„Prost auf den Deich“

Anni Heger gibt in Syke Einblick in ihre Kindheit in Ostfriesland

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Leugnete die Liebe zu ihrer Heimat Ostfriesland bei der Lesung in Syke nicht: Anni Heger.

Syke - Von Anika Bokelmann. Anni Heger hat gelernt, sich durchzusetzen. Sie hatte es nicht immer einfach – als Paradiesvogel unter den Möwen am Deich beziehungsweise als brünette Ostfriesin. Die 34-Jährige weiß nämlich: „Dat Haar blond so eenfach ween kunnt.“

Über ihre Kindheit in Spatzerfehn bei Aurich, das Leben als Mitglied der methodistischen Gemeinde am Deich und auf dem Dorf sprach die sympathische Frau am Freitagabend im Konzertsaal der Kreissparkasse in Syke. Dorthin hatten das Kreditinstitut und der Förderverein der Stadtbibliothek Syke Anni Heger mit ihrem aktuellen Programm zum Thema Blondsein in Ostfriesland eingeladen. Mit einem fröhlichen „Moin, moin Syke“ und einem Flaschenbier in der Hand betrat die Autorin, Sängerin und Moderatorin die Bühne und stimmte ein „Prost auf den Deich“ an.

An ihrem Buch „Dat Haar blond“ orientiert, aber auch mit neuen Texten vermischt, nahm sie die rund 70 Gäste mit auf einen Ausflug nach Aurich und die Umgebung. Ihr Plattdeutsch habe sie für den Abend extra „entschärft“, erklärte Heger, „um niemanden auf halber Strecke zu verlieren.“ Wenn auch einige Zuschauer nicht alle Begriffe verstanden, wie bei Gesprächen in der Pause deutlich wurde, so erschloss sich der Witz der Anekdoten stets im Zusammenhang.

Doch stand nicht allein Humor im Vordergrund des Abends, wie Jochen Heins bei seinem Dank nach den anderthalbstündigen Erzählungen und Liedern betonte. Der Vorsitzende des Fördervereins, der zu Beginn ein A-H-Erlebnis (Anni-Heger-Erlebnis) angekündigt hatte, lobte die tiefgründigen Geschichten, die zum Nachdenken anregen.

„Man lernt to töwen“

Für das flammende Plädoyer „Wir sind een“ zum Zeitgeschehen erntete Heger besonders viel Applaus. Sie sprach sich für mehr Menschlichkeit, gegen die AfD und US-Präsident Trump aus. „In Stralsund hat danach keiner geklatscht“, erklärte die Künstlerin.

Ihre Geschichten aus der Kindheit in Ostfriesland, bei dem laut Heger viele Deutsche Probleme mit der Verortung hätten, sorgten auch in Syke für frischen Wind und Lacher. Wie es ist, mit sieben Kindern morgens ums Badezimmer zu streiten und Weihnachten als Toleranzbelastungstest, schilderte die brünette Ostfriesin mit einem Lächeln auf den Lippen. „Man lernt to töwen“ – sich in Geduld zu üben, so Heger.

Aufgelockert wurden die Geschichten mit Gesang – natürlich auch auf Plattdeutsch und dem Rat: „Um unsere Heimatsprache aufrecht zu erhalten, müsst ihr mit euren Kindern platt singen.“

Zur Melodie von „Bridge under troubled water“ sang die Künstlerin mit klarer Stimme eine Hommage an ihre Heimat („As an Diek“) oder betonte, „Klunkers is dat, wat blievt“.

Am Ende wurde auf jeden Fall eines deutlich: „In Ostfriesland is keen Glamour.“ Dennoch dürfe man die Region nicht unterschätzen und auf Krabbenbrötchen, Tee und Boßeln reduzieren. Denn dort zählten Werte wie Familie, Zusammenhalt und Vertrauen.

„Ik bin eene stolze Ostfriesin“, fasste Anni Heger zusammen und unterstrich die Vorzüge – Wortkargheit, von der am Freitagabend nicht viel zu spüren war, sowie Verbundenheit zur Heimat.

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