Prozess in Verden

Ehefrau in Syke erwürgt: Angeklagter bereut Tat zutiefst

Verden/Syke - Von Wiebke Bruns. In dem Totschlagsprozess vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden hat der 32 Jahre alte Angeklagte aus Syke Donnerstag gestanden, seine gleichaltrige Frau erwürgt zu haben.

Das Paar lebte nach der Flucht aus dem Irak seit Anfang 2016 in Deutschland. Sie habe ihn verlassen und die drei Kinder mitnehmen wollen, ließ er von seinem Verteidiger erklären. Doch laut Anklageschrift war Streit um Geld das Motiv. Als sich der 32-Jährige kurz nach der Tat bei der Polizei stellte, soll er 5000 Euro dabei gehabt haben.

Woher das Geld stammt, war nur eine von vielen Fragen des Gerichts, die am zweiten Verhandlungstag unbeantwortet geblieben sind. Das Geständnis erfolgt in Form einer schriftlichen Einlassung, die der Verteidiger verlas. Darin wurde zunächst die Flucht der jesidischen Familie vor dem IS geschildert. Bis zum Einzug der Terrormiliz habe die Familie glücklich im nordirakischen Sindschar gelebt.

Von Gewalt, Tötungen und Zerstörungen durch den IS berichtete der Angeklagte. Letztlich sei die Flucht mit einem Schlauchboot nach Griechenland und weiter nach Deutschland geglückt. „In der Hoffnung auf ein friedliches Leben“, heißt es in der Einlassung.

„Erhebliche Spannungen" in der Ehe nahmen zu

Doch zunehmend habe es „erhebliche Spannungen“ in der Ehe gegeben. Seine Frau habe in den Irak zurückkehren wollen. Er habe geplant, weitere Familienangehörige nachzuholen. Seine Mutter sei herzkrank und habe eine Operation benötigt. Immer wieder habe er mit seiner Frau gestritten. Häufig habe er sich beherrschen müssen. Am Vortag der Tat sei er auf einem jesidischen Fest in Bremen gewesen. Seine Frau habe nicht mitgewollt.

Erst am Morgen des Tattages sei er nach Hause gekommen. Wieder habe es Streit gegeben. „Sie ließ nicht locker.“ Alles, was sich bislang aufgestaut hatte, sei dann gesagt worden. Als seine Frau ihm erklärt habe, dass sie mit den Kindern weggehen wolle, sei er handgreiflich geworden. „Ich schubste, sie kratzte.“ „Egal, was Du Hurensohn machst, ich nehme Dir die Kinder weg“, wird die Getötete in der Einlassung zitiert. „So etwas hatte bislang noch nie jemand zu mir gesagt. Ich sah rot.“ Die Tat bereue er zutiefst.

Doch laut Anklageschrift wurde um Geld gestritten, das der Angeklagte in den Irak transferieren wollte. Kommt dies in dem Prozess zur Sprache, schüttelt der 32-Jährige leicht den Kopf. Doch davon soll die neunjährige Tochter einem Rettungsassistenten berichtet haben. Und davon, dass der Vater der Mutter die Hände an den Hals gelegt habe. Das Mädchen und zwei jüngere Geschwister sollen die Tat miterlebt haben. Ereignet hatte sich diese im Wohnzimmer des von der Familie bewohnten Hauses. Der Prozess wird fortgesetzt.

Prozesstag 1: Getötet, „ohne Mörder zu sein“

Rubriklistenbild: © dpa

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