Tim Jonashoff neuer Schützenkönig 

Plötzlich König

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Tim Jonashoff in Räuberzivil.

Henstedt - Von Michael Walter. Einmal für einen Moment nicht aufgepasst, und schwupps – ist man Schützenkönig. Das ist jetzt ein bisschen überspitzt, aber im Prinzip das, was Tim Jonashoff passiert ist.

Klar hat er sich gefreut, als er im Frühjahr beim Schützenfest in Henstedt das Königsschießen gewonnen hatte. Aber geplant war das nicht. „Das war eher Zufall“, sagt er jetzt mit einigen Wochen Abstand. Und lacht.

Es gibt da diesen kleinen Trick: Wer aus Gründen der „Staatsraison“ auf die Königsscheibe schießen muss, aber den Titel in Wirklichkeit gar nicht möchte, setzt den letzten Schuss absichtlich ein bisschen weiter an den Rand der Scheibe. Und das war der Moment, an dem Jonashoff nicht ganz bei der Sache war. „Ich hatte gar keine Zeit, darüber nachzudenken“, sagt er. „Ich hatte mich ja erst kurz vor Schluss überreden lassen, überhaupt auf die Königsscheibe zu schießen.“ Und plötzlich war er König. Mit einem Ring Vorsprung.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Böse drum ist er auf keinen Fall. Schließlich hat Schießen in seiner Familie Tradition. Seine Schwester war vor ihm schon Königin, und vor ihr war der Vater König. Darüber hinaus dürfte Tim Jonashoff als einer der jüngsten Könige aller Zeiten in die Vereinschronik eingehen. Denn mit seinen 21 Jahren hatte er beim Königsschießen gerade einmal knapp das Mindestalter erreicht, um überhaupt mitmachen zu dürfen.

Er ist halt immer noch überrascht, dass er es geworden ist. Denn Tim Jonashoff hält sich selbst für einen nur durchschnittlichen Schützen. „Henstedt hat eine Sportschützen-Abteilung“, erklärt er. „Eigentlich würde mich das reizen. Aber dafür langt es bei mir deutlich nicht. Lust hätte ich schon – aber nicht die Zeit, um die dafür nötige Konstanz zu entwickeln.“

Im richtigen Leben ist Tim Jonashoff ausgelernter Zimmermann bei einem Betrieb in Nordwohlde. Seine gesellschaftlichen Pflichten als Schützenkönig halten sich in einem vergleichsweise überschaubaren Rahmen. Pflichttermine gibt es nur wenige: Das eigene Schützenfest im nächsten Jahr, den Kreiskönigsball und das Verbandsschützenfest. Darüber hinaus repräsentiert er den Verein auf den Schützenfesten befreundeter anderer Vereine. Das war’s dann im Prinzip auch schon.

Und auch das Klischee, dass der Königstitel ein Vermögen kostet, verweist Tim Jonashoff ins Reich der Fabeln. „Ein paar hundert Euro sollte man beim Königsabend schon in der Tasche haben“, sagt er, schränkt aber gleich ein: „Es gibt ein Königsgeld dafür.“ Die Idee dahinter: Jeder soll es sich leisten können, Schützenkönig zu werden. „Einen Teil gibt der Verein aus der Kasse, der Rest kommt aus dem Startgeld, das alle zahlen, die auf die Königsscheibe schießen.“

Was reizt einen jungen Menschen eigentlich an einer oftmals als verstaubt und überkommen angesehenen Schützenvereins-Tradition?

„Wir sind nur ein kleiner Ort“, antwortet Tim Jonashoff. „Da gibt es nicht viel anderes. Jeder Dritte ist im Schützenverein oder in der Feuerwehr, viele in beiden. Eltern, Geschwister, Freunde. Da kennt man dann einfach viele und kommt zusammen. Das ist nie langweilig.“

Das einzige, was er daran tatsächlich uncool findet, sind die lodengrünen Uniformen. Wie die aussehen, ist vorgeschrieben. „Ich weiß auch nicht, warum das so ist. Aber die könnte man tatsächlich mal ein bisschen an die heutige Zeit anpassen.“

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