Plätze knapp im Kreismuseum: Ausstellungseröffnung und Lesung mit Gerd Spiekermann zum Gedenken an Hans O.E. Gronau

Audiovisuelle Schätze und literarische Kleinode

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Gerd Spiekermann las im Museum Texte von Hans Gronau und eigene Geschichten.

Syke - Von Heiner Büntemeyer. Nachträglich gratulierte das Kreismuseum am Sonnabend dem 2001 verstorbenen Grafiker, Fotografen, Zeichner und plattdeutschen Autoren Hans O.E. Gronau mit einer Ausstellung seiner literarischen Werke und einer Lesung zum 90. Geburtstag.

Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding erinnerte an die Ausstellung, die das Museum bereits zu Gronaus 80. Geburtstag organisiert hatte. Seinerzeit stand der Zeichner und Maler Hans O.E. Gronau im Mittelpunkt, nun hingegen sein literarisches Werk.

Das zeige, so Vogeding, wie vielseitig dieser Künstler war. Bei der Vielfalt seiner Talente habe allerdings sein literarisches Werk sehr oft im Hintergrund gestanden. Kein Wunder, denn nach der Rückkehr aus dem Krieg habe er in Bremen Kunst studiert und zunächst vorwiegend als Grafiker gearbeitet. „Aber er war immer auch schriftstellerisch tätig“, so Vogeding.

In der aktuellen Ausstellung kommt auch Gronau selbst zu Wort: An Medienstationen können die Besucher ihn aus seinen Werken vorlesen hören. Gronau hatte in den 90er-Jahren alle seine Arbeiten für Video-Aufzeichnungen vorgelesen. Als einen „Schatz“ bezeichnete Vogeding diese Aufnahmen.

Nach der Eröffnung las Gerd Spiekermann aus Gronaus Werken. Die zahlreichen Zuhörer – es mussten sogar noch zusätzliche Plätze auf dem Flett geschaffen werden – erlebten quasi eine Doppellesung. Denn Spiekermann trug auch eigene Geschichten vor. Spiekermann und Gronau hatten sich 1977 über das Projekt „Die niedersächsische Schlachteplatte“ kennengelernt: Eine Schallplatte, die aus Protest gegen die damalige Kreisreform eingespielt wurde. Er sei aber erst allmählich dahinter gekommen, „was für einer Hans O. E. Gronau war“, so Spiekermann.

Vieles habe er in langen gemeinsamen Gesprächen aus ihm „ruutketteln“ müssen. Gronaus Gedichte hätten immer etwas „Grafisches“ gehabt, sie „riemelten“ sich nicht und erinnerten ihn ein wenig an Dadaismus. Daher sei Gronau in der plattdeutschen Kulturszene nie so ganz richtig wahrgenommen worden. „Er hat nicht alle Preise bekommen, die er verdient hätte. Das ist für mich unbegreiflich“, sagte Gerd Spiekermann.

Gronau habe sogar Fabeln geschrieben. Dies sei eine literarische Uralt-Form, die verwendet wurde, um in Zeiten der Unterdrückung Gesellschaftskritik auszudrücken. Als Beispiele wählte Spiekermann die Fabel „Wie die Schafe zur Kultur gekommen sind“.

Im zweiten Teil wurde es lustig, denn Spiekermann trug eigene Gedanken vor. Er erzählte in einer Geschichte, wie er seinen Kindern die 50er- und 60er-Jahre erklärt hatte. Die meisten seiner Zuhörer hatten diese Zeit selbst erlebt. Aber am Sonnabend wurde ihnen bewusst, wie sich ihre Welt seitdem verändert hat. Damals hätten Schulkinder noch Angst vor den Lehrern gehabt, heute sei das genau umgekehrt, so Spiekermann. Und er schloss daraus: „Dat gifft doch noch ‘n Gerechtigkeit.“

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