nur wenige Pressevertreter und die Gerichtssprecherin im Saal. Keine Zuschauer, keine Familie. Weil auch der psychiatrische Sachverständige verhindert war, äußerte sich der Angeklagte noch nicht zu den Vorwürfen. Der Verteidiger kündigte aber bereits eine Einlassung für den nächsten Verhandlungstag am Donnerstag, 28. September, an. Eingeplant sind für den Prozess sechs Verhandlungstage.

Rubriklistenbild: © dpa

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