Er macht seit 50 Jahren Musik

Barrier Roy Peter: Der Pilzkopf aus Sri Lanka

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Bass, E-Bass, Kontrabass: Roy beherrscht so ziemlich alles, was man zupfen kann.

Barrien - Von Robin Grulke. Roy Peter war 13 Jahre alt, als er das erste Mal von den Beatles hörte. Einer seiner Freunde brachte das erste Album der Gruppe „Please Please Me“ 1964 aus London mit nach Sri Lanka, in Roys Heimatstadt Colombo.

Als er mit seinen Kumpels „I saw her standing there“ anmachte und zum ersten Mal den ungewöhnlich schnellen Bass von Paul McCartney hörte, sagte er: „Meine Güte, was spielt der da?“ In dem Augenblick begann Roys Reise in die Musik, die ihn um die halbe Welt geführt hat.

„Ich hab das dann schnell gelernt“, erzählt Roy. Auch wenn sein Talent am E-Bass wohl nie an das von Paul heranreichen würde, hatte er mit 17 eine Band in Sri Lanka gefunden. Mit den Fireflies spielte Roy als junger Bursche in Bars und Kneipen. „Eine gute Chemie in der Gruppe ist wichtig“, meint der Musiker heute. Die fand er in den 70ern in Deutschland.

Heirat sorgt für längeren Aufenthalt

Damals war er mit fünf Freunden aus Sri Lanka unter dem Namen Topas in Europa unterwegs. Die Band spielte in Spanien, Österreich, aber auch in Frankfurt. Nach ein paar Monaten ohne Aufenthaltsgenehmigung stellten die deutschen Behörden Roy vor die Wahl: Entweder du heiratest, oder du gehst. Seine damalige Freundin Ruth aus Bremen war überrascht, aber nicht abgeneigt. Als sie heirateten, kannten sie sich gerade ein Jahr.

Das frisch vermählte Paar blieb in Deutschland, nur die Bandkollegen waren nicht so spontan. „Die sind dann zurück nach Sri Lanka oder in andere Länder gegangen“, sagt Roy. Ohne ihm bekannte Landsleute blieb aber auch die Musik auf der Strecke. „Ich konnte keine Band finden, weil mein Deutsch nicht so gut war.“ Um über die Runden zu kommen, jobbte er als Lagerarbeiter in einer Bremer Metallfabrik.

Nach einigen Jahren ohne Auftritt dann der Lichtblick: Anfang der 80er-Jahre bekam Roy ein Angebot einer Band aus Sri Lanka, das er dankend annahm. Mit der Gruppe spielte er eineinhalb Jahre lang in Österreich, Norwegen, Deutschland und der Schweiz. „Wir haben gespielt, was die Leute hören wollten“, erzählt der 66-Jährige. Es war eine aufregende Zeit und Roy dort angekommen, wo er sein wollte: auf Europas Bühnen.

Als Maschinenbauer Geld verdient

Als er wieder nach Hause kam, hatte er dennoch einiges nachzuholen. „Wir sind wiedergekommen und haben Kinder gekriegt“, sagt der Musiker schmunzelnd. Für Sohn und Tochter machte Roy einen Lehrgang, um sich als Maschinenbauer ein regelmäßiges Einkommen zu sichern. Nebenbei spielte er mit verschiedenen Gruppen wie Citiylight aus Vechta und der ersten eigenen Band, den Tropics.

Mit den Jahren veränderte sich die Musikszene, sodass Roy auf seine Bands weitgehend verzichten musste und solo spielte. „Es gab nicht so viel Arbeit für Musiker.“ Davon ließ er sich aber nie runterziehen: „Wenn man Musik macht, sollte man nicht traurig sein“, meint er. Der Sri Lanker hatte seine Bewunderung für Paul McCartney nicht verloren und schon eine Idee. Er spielte fortan solo, was die Beatles zu viert gepielt haben. Mit Gesang und Bass live zum Halb-Playback tritt er noch heute als Ein-Mann-Beatles-Show auf.

Mittlerweile übt und spielt Roy aber auch wieder mit zwei Bands. Die Roy Peter Band kommt zweifelsohne nicht ohne ihren Frontmann aus, und den Jazz-Musiker Piet Gorecki unterstützt der Barrier mit seinem Talent am E-Bass. Die Sache mit der guten Chemie, eben. „Mit Piet klappt das sehr gut.“

Mittlerweile wohnt Roy in Barrien, noch immer mit Ruth an seiner Seite. Im Obergeschoss ihres Hauses hat er sich einen Probenraum eingerichtet. Er bekommt Künstlerrente, doch solange er noch kann, will er Musik machen, das steht fest. Seine Kinder sind mittlerweile auch groß geworden. Bei so einem musikalischen Papa spielen sie doch sicher auch Instrumente? „Nein“, lacht Roy, „die sind Akademiker.“

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