Plattdeutscher Slampoet Sven Kamin und T.N.P. Trio begeistern in Ristedt

Reim und Rhythmus sprengen alle Grenzen

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Kam ordentlich auf Touren: Sven Kamin erreichte sein Publikum mit plattdeutscher Sprachakrobatik.

Ristedt - Von Heiner Büntemeyer. „Bi us to Hus hung keen Schild ››Wi snackt Platt‹‹ wiel bi us to Huus keen een Platt snackt“, erklärte Sven Kamin den unerwartet vielen Gästen im „Garten Iden“ in Ristedt. Trotzdem wurde er 2012 in Kiel erster plattdeutscher Poetry-Slam-Sieger des NDR und im Jahr zuvor in der Staatsoper Hannover Poetry-Slam-Landesmeister.

Als ehemaliger Syker hatte er im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestivals in Ristedt ein Heimspiel und verzauberte sein Publikum mit Wortkaskaden, in denen Reim und Rhythmus alle Grenzen sprengten.

„Beeindruckend, Herr Kamin“, lobte Zuhörer Karl-Heinz Wenderoth. Auch die anderen Gäste sparten nicht mit Superlativen über die Vorträge.

Sven Kamin beteiligt sich regelmäßig an diesem „Wanderzirkus“, wie er die Poetry-Slam-Wettbewerbe bezeichnet, und hat sich mit seinen Auftritten schon über den norddeutschen Raum hinweg einen Namen gemacht. Für alle, die ihn am Sonntag erlebten, ist das kein Wunder. Locker und grenzenlos sprachakrobatisch präsentierte er seine Texte, und die Zuhörer spürten sofort, dass sie ganz genau zuhören mussten, wenn sie keinen der zahlreichen sprachlichen Irrwitze überhören wollten.

Inzwischen betrachtet sich Sven Kamin sogar als Botschafter des Plattdeutschen. Er liebt die Intensivität, Nähe und Identität dieser Sprache, die er selbst als geborener „Hochdeutscher“ erst erlernen musste. „Ich trag dann mal vor und schau mal, ob ich mich versteh“, warnte er die Zuhörer und erzählte ihnen „Worüm ick gar keen Platt kann“ und warum er davon träumt, dass an seinem Haus einst das Schild „Wi snackt Platt“ hängt. „De Winneworp“ war ein weiteres Amok laufendes plattdeutsches Gedicht, das er sogar ohne Manuskript vortrug. „Der Wahnsinn!“, kommentierte eine Zuhörerin den Beitrag.

Kennzeichen dieser Poetry-Slam-Vorträge ist das hohe Tempo, in dem Texte wie „Hat der Tom der Katze de BomBom genomm“ rezitiert werden. Oder wenn Sven Kamin den Zuhörern erklärt, wie seine Texte entstehen. Er packt seine Erzählung in eine Art „Koffergedicht“, in dem die Mitspieler immer ein weiteres Teil packen, nachdem sie den bisherigen Inhalt noch einmal aufzählen. Für den Künstler ist „ein Block mit dünnen Linien darauf“ der Ausgangspunkt dieser Endlosgeschichte, die mit einem „Vielen Dank – ich kann nicht mehr“ endet.

In den Pausen zwischen den drei Poetry-Slam-Sets unterhielt das T.N.P. Trio die Besucher mit jazzigen Improvisationen, mal schnell und rhythmisch, mal melancholisch und gefühlvoll. Die Musiker Sören Tesch (Piano), Matthias Pique (Bass) und Nils Neumann (Drums) entwickelten einen wunderbaren Sound, der wie ein Klangteppich über diesem Bauerngarten schwebte.

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