Pianistin Hauke Kranz ist überzeugt: Musik kann jeden Menschen bewegen

Ohne Umweg ins Gehirn

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Hauke Kranz an ihrem bevorzugten Arbeitsgerät.

Syke - Von Michael Walter. „Musik ist Emotion.“ Das ist auf einen Nenner gebracht, was Hauke Kranz ihre inzwischen fünf Jahrzehnte Lebenserfahrung gelehrt hat. „Musik geht direkt ins Stammhirn und macht dort etwas mit uns, das wir erst hinterher mit dem Verstand verarbeiten.“

Das Pfeifen im dunklen Keller ist für sie ein Paradebeispiel dafür. „Wir beruhigen uns selbst damit und machen uns durch die Musik schöne Gefühle. Musik berührt. Das ist der Rote Faden meiner Arbeit von Anfang an.“

1964 als ältestes von vier Geschwistern geboren, wuchs Hauke Kranz als Tochter eines Kirchenmusikers und Musiklehrers in Soltau auf. 1976 zog die Familie nach Syke. Hauke Kranz machte 1983 ihr Abitur am Syker Gymnasium und begann anschließend in Bremen ein Musikstudium. Gleichzeitig erhielt sie ihre erste Stelle an der Kreismusikschule in Syke. Mit 19Jahren war sie die jüngste festangestellte Musiklehrerin weit und breit. Später schloss sie in einem Zweitstudium ihre Pianistenausbildung ab und legte 1992 die Künstlerische Reifeprüfung ab. Über 20 Jahre lang war sie danach als Lehrkraft für Klavier und Blockflöte an der Kreismusikschule tätig, gab parallel aber immer auch kleinere und größere Konzerte. Seit 2004 ist Hauke Kranz komplett selbstständig.

„Grundsätzlich kann man jeden mit Musik berühren“, ist ihre feste Überzeugung, zu der sie nicht zuletzt durch den Kontakt mit ihren Schülern gelangt ist. „Da ist zum Beispiel eine ältere Dame, so Ende 70“, erzählt sie. „Die ist Jahre nach einem schweren Schicksalsschlag bei mir gelandet. Das Klavier ist für sie zum Gerät geworden, mit dem sie ihre Hemmungen überwinden und ihre Gefühle ausdrücken kann. Da fließen dann schon mal die Tränen.“

Eine andere Frau im Großmutter-Alter hat hingegen einen Heidenspaß daran, am Klavier mit ihren Enkeln die Lieder aus dem Kindergarten nachzusingen.

Überhaupt ist es die Altersgruppe ab 55 aufwärts, bei der Kranz einen verstärkten Bedarf nach aktiver Musikalität festgestellt hat. „Bei vielen scheint Klavier spielen ein unerfüllter Kindheitstraum zu sein, den sie sich auf ihre alten Tage verwirklichen wollen.“

Bis zu einer gewissen Grenze kann man das auch allein ganz gut schaffen. Früher oder später kommt dann aber ein Punkt, an dem es nicht mehr weiter geht oder zumindest der Übungsaufwand in keinem akzeptablen Verhältnis mehr zum Lernfortschritt steht. „Viele schmeißen dann wieder hin“, sagt Kranz. „Weil sie Angst haben, sich zu blamieren oder sich schlicht einreden: Ich bin zu blöd dazu.“ Das findet sie schade. „Ganz alleine geht‘s eben manchmal nicht. Dann holt euch doch Hilfe“, sagt sie und bricht damit eine Lanze für ihren Berufsstand. Möglichkeiten, ein Instrument zu lernen, gebe es immer. „Auch im reiferen Alter, und auch ohne Notenkenntnisse. Jeder, der wirklich Lust dazu hat, kann das lernen.“

Übrigens: Hauke Kranz feiert am Wochenende ihren zehnten Jahrestag als selbstständige Klavierpädagogin. Für Samstag, 27.September, hat sie sich dazu für die Zeit von 14.30 bis 18Uhr ein kleines Programm mit verschiedenen kurzen Klavierstücken und einem „Herzenslieder“-Konzert zum Mitsingen ausgedacht. Zwischendurch gibt‘s Kaffee und Kuchen und viel Raum für Gespräche. Adresse: Waldstraße67; der Eintritt ist frei.

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