Pilotprojekt mit Tablets bei der Polizei Syke: Beamte bearbeiten Unfälle direkt vor Ort und fragen Infos vor Kontrolle ab

Kleines Gerät – große Arbeitserleichterung

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Andreas Kunath (links), Dienststellenleiter in Syke, und Polizeikommissar im Einsatz- und Streifendienst Sören Harms sind Teil des Pilot Projekts mit Tablets bei der Polizei.

Syke - Von Vivian Krause. „80-Jährige Dame aus Klinik verschwunden, trägt eine blaue Bluse“. Mehr Informationen standen der Polizei Syke bisher für einen ersten Fahndungsaufruf nicht zur Verfügung. Jetzt können die Beamten gleich mit einem Foto nach der Vermissten suchen – weil Beamte vor Ort mit ihrem Tablet ein Familienbild fotografiert und per E-Mail weitergeleitet haben. Zurzeit läuft ein Modellversuch.

Drei Polizeidirektionen in Niedersachsen sind Teil des Tablet-Pilotprojekts im Einsatz- und Streifendienst, und Syke ist eine von nur zwei Pilotdienststellen in der Direktion Oldenburg: „Wir sind ein Vorreiter für die Kollegen, landes- und vielleicht auch bundesweit“, so Andreas Kunath, Dienststellenleiter in Syke. Dass seine Dienststelle dabei ist, liegt laut Kunath vorwiegend an zwei Faktoren: Syke habe viele junge Beamte, für die moderne Technik selbstverständlich ist. Weil zum Kommissariat auch Twistringen, Bassum und Bruchhausen-Vilsen gehören, haben die Beamten lange Strecken zurückzulegen und können somit die Netzabdeckung testen. Diese sei „super, das hat mich wirklich selber gewundert“, so Sören Harms, Polizeikommissar im Einsatz- und Streifendienst.

Seit Oktober nutzen die Beamten in Syke die Tablets im Dienst, allerdings noch in der Schulungsversion, also zum Üben und Kennenlernen. Neben dem Intranet des Polizeikommissariates Syke kann auch das Internet genutzt werden. Aktuell können also bereits Halterkontrollen durchgeführt, E-Mails abgerufen oder Unfallstandorte registriert werden.

Der nächste Schritt soll noch diesen Monat folgen: Das Vorgangsbearbeitungssystem im Dienst testen. Heißt: Die Polizisten im Streifendienst können direkt mit dem Tablet ihren Vorgang anlegen statt sie wie bisher in ihrem Merkbuch zu notieren und später auf der Dienststelle am Computer zu erfassen – und ihre Arbeitszeit optimal nutzen: Sie können zum Beispiel direkt am Unfallort arbeiten, während sie auf den Abschleppdienst warten. Damit bleibt den Beamten Zeit für mehr Präsenz auf der Straße. Bei Kontrollen zum Beispiel soll künftig neben der Halter- auch eine Personenabfrage möglich sein. Die läuft bisher über Funk. „Durch das Tablet sparen wir viel Zeit“, unterstreicht Harms. Denn nun könne der Beifahrer in einem Polizeiwagen schon während der Fahrt Informationen abrufen. Sollten sich daraus Hinweise auf Waffenbesitz ergeben, können die Beamten mit einer ganz anderen Haltung die Kontrolle vornehmen: „Das ist auch zu unserer Sicherheit.“

Apropos Sicherheit: Das System wurde durch eine externe Firma „von Grund auf neu konstruiert“, erläutert Harms. Es wurde eine Software installiert, die keinerlei Hacker-Angriffe möglich macht. Auch gilt: Kein W-Lan und kein Bluetooth. Davon, dass alle Sicherheitslücken geschlossen sind, gehen Harms und Kunath aus.

Vor Diebstahl sind jedoch auch Polizeibeamte nicht gefeit. Das Gerät kann durch einen 24-Stunden-Service auf Werkeinstellungen zurückgesetzt werden. Selbst, wenn man den PIN zum Entsperren geknackt habe, müsse man sich noch einmal in das System selbst einloggen, erklärt Harms. Sicher ist sicher.

Das 8-Zoll-Tablet passt in die Hosen- und in die Brusttasche – ein kleines Gerät für große Arbeitserleichterung. Noch bis Februar läuft das Pilotprojekt. Das Zwischenfazit: „Durchweg positiv!“

Das Projekt ist für Kunath aber nur ein erster Baustein. Bei ihm spielt noch weitere Zukunftsmusik: Abscannen von Ausweisdokumenten, Unterschriften auf eine Touch-Display und das Diktieren von Fällen direkt in das Gerät.

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