1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Syke

Hecken und Co.: Nicht jeder hält sich an die Spielregeln

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Walter

Kommentare

Lars Lindhoff vom städtischen Bauhof zeigt das Problem: Das Grün treibt noch weiter aus. Im Sommer reichen die Äste dann bis mitten auf den Fußweg. Baumschnitt in Syke
Lars Lindhoff vom städtischen Bauhof zeigt das Problem: Das Grün treibt noch weiter aus. Im Sommer reichen die Äste dann bis mitten auf den Fußweg. © Michael Walter

Die Stadt erwägt Zwangsgelder und „Ersatzvornahmen“, wenn Grundstückseigentümer sich nicht um den Grünschnitt am Straßenrand kümmern. Eine Mitarbeiterin des Syker Ordnungsamtes erklärt, was erlaubt und erforderlich ist - und wie die Situation aussieht.

Nein: An den Pranger stellen wollen sie bei der Stadtverwaltung niemanden. Obwohl sie es könnten. Schätzungsweise jeder dritte Grundstückseigentümer hält sich nicht an die Spielregeln, sagt Maxi Ritter vom Ordnungsamt. Und die kann das beurteilen, denn sie hat damit jede Menge Arbeit.

Es geht um Bäume, Büsche, Sträucher und Hecken, die aufdringlich werden, indem sie über die Grundstücksgrenzen hinaus auf Geh- und Radwege oder – noch schlimmer – ins Straßenprofil hinein wachsen. Das ist nicht erlaubt, und die Eigentümer müssen dafür sorgen, dass das nicht passiert. Aber siehe oben: tun sie oftmals eben nicht.

Schätzung: Rund 30 Prozent der Gehwege sind nicht gut gepflegt

„Es geht darum, dass Leute mit Rollator oder Kinderwagen die ganze Breite des Gehwegs nutzen können und nicht auf die Straße ausweichen müssen“, erklärt Maxi Ritter. „Was das angeht, sind 30 Prozent der Gehwege im Stadtgebiet nicht gut gepflegt“, peilt sie über den Daumen. Gleiches gilt für Bereiche, in denen es gar keine Gehwege gibt. Da sind es die Seitenstreifen, die die Grundstückseigentümer freihalten müssten. Konjunktiv!

Das ist übrigens keine Verpflichtung, die auf Kopfhöhe endet. „Lichtraumprofil“ ist da das Stichwort. Das ist die Höhe von der Oberfläche des Gehwegs oder der Fahrbahn bis zum untersten Ast, der dort hinüberragt. Bei Gehwegen muss dieses Lichtraumprofil 2,50 Meter betragen, bei Straßen und Seitenstreifen 4,50 Meter. „Damit da auch der Müllwagen oder ein Mähdrescher drunter passt“, sagt Ritter. „Bei einem richtig großen Ast ist der Müllwagen Schrott, wenn er dagegen fährt.“

Maxi Ritter ist überzeugt: Nur selten ist es Ignoranz oder gar mutwillig, wenn Grundstückseigentümer ihr Grünzeug nicht entsprechend zurückschneiden. Oft fehle es einfach nur am Wissen oder am Bewusstsein, sagt sie. „Ein kleiner grüner Punkt auf der Bauskizze ist in zehn Jahren ein richtig großer Baum“, gibt sie ein Beispiel. „Eine Hecke muss grundsätzlich an der Grundstücksgrenze aufhören. Deshalb ist es auch nicht ratsam, sie direkt an der Grenze anzulegen, sondern lieber ein, zwei Meter davor. Und vor Einmündungen kommt dann zusätzlich noch die Sichtachse ins Spiel: Da muss der Bewuchs bis auf 80 Zentimeter runtergeschnitten werden.“

Also schneiden er und seine Kollegen Ralf Warnecke und Stefan Diekmeier es jetzt zurück. Keinesfalls zu früh. Denn am 1. März beginnt die Brutzeit. Bis Oktober ist dann nur noch „Spitzen ab“ erlaubt. Oder auf Behördensprech: Form- und Pflegeschnitt.
Lars Lindhoff sowie seine Kollegen Ralf Warnecke und Stefan Diekmeier gegen die Hecke: Vom 1. März bis Oktober ist wegen der Brutzeit nur noch „Spitzen ab“ erlaubt. © Walter, Michael

Am 1. März beginnt die Brutzeit

Beispiele, wo es immer wieder zu Behinderungen kommt, könnte Maxi Ritter reihenweise aufführen. Weil die Stadtverwaltung aber niemanden bloßstellen möchte, zeigt sie das Problem an einem städtischen Grundstück: Auf einem Fußweg zwischen der alten Feuerwehr und dem Kindergarten in Gessel stutzt der Bauhof gerade die Bäume und Büsche am Wegesrand. Selbst die größten sind noch ein ganzes Stück vom eigentlichen Weg entfernt. „Aber die treiben ja noch weiter aus“, sagt Lars Lindhoff vom Bauhof-Team. „Bis zum Sommer reichen die Äste mindestens bis hier“, zeigt er mit der Hand eine Linie mitten auf dem Weg. Und am 1. März beginnt bereits die Brutzeit. Dann dürfen Bäume, Büsche und Hecken bis Oktober nicht mehr zurückgeschnitten werden. Nur noch „Spitzen ab“ ist dann erlaubt. Oder auf Behördensprech: Form- und Pflegeschnitt.

Anders ausgedrückt: Grundstückseigentümer haben nur noch zwei Wochen Zeit, sonst gibt’s Ärger – so oder so. Weil diese Fälle mehr werden – Erster Stadtrat Thomas Kuchem: „Langsam nimmt es überhand“ – versteht die Stadt auch keinen Spaß mehr. Zeigt eine erste freundliche Ansprache keine Wirkung, wird der Ton schnell sehr viel strenger. Kuchem: „Wir sprechen dann über Zwangsgeld und Festsetzung von Ersatzvornahmen. Das ist ein stehender Begriff in der Verwaltung und der meint: Wenn Du es nicht machst, machen wir es, aber Du musst es bezahlen. Das wirkt dann meistens. Denn Selbermachen ist deutlich billiger, als wenn wir eine Rechnung schicken.“

Auch interessant

Kommentare