Der Tod des grünen Klassikers

Tückischer Pilz befällt Buchsbaum-Gewächse

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Gesund und üppig im Wuchs: So soll ein Buchsbaum sein. Niederschlag kann sie in Gefahr bringen. Mindestens fünf Stunden müssen die Blätter nass sein, bevor der gefährliche Pilz Fuß fassen kann. 

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Einst gab er den charakeristischen Bauerngärten Struktur – wie noch heute am Kreismuseum in Syke. Er umsäumt Rasenflächen, Rosenbeete oder Grabanlagen: Der immergrüne Buchsbaum gehört zu den Klassikern in der Gartengestaltung. Doch jetzt sind Friedhofs- und Hobbygärtner im Landkreis Diepholz gleichermaßen in großer Sorge. Denn der tückische Pilz mit dem Namen Cylindrocladium buxicola richtet enorme Schäden an.

Auf dem Bassumer Friedhof zum Beispiel hat der Pilz bereits etliche Hecken oder Zierkugeln auf Grabstellen befallen. Das beweisen die kahlen Verästelungen und die dunklen Streifen auf diesen Pflanzen.

Die Blattfallkrankheit, wie der Pilzbefall auch genannt wird, ist nach Auskunft der Landwirtschaftskammer vor 13 Jahren zum ersten Mal in Deutschland dokumentiert worden. Seitdem, so haben die Fachleute im Pflanzenschutzamt festgestellt, tritt sie „teilweise in verheerendem Ausmaß“ auf.

Alarmzeichen sind dunkelbraune Flecken auf den Blättern. Die besagten, fast schwarzen Streifen auf den Trieben sind die Folge des Pilzbefalls, der am Ende die gesamte Pflanze absterben lässt.

Denn Cylindrocladium buxicola, so berichtet die Landwirtschaftskammer, wächst direkt in die Pflanze hinein. Bei hoher Luftfeuchtigkeit erscheint auf der Blattunterseite ein weißer Pilzbelag. Die Sporen darin verbreiten sich mit Wasserspritzern, so das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer. Diese langlebigen Dauersporen können, wenn sie mit den befallenen Blättern auf den Boden gelangen, dort mindestens vier Jahre überdauern.

Alternative suchen

Deshalb rät die Landwirtschaftskammer, dieses Laub und die erkrankten Pflanzen sofort zu entfernen und zu vernichten. Außerdem sollte die oberste Erdschicht abgetragen werden. Denn die langlebigen Krankheitserreger könnten neue Buchsbaum-Pflanzen sofort wieder infizieren.

Friedhofsgärtner Ingo Kliem rät deshalb dazu, bei Neubepflanzungen grundsätzlich auf den immergrünen Klassiker zu verzichten. Das sehen viele Bürger offenbar genauso. Beweis: die ausgedienten Buchsbaum-Pflanzen im Kompost-Container des Bassumer Friedhofs.

Eine üppige, dort entsorgte Zierkugel befand ein Besucher-Ehepaar allerdings als viel zu schade für den Müll – und nahm sie mit nach Hause, um sie vor der Hauseinfahrt wieder einzupflanzen. Dass sie befallen ist und das Buchsbaumsterben weiter trägt, glaubt das Paar nicht.

Dazu die Landwirtschaftskammer: „Damit der Pilz infizieren kann, müssen die Blätter über einen Zeitraum von mindestens fünf Stunden nass sein.“

Kann man einer Infektion vorbeugen? Pflanzenschutzmittel wirken dem Faltblatt der Landwirtschaftskammer zufolge nur bei gesunden Pflanzen. Sie verweist darauf, dass es zwei Typen des Erregers gibt. Einer davon reagiere „weniger empfindlich“ auf die Behandlung. Im Klartext: Gegen diese Gattung ist – bildlich gesprochen – kein Kraut gewachsen.

Gelbe stellen in Herrenhäuser Gärten 

Auch in Hannover ist der Pilz aktiv. Zum Saisonstart in den beliebten Herrenhäuser Gärten sind von insgesamt 15 Kilometern Buchsbaumhecke bis zur Hälfte der Pflanzen befallen. 

Buchsbaum-Sterben in den Herrenhäuser-Gärten

Daher werden dort nun nach und nach Gartenbereiche von den befallenen Pflanzen befreit und neu bepflanzt. "Während viele Gärten auf alternative Pflanzen zurückgreifen, versuchen wir hier nach Möglichkeit auf robustere Buchsbaumsorten umzusteigen", sagte Ronald Clark, der Direktor der Herrenhäuser Gärten.

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