Einsatz mit DRK-Kreisgeschäftsführerin

Praktikum: Bürgermeisterin Laue bezieht Betten im Pflegeheim

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Erleben den Alltag im Pflegeheim: Ulrike Hirth-Schiller und Sykes Bürgermeisterin Suse Laue (2.u.3.v.l.).

Syke - Von Anke Seidel. Begleiten, Aufmuntern, Waschen, Füttern: Alle Facetten des menschlichen Lebens gehören zu dieser Aufgabe, für die es viel zu wenig Fachkräfte gibt. Genau deshalb hat Sykes Bürgermeisterin Suse Laue Freitag ein vierstündiges Pflege-Praktikum im DRK-Seniorenheim in Syke-Barrien absolviert – gemeinsam mit Ulrike Hirth-Schiller, Geschäftsführerin des Kreisverbands im Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Denn genau das braucht dringend examinierte Pflegekräfte, um den vielen Senioren auf den Wartelisten endlich einen Platz in einem Pflegeheim vermitteln zu können.

In ihren grün-gestreiften Pflegekitteln eilen Suse Laue und Ulrike Hirth-Schiller durch die Flure des DRK-Seniorenheims. Herzlich grüßen alle die Bewohnerin, die in diesem Augenblick mit ihrem Rollator unterwegs ist. Wohnbereichsleiterin Gunda Schlichting erläutert den Praktikantinnen, was den Alltag von Pflegekräften prägt – eingeschlossen die Dokumentation ihrer Arbeit und die Hygiene-Vorschriften.

Bewohner waschen und füttern, davon nehmen Suse Laue und Ulrike Hirth-Schiller bewusst Abstand. Denn für die Senioren sind sie Neulinge und Fremde, deshalb wollen sie nicht in die Intimsphäre dieser alten Menschen eindringen.

Pflegealltag erlebt

Aber die Bürgermeisterin bezieht Betten und erlebt den Alltag im Hygiene-Zimmer, in dem Toilettenstühle entleert und in einer speziellen Spülmaschine desinfiziert werden. Eine unabdingbare Notwendigkeit – genauso wie die menschliche Zuwendung, die für viele Bewohner lebenswichtig ist. 

Die Bürgermeisterin und die DRK-Geschäftsführerin sind beeindruckt, wie schnell die Mitarbeiter von der einen zur anderen Aufgabe wechseln – und nebenbei noch das klingende Telefon bedienen, um Fragen zu beantworten oder Aufgaben zu organisieren: Umdenken, flexibel sein – und trotzdem Ruhe finden für den persönlichen Kontakt zu den Bewohnern.

„Es ist ein Spagat, den die Mitarbeiter schaffen müssen – und den bekommen sie auch hin“, stellt Suse Laue beeindruckt fest. „Es ist ja auch ein Beruf, der Spaß macht. Die Bewohner geben ja auch viel zurück“, beschreibt sie ihre eigene Erfahrung nach einem Gespräch mit vier Bewohnerinnen.

Zuversicht im Haus

Zuversicht prägt die Stimmung im Haus. „Keine Sorgen machen bitte“, ruft eine auf dem Flur vorbeieilende Mitarbeiterin laut. 64 Pflegekräfte hat das DRK zurzeit im Seniorenheim Barrien im Einsatz.

Eine Vollbelegung des Hauses ist damit nicht möglich. „Wir brauchen 14 weitere examinierte Pflegekräfte, dann könnten wir 145 Plätze belegen“, berichtet Ulrike Hirth-Schiller. Die DRK-Geschäftsführerin weiß: „Die gesellschaftliche Diskussion läuft völlig abgekoppelt von der Realität!“ 

Denn landesweit 6 000 neue Stellen schaffen zu wollen, löse das Problem in keinster Weise: „Wenn wir sie nicht mit Menschen besetzen können, ist die Zahl der Stellen doch völlig unerheblich!“ In der Zukunft werde sich der Fachkräftemangel noch dramatisch verschärfen, so die Botschaft: „Schon heute sind 60 Prozent unserer Pflegekräfte über 45 Jahre alt. Dafür müssen Nachfolger gefunden werden – zusätzlich zu den jetzt schon fehlenden Fachkräften.“

Große Nachfrage nach Pflegeplätzen

Dabei übersteigt die Nachfrage nach Pflegeplätzen – vor allem in der Kurzzeitpflege – schon jetzt das Angebot. Bürgermeister geraten unter Druck, bestätigt Suse Laue. Denn auch bei ihr fragen Angehörige immer wieder nach und fordern: „Machen Sie mal was!“

Lindern könnte die Lage, so überlegt Ulrike Hirth-Schiller, eine rechtliche Aufwertung der Krankenpflegehelfer und der Pflegeassistenten: „Wir haben einen hohen Anteil solcher qualifizierten Helfer, zum Teil bis zu 70 Prozent.“ 

Wichtig sei deren Aufwertung auch vor dem Hintergrund der Pflegeausbildungs-Reform: „Die Anforderungen können nicht von jedem erfüllt werden. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen nicht gute praktische Arbeit machen“, sagt die DRK-Geschäftsführerin – und eilt mit der Syker Bürgermeisterin zur nächsten Station des Schnupper-Praktikums: Essensausgabe an die Heimbewohner.

Sykes Bürgermeisterin als Altenpflegerin in Barrien

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