All you need is less

Raus aus dem Hamsterrad – weil es Mensch und Klima krank macht

Niko Paech kämpft seit Jahren für die Begrenzung der Wirtschaft, um den Planeten zu retten.
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Niko Paech kämpft seit Jahren für die Begrenzung der Wirtschaft, um den Planeten zu retten.

Nicht mehr zurück ins Hamsterrad nach der Corona-Pandemie – für die Wirtschaft ist das eine große Chance. Davon ist Professor Niko Paech überzeugt. Wertschöpfungsketten, die kein Mensch mehr nachvollziehen kann, Teilproduktionen aus China und Indien sowie ein überbordender Konsum, der Menschen krank macht, will der Wirtschaftswissenschaftler nicht mehr hinnehmen.

Weil es am Ende den Planeten zerstört. Niko Paechs Lösung: Die Wirtschaft muss kleiner werden, Menschen müssen Ballast abwerfen und entschleunigen – und können dann den Zeitgewinn genießen.

Die Volkshochschule hat gemeinsam mit dem Nabu Syke den bekannten Postwachstums-Ökonomen Niko Paech zum Online-Seminar eingeladen. 23 Teilnehmer sind an diesem Mittwochabend dabei. Ihnen versichert der Referent: „All you need is less“ – alles, was du brauchst, ist weniger. Denn die Menschheit, so der Wissenschaftler, sei am Wendepunkt angekommen. Die Pandemie habe gleichermaßen die Digitalisierung, die Globalisierung und die Verletzlichkeit, also die Vulnerabilität, stark verändert.

Produktionsketten kaum noch durchschaubar

Paech stellt klar: Durch die Globalisierung gibt es Produktionsketten, die kaum noch durchschaubar sind. Wenn die Teile eines Produktes in den unterschiedlichsten Ländern hergestellt werden, wächst der „Grad der globalen Fremdversorgung“, wie er es formuliert. Die Folge: „Wenn alles mit allem verbunden ist, pflanzen sich Störereignisse ungehindert fort.“ Das System sei mittlerweile so komplex, das es nicht mehr kontrolliert werden könne: „Obwohl wir davon abhängig sind!“

„Reichtum funktioniert nur dann, wenn keine Krise eintritt“

Der Referent ist fest überzeugt: „Reichtum funktioniert nur dann, wenn keine Krise eintrifft.“ Um die Krisengefahr zu bannen, brauche es resiliente Systeme: kleinräumig, genügsam, autonom, flexibel, vielfältig – kurze Versorgungsketten für eine wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Zu schade für die Tonne: Diesen Riss in der Weste kann man reparieren.

Der Professor wirbt nicht nur für solche regionale Wirtschaftssysteme. Er entlarvt auch den gigantischen, alles gefährdenden Verbrauch der Ressourcen dieses Planeten – ein Verlust der Überlebensfähigkeit, den die sogenannten Overshoot Days offenlegen. Viele Länder, auch Deutschland, leben drastisch über ihre Verhältnisse, beweist der Wissenschaftler mit zwei Daten: Am 3. Mai habe die Bundesrepublik bereits die Ressourcen verbraucht, die bis zum 31. Dezember reichen müssten.

Grünes Wachstum hält nicht mit

Die grünen Technologien, sprich erneuerbaren Energien, könnten daran nichts ändern: Das grüne Wachstum halte mit dem Wachstum der Wertschöpfung, also dem Brutto-Inlandsprodukt, bei Weitem nicht mit. Deshalb seien die CO2-Emmissionen auch nur unwesentlich gesunken, obwohl die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien extrem gestiegen sei. Ganz zu schweigen davon, dass für den Bau der Windenergie-Wälder Ressourcen verbraucht und extreme Mengen von Bäumen gefällt würden. Dabei sei doch klar: „Es gibt eine magische Maschine, die Kohlendioxid aus der Luft saugt, sehr wenig kostet und sich selbst baut: Sie heißt Baum.“

Wirksame Selbstbegrenzung

Klimaschutz bedeutet für Niko Paech globale Fairness innerhalb ökologischer Grenzen. Genau darauf müsste die Lebensführung der Menschen ausgerichtet sein. Maxime: Weniger ist wirklich mehr. Den Fleischkonsum oder die Urlaubsreisen zu senken (Reduktion) könne bereits helfen. Die Selbstbegrenzung, beispielsweise nur schadhafte Textilien zu ersetzen, sei noch wirksamer – und die vollständige Entsagung (grundsätzlich kein Fleisch essen, niemals fliegen, kein Smartphone, kein Auto nutzen), die absolut wirksamste.

„Die Dosis macht das Gift“

Beim Konsum sei es wie in der Medizin: „Die Dosis macht das Gift!“ Das Zuviel an Waren, Mobilität und Digitalisierung könne krank machen und in die Depression führen.

Auch in der Fridays-for-Future-Bewegung spielt die Kritik am grenzenlosen Wachstum eine große Rolle. (Archivbild)

Der Professor plädiert für weniger Produktion, die zwar weniger Volkseinkommen und damit auch weniger persönliches Einkommen bedeute – aber auch mehr Zeit. Eine wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden schaffe Zeit für die Selbstversorgung, sei es für den Anbau von Obst und Gemüse, die Reparatur von Geräten oder das Handwerk.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Paech sieht eine Riesenchance für die regionale Ökonomie – sprich für Dienstleistungsbetriebe im Reparatur-Sektor, zum Beispiel für Laptops und Smartphones: „Damit halbieren wir die Hälfte der Importe!“ Genauso wichtig seien längere Nutzungsdauern und – beim Auto zum Beispiel – eine gemeinsame Nutzung. Bei dieser Wirtschaftswende komme es auf das Handeln und die Verantwortung jedes Einzelnen an: „Die demokratische Politik ist überfordert.“

Neues Ressourcen-Zentrum in Oldenburg

Wie aber der Wandel funktionieren kann, will das Ressourcen-Zentrum Oldenburg unter Beweis stellen, das der Reperaturrat Oldenburg auf den Weg gebracht hat: mit Aufbau und Koordination eines Reparaturnetzes, Kursen, Lernorten für nachhaltige Lebensstile und vielem mehr – Gastronomie und Kultur inklusive.

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